Spätstarter-Programm Ältere Azubis werden stärker gefördert

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Die Bundesagentur für Arbeit und das Bundesarbeitsministerium verlängern das Spätstarter-Programm für 25- bis 35-Jährige, die eine Lehre nachholen wollen. Profitieren sollen vor allem junge Erwachsene mit Familien.

Ältere Bewerber sollen die Chance auf einen Berufsabschluss haben. Sie werden gezielt gefördert. Foto: dpa
Ältere Bewerber sollen die Chance auf einen Berufsabschluss haben. Sie werden gezielt gefördert. Foto: dpa

Stuttgart - Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist bei Ungelernten viermal höher als bei Menschen, die eine Ausbildung gemacht haben. Trotz der momentan relativ guten Lage am nationalen Arbeits- und Ausbildungsmarkt sind Erwerbsbiografien ohne Berufsabschluss nicht selten: Während der eine Bewerber keine Lehrstelle findet, weil seine schulischen Leistungen oder sein Sprachniveau zu schlecht sind, bricht ein anderer seine Ausbildung ab und wechselt als Hilfsarbeiter direkt in eine Berufstätigkeit. Im dritten Fall kann eine junge Mutter ihre Lehrstelle nicht antreten, weil sie als Alleinerziehende keinen Kinderbetreuungsplatz findet.

Damit diese jungen Heranwachsenden nicht in die Arbeitslosigkeit abrutschen oder wieder hinausfinden, unterstützen die Arbeitsagenturen und Jobcenter auch ältere Bewerber. In einem „Spätstarter“- Programm sind in den vergangenen drei Jahren bundesweit knapp 100 000 Heranwachsende im Alter von 25 bis 35 Jahren gefördert worden. Die gemeinsame Initiative von Bundesagentur für Arbeit (BA) und Bundesarbeitsministerium wurde nun um vier Jahre verlängert, wie die BA am Montag mitteilte. Unter dem neuen Namen „Zukunftsstarter“ sollen bis 2020 insgesamt 120 000 junge Menschen für eine Aus- und Weiterbildung mit dem Ziel eines Berufsabschlusses gewonnen werden.

120 000 junge Menschen sollen für die Ausbildung gewonnen werden

Das Programm hat vor allem junge Erwachsene mit Familien im Blick. Finanziell gefördert werden vor allem drei Formen der Qualifikation: Weiterbildungen in Voll- und Teilzeit, die zu einem Berufsabschluss führen, betriebliche oder überbetriebliche Umschulungsmaßnahmen, die mindestens berufliche Teilqualifikationen beinhalten, sowie Vorbereitungslehrgänge für sogenannte Externenprüfungen. Dabei erwirbt ein ungelernter Beschäftigter, der eine Tätigkeit im Betrieb über einen längeren Zeitraum hinweg ausgeführt hat, den dazugehörigen Berufsabschluss. Zuschüsse gab es in diesen Bereichen bereits bisher.

Eine neue und politisch nicht unumstrittene Form der Förderung sind direkte Prämien, die es künftig etwa für abgeschlossene Weiterbildungsmaßnahmen oder erfolgreiche Zwischen- und Abschlussprüfungen geben wird. Dadurch soll die Motivation und der Durchhaltewillen der Teilnehmer gefördert werden. Das oberste Ziel sei es, die hohen Abbrecherquoten zu verringern, erklärte eine Sprecherin der Bundesagentur.

In Baden-Württemberg haben 9400 Teilnehmer profitiert

An Baden-Württemberg haben im Zeitraum 2012 bis 2015 gut 9400 junge Männer und Frauen vom Programm profitiert. BA-Regionalchef Christian Rauch geht davon aus, diese Zahl in den kommenden vier Jahren noch einmal zu übertreffen. „Die Vorteile liegen auf der Hand: Mehr Verdienst, mehr Stabilität im Erwerbsleben und letztlich mehr Rente“, sagte Rauch dieser Zeitung. Gleichzeitig seien Fachkräfte für die Betriebe im Land wichtig. „Mit der Zukunftsstarter-Initiative können sie ihren Nachwuchsbedarf auch mit motivierten älteren Auszubildenden decken, die froh um eine zweite Chance sind.“

Detlef Scheele, Vorstand Arbeitsmarkt der Bundesagentur, hob die besondere Herausforderung für die Teilnehmer hervor: „Natürlich erfordert es Geduld und Durchhaltevermögen von einem 32-Jährigen, wenn er neben einem 16-Jährigen auf der Schulbank sitzt und seinen Berufsabschluss nachholt. Aber es lohnt sich.“ Vor dem Spätstarter würden noch viele Berufsjahre liegen.