„Spätzlescowboy“ aus Hemmingen Hank Häberles Band lässt seine Musik weiterleben – „Er war ein echtes Käpsele“

Linkes Bild: die Dagdiab einst, mit ihrem Bandleader Hank Häberle jr. (ganz links). Rechtes Bild: die Dagdiab jetzt, bei ihrem ersten offiziellen Reunion-Gig in Alfdorf im Rems-Murr-Kreis. Foto: privat

Die Dagdiab feiern ihre Rückkehr: Die Band des legendären Hemminger Countrymusikers Hank Häberle jr. tritt wieder gemeinsam auf – eine Reunion, auf die viele sehnlichst gewartet haben.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Eingefleischten Fans könnte folgender Spruch noch in den Ohren klingeln: „Du bleibsch dei Läba lang a Depp – ohne a Häberle-Kassett’!“ Hank Häberle jr., der schwäbische Country-Barde, nahm zu Lebzeiten kein Blatt vor den Mund. Seine Mundart-Komik war mal gepaart mit sozialkritischem Unterton, mal mit Brachialwitz, stets aber verpackt in gut- bis erstklassige Countrysongs, festgehalten natürlich auch auf Musikkassetten. Das hat nicht nur im Stuttgarter Raum bei mehreren Generationen bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

Auch heutzutage ist es häufig egal, ob man einen Mitzwanziger oder Mitfünfziger auf den gebürtigen Hemminger, den selbst ernannten „Schbätzlescowboy“, anspricht. Auf jeden Fall wird mindestens einer antworten: „Ach ja, das ist der mit dem GTI-Song.“ Genau: „I fahr’ GTI“ ist Hank Häberles wohl größter Hit, augenzwinkernd geschrieben aus der Sicht eines Prolls in seiner getunten Karre.

Hank Häberle jr. ist vor gut 19 Jahren gestorben – seine Musik lebt nun auf

Nun ist es tragische Tatsache, dass Bernhard Soppa, so Hank Häberles bürgerlicher Name, vor gut 19 Jahren gestorben ist. Ende 2006 oder Anfang 2007 – genau weiß man es nicht – erlag er einem Magendurchbruch. Seine Lieder gab es fortan nurmehr auf Konserve, sprich LP, Kassette oder CD, später auch auf Spotify und Konsorten. Ab und zu wagte sich auch die eine oder andere Combo an eine Coverversion.

Hank Häberle mit Ami-Schlitten: Der Hemminger Musiker holte sich viel Inspiration aus den USA. Foto: privat

Das ändert sich jetzt, und zwar grundlegend. Denn Hank Häberles Band, die Dagdiab, schicken sich an, die Lieder wieder live zu spielen. Am 25. Oktober 2025 gab’s in Alfdorf (Rems-Murr-Kreis) das erste offizielle Konzert, das mit 450 Besuchern ausverkauft war. Der nächste Auftritt wird zwar rund dreimal so groß: Für den Dagdiab-Gig in Empfingen im Kreis Freudenstadt am 28. Februar sind allerdings schon alle 1500 Tickets weg.

„In Alfdorf, das war Wahnsinn, das Publikum hat wirklich jede Nummer mitgesungen“, sagt Winfried „Winnie“ Wohlbold, der die Pedal-Steel-Gitarre bedient. „Ich hab’ auf der Bühne nix mehr von der Band gehört, so laut war das.“ Neu-Sänger Mari Eckhardt fügt hinzu: „Da ist der Knoten endgültig geplatzt.“

Angefangen hat die Wiedervereinigung der Häberle-Truppe am 11. Juni 2022 bei der sogenannten Schwabenshow im Stuttgarter Theaterhaus. Eckhardt stand schon damals am Mikro, am Bass half der in Rock- und Metal-Kreisen bekannte Gitarrist Andy Susemihl (unter anderem Sinner, U.D.O., Bangalore Choir) aus. Wohlbold: „Und schon in der Pause kamen die Menschen zu uns: ‚Leute, das ist so geil, kommt da noch was?‘“

Doch es kam zunächst: nichts. „Aber irgendwann haben wir uns die Frage gestellt: Warum machen wir eigentlich nicht weiter“, so Wohlbold. Eine Whatsapp-Nachricht „vom Reverend“ – also von Schlagzeuger Harald Wester – genügte, dann war die Sache klar. Um eine Homepage fürs Netz kümmerte sich Mario Eckhardt, anschließend kam alles ins Rollen. Von der klassischen Dagdiab-Besetzung ist noch Heiko „Fischle“ Ahrend an Fiddle und Gitarre dabei. Gitarrist Norbert „Doc“ Dengler und Claus „Wummerle“ Lindenmayer am Bass komplettieren die Band.

Die Dagdiab-Besetzung bei der Schwabenshow im Juni 2022: Kabarettist Christoph Sonntag (rechts) gehört allerdings nicht dazu. Foto: privat

Und natürlich ist Hank Häberles Geist stets mit von der Partie. Da bleiben bei den Musikern Erinnerungen nicht aus. „Er hat gesagt: ‚Ich werd’ keine 50‘“, sagt Winfried Wohlbold, „und das hat sich leider auch bewahrheitet.“ Der Gitarrist, selbst 62 Jahre alt, berichtet von einem „schlauen Menschen, einem guten Typen“ – der aber keinen zu 100 Prozent an sich rangelassen habe. „Wenn es ernst war, war er der Bernhard. Ansonsten war er der Hank.“

Soppas Alkoholsucht war kein Geheimnis. „Gegen Ende war es sehr traurig“, blickt Mari Eckhardt zurück, der den Schwabencountry-Star ebenfalls lange gekannt hat. Wohlbold: „Er war sehr krank, und wir haben noch versucht, ihm zu helfen, ihn ins Krankenhaus zu bringen. Aber er wollte das nicht.“ Gleichwohl sind da auch die positiven Andenken. Eckhardt betont: „Er war ein Genie, ein Verrückter. Der konnte nicht nur blödeln, er war ein echtes Käpsele und konnte auch noch singen.“

Sänger Mario Eckhardt: „Die Songs sind wie Heimkommen“

Singen kann Eckhard natürlich auch. Er kennt quasi alle Häberle-Songs aus dem Effeff. Das ist auch sinnvoll, denn so ein Dagdiab-Auftritt kann schon mal drei Stunden dauern. „Die Songs sind wie Heimkommen“, sagt Eckhardt. Wohlbold ergänzt: „Und viele sind ja heute noch genauso aktuell wie damals. Bei ‚Her uff Saddam‘ zum Beispiel muss man nur den Saddam durch einen anderen Tyrannen ersetzen.“ Auch die Umweltverschmutzung, Thema bei „Dronda am Necker“, sei genau so problematisch wie einst.

Was genau bei den Shows gespielt wird, soll nicht verraten werden. Amtlich ist lediglich: Den Anfang macht „Drecksäck, scharfe Weiber ond kalts Woizabier“, am Ende wird die „Schwobahymne“ stehen – bei der sicher der eine oder andere Fan ein Tränchen verdrückt. „Es wäre schade gewesen, wenn die Lieder untergegangen wären“, sagt Mari Eckhardt.

Die Dagdiab – erfahrene Musiker

Winfried Wohlbold
ist erfahrener Pedal-Steel-Gitarrist, tourte schon mit Größen wie Paul Overstreet und Frank Mason und war Backing Artist für zahlreiche weitere Künstler. Um 2010 lernte er Dieter Thomas Kuhn kennen und arbeitete für ihn als Backliner, kümmerte sich also um die Instrumente. Gemeinsam mit dem aus dem Schlager bekannten Musiker startete er einige Projekte.

Mari Eckhardt kam über Elvis und den Rock ’n’ Roll schließlich zum Punk (erste Band: Genital) und zum Melodic Rock (Broken Illusion). Als Fachmann in Sachen Tontechnik arbeitete er auch mit Gotthilf Fischer zusammen. „Dann kam der Schwabenrock, das Ehrlichste, was ich in meinem Leben gemacht habe“, sagt er.

Termine
Nach dem ausverkauften Gig in der Tälesee-Halle in Empfingen am 28. Februar stehen bislang folgende Dagdiab-Termine fest: am 10. April in der Stadthalle Pfullendorf, am 24. Oktober im Sparkassen-Carré in Tübingen und am 7. November im Kulturzentrum Uditorium in Uhingen.

Internet
Mehr über die Dagdiab gibt es online auf: http://hankhäberle.de.

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