Spanisches Königshaus Juan Carlos zieht sich zurück – warum bloß?

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Fünf Jahre nach seiner Abdankung zieht sich der spanische Ex-König formell aus dem öffentlichen Leben zurück. Keiner weiß warum.

Fünf Jahre nach seiner Abdankung zieht sich der spanische Ex-König formell aus dem öffentlichen Leben zurück. Foto: AFP
Fünf Jahre nach seiner Abdankung zieht sich der spanische Ex-König formell aus dem öffentlichen Leben zurück. Foto: AFP

Madrid - Es war ganz so wie in alten Zeiten: Niemand stellte unangenehme Fragen. Am Montagabend, als ganz Spanien noch mit der Analyse der Wahlergebnisse vom Sonntag beschäftigt war, gab das Königshaus den Rückzug von Juan Carlos aus dem öffentlichen Leben bekannt. Und keiner wollte wissen, warum. Als ginge es um das Privatleben eines alten Herrn, in das man sich anständigerweise nicht einmischt. Es geht aber um den früheren König, der sich nach seiner Abdankung vor fünf Jahren immer noch König nennen darf. Er will nicht mehr, er kann nicht mehr. Er dankt ein zweites Mal ab.

„Majestät, lieber Felipe“, so redet der 81-Jährige in einem Brief, den das Königshaus öffentlich machte, seinen Sohn und Nachfolger auf dem spanischen Thron an. „Ich glaube, der Moment ist da, in meinem Leben eine neue Seite aufzuschlagen und meinen Rückzug aus dem öffentlichen Leben zu vollenden“, schreibt Juan Carlos lapidar. Ohne jede weitere Begründung.

Die meisten Spanier haben sich seit der Thronbesteigung Felipes mit der Krone versöhnt

Jaime Peñafiel, der beste Kenner des spanischen Königshauses, erinnerte in einem Zeitungskommentar am Dienstag an eine alte Bemerkung der Immer-noch-Ehefrau von Juan Carlos, Königin Sofía: „Einen König kann nur der Tod in den Ruhestand schicken. Er soll im Bett sterben, damit man sagen kann: Der König ist tot, es lebe der König!“

Doch Juan Carlos hörte, wie meistens, nicht auf Sofía. Am 2. Juni 2014 dankte er ab. Damals verstand alle Welt, warum: Er wollte den guten Ruf der Monarchie, den er selbst mit unangebrachten Jagdausflügen und ebenso unangebrachten Liebeshändeln beschädigt hatte, schützen. Das gelang. Die meisten Spanier haben sich seit der Thronbesteigung Felipes mit der Krone versöhnt.

Juan Carlos blieb, im Schatten seines Sohnes, Repräsentant des Königshauses, wenn auch kein besonders viel beschäftigter. An 119 Veranstaltungen nahm er in den vergangenen fünf Jahren im Namen der Krone teil, das macht ungefähr zwei im Monat. Er nahm an der Trauerfeier für Fidel Castro und an der Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen der Regierung Kolumbiens und der Farc teil. Solche Reisen will er nicht mehr auf sich nehmen – und auch sonst keine offiziellen Auftritte.

Hat ihn nun einfach die Lustlosigkeit gepackt?

Ein naheliegender Grund dafür wäre sein Gesundheitszustand. Seine Gelenke sind nicht im besten Zustand, das weiß man, er ist hin und wieder schon vor aller Augen gestürzt, er musste sich mehreren Operationen unterziehen und bewegt sich nie ohne Stock. All das hindert ihn aber nicht daran, ein reges Freizeitleben zu führen. In den vergangenen Tagen besuchte er etliche Stierkämpfe in Madrid, im November flog er zu einem Formel-1-Rennen in Abu Dhabi, er nimmt regelmäßig an Segelregatten teil, worauf er stolz ist. Es geht ihm also recht gut.

Hat ihn nun einfach die Lustlosigkeit gepackt? Es gibt noch eine andere Möglichkeit: dass er seiner Aufgabe nicht mehr gewachsen ist. Noch vor seiner Abdankung, im Januar 2014, quälte er sich während einer militärischen Feier offenbar desorientiert durch eine Rede. Wahrscheinlich ist, dass Juan Carlos geistig abbaut. Doch das Königshaus dementiert das, und ganz wie früher stellt in Spanien niemand unangenehme Fragen.