Soziologische Forschung Ist die Generation Z ein Mythos?

Feiern, Work-Life-Balance und jetzt auch noch pro Gewalt? So stellen Medien zum Teil die Generation Z dar. Foto: Unsplash/Helena Lopes

Sie wollen nicht arbeiten, kleben sich auf der Straße fest und befürworten Gewalt gegen Frauen? Medienberichte zeichnen ein bizarres Bild der jüngeren Generationen.

Familie, Zusammenleben und Bildung: Eva-Maria Manz (ema)

Dass Ältere sich oft über junge Menschen wundern, dass Jüngere sich abgrenzen wollen – das ist der Lauf der Welt. Und doch erscheint das Stereotyp, das manche Medien über Jüngere zeichnen, zunehmend bizarr: Die wollen angeblich nicht arbeiten, kleben sich auf der Straße fest und sind nun auch noch für Gewalt gegen Frauen?

 

In den vergangenen Tagen gelangte eine Umfrage des Kinderhilfswerks Plan International an die Öffentlichkeit, bei der unter Befragten zwischen 18 und 35 Jahren jeder dritte Mann angab, Gewalt gegen Frauen in Beziehungen akzeptabel zu finden. Kann das sein? In sozialen Medien wurde Kritik laut an der Methodik der Umfrage, einer Online-Befragung von 1000 Männern und 1000 Frauen, die nicht so repräsentativ ist, wie sie vorgibt.

Gerade auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich ein großes Interesse an den Jüngeren

Wer ist die sogenannte Generation Z wirklich, und was will sie? Laut Statista eine Alterskohorte, die zwischen den Jahren 1996 und 2009 geboren wurde. Die Vorgänger sind die Millennials, die zwischen 1981 und 1996 Geborenen. Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich ein großes Interesse an den Wünschen der unter 40-Jährigen.

Von einer guten Work-Life-Balance ist bei den Befragten oft die Rede, aber auch von materieller Sicherheit. Zu den wichtigsten Lebenszielen der Generation Z gehört laut Statista das Reisen, aber auch ein hohes Gehalt. Bei Werten und Lebenseinstellung unterscheide sich die Generation Z von den Millennials. Spaß sei ihr wichtiger, starke Erlebnisse und Abenteuer sowie ein abwechslungsreiches Leben auch, heißt es. Doch wen wundert eine Portion Hedonismus in Anbetracht von Krisen, Kriegen und Pandemie, die die Jugend dieser Jahrgänge prägten?

Wie aussagekräftig solche allgemeinen Aussagen über eine ganze sogenannte Generation sind, darüber wird in der Soziologie schon länger debattiert. Der Marburger Soziologe Martin Schröder beispielsweise schlussfolgerte aus einer Untersuchung im Jahr 2018: Es gibt in der Bundesrepublik keine grundlegenden Unterschiede der Einstellungen zum Leben und zur Welt in den verschiedenen Generationen.

In seiner Studie hatte er mehr als 500 000 Einzeldaten von 70 000 Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmern ausgewertet, wie die Zeitschrift „Forschung und Lehre“ berichtete. Nach Ansicht Schröders ist der Generationenbegriff verwässert. Die meisten Studien litten an einem Mangel: Um eine Generation von einer anderen abgrenzen zu können, müsste man ihre Angehörigen mit älteren oder jüngeren Personen vergleichen. Doch das würde oft nicht gemacht.

Die verschiedenen Milieus einer Altersgruppe sind zudem untereinander gar nicht mehr derart homogen, wie das noch in früheren Jahrzehnten der Fall gewesen sein könnte. Schließlich ist die Gesellschaft immer diverser und heterogener geworden. Entsprechend überrascht zeigten sich viele nach der Bundestagswahl 2021, als die Erstwähler nicht vorwiegend die Grünen, sondern genauso häufig die FDP wählten.

Sind „die Jungen“ konservativer, als man gedacht hatte?

Grüne und FDP vereinten mit jeweils 23 Prozent die meisten Erstwählerstimmen. Sind „die Jungen“ also konservativer, als man gedacht hatte? Wer weiß. Manche Forscher nehmen an, es gebe gar keine Generation Z oder Generation Greta, sondern viele verschiedene Strömungen und Milieus innerhalb einer Alterskohorte.

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