Zahlungsprobleme Sparda-Bank verärgert Kreditkartenkunden
Mit der Kreditkarte ein Ticket oder eine Eintrittskarte im Ausland buchen – Fehlanzeige bei der Sparda-Bank BW. Eine IT-Umstellung macht enorme Schwierigkeiten.
Mit der Kreditkarte ein Ticket oder eine Eintrittskarte im Ausland buchen – Fehlanzeige bei der Sparda-Bank BW. Eine IT-Umstellung macht enorme Schwierigkeiten.
Der Urlaub in Dänemark steht an, gleich noch die begehrten Eintrittskarten fürs Legohaus in Billund buchen, damit der Besuch dort nächste Woche auch sicher klappt. Von wegen. Ohne Kreditkarte läuft nichts – doch die funktioniert nicht, andere Zahlungsarten werden nicht akzeptiert.
Die Kundin der Sparda-Bank BW, die unserer Zeitung ihre Erfahrungen bei der Onlinebuchung schildert, ist nicht die Einzige, die durch den IT-Wechsel massive Probleme mit der Kreditkarte hat. Dass sie im Onlinehandel funktioniert, bringt ihr nichts. Sie will keine Klamotten, sondern Tickets kaufen. Auch anderen Kunden der Genossenschaftsbank geht es ähnlich. „Ich wollte die ETA für England beantragen und Busse, Züge und Unterkünfte buchen, alles nur per Kreditkarte möglich – geht aber nicht“, schildert ein anderer Kunde seine Erfahrung. Bei manchen Kunden funktioniert mit Kreditkarte überhaupt keine Onlinezahlung.
Hintergrund ist, dass die Sparda-Bank im Zuge der IT-Umstellung das Onlinebanking (3D Secure) bereits zum 23. Juli 2025 abgeschaltet hat, denn das neue Verifizierungsverfahren, das mit dem jeweiligen Onlinekonto verknüpft ist, muss vom neuen IT-Anbieter angeboten werden.
Die Krux an der Sache: Viele Dienstleister haben ein Verifizierungsverfahren als Zwischenschritt eingebaut, wenn man mit Kreditkarte zahlt. Kunden, die mit der bisherigen Kreditkarte zahlen, haben das Nachsehen.
Ein Sprecher der Sparda-Bank bestätigt, dass es für zwei Wochen zu entsprechenden Einschränkungen im E-Commerce gekommen sei – wenn eben bei der Bezahlung 3D Secure erforderlich war. Man habe die Kunden aber frühzeitig darauf hingewiesen und ihnen zwei Lösungen empfohlen. Sie hätten sich im Vorfeld eine kostenlose Debit Mastercard bestellen können, die wie eine klassische Kreditkarte vor allem bei Reisen in Europa funktioniere – allerdings nicht weltweit von allen Mietwagengesellschaften anerkannt werde – oder eine klassische Mastercard (Orange), die mit einem Reiseversicherungspaket versehen ist und 60 Euro Jahresgebühr kostet.
Kunden, die Probleme mit ihrer Kreditkarte haben, ärgern sich heftig. Die alte Kreditkarte funktioniere nicht, obwohl sie laut Bank noch bis 24. Oktober Gültigkeit habe und die neue habe man noch nicht erhalten, berichten mehrere Sparda-Kunden, die sich bei unserer Zeitung gemeldet haben.
„Wir haben einen Arbeitskollegen gebeten, zu buchen und ihm dann das Geld per Paypal überwiesen“, sagt die Kundin, deren Familienurlaub in Dänemark ansteht und die nicht mit Namen in der Zeitung stehen will. Der Unmut ist groß. „Wir sind stinksauer“, sagt sie und echauffiert sich vor allem über die Antwort, die man auf telefonische Nachfrage bei der Bank bekommen habe. „Ich kann Ihnen nicht helfen“, hieß es lapidar.
Andere Sparda-Kunden, die ebenfalls Probleme mit der Kreditkarte haben, empfinden ähnlich. Eine Kundin etwa, die eine Mastercard Platin und die damit verbundenen Reiseversicherungen hat, beklagt dass noch nicht mal eine Bezahlung möglich sei und so auch die damit verbundenen Versicherungen entfielen. Sie ärgert sich und spricht von einem „kundenunfreundlichem Service“.
Sobald die neue Kreditkarte im Onlinebanking angezeigt werde, was bis spätestens 8. August der Fall sein soll, könne man die Kartendaten abrufen und diese auch für E-Commerce nutzen, sagt ein Sprecher. Zuvor müsse man sie aber noch für 3D Secure freischalten. Eine Anleitung dazu gebe es auf der Homepage der Bank. Die haptische Kreditkarte, die in den nächsten Tagen verschickt werde, brauche man für Onlinezahlungen nicht, so der Sprecher.
Viele Kunden tun sich mit den Infos der Bank offenbar schwer. Für Unmut sorgt auch die Vorgehensweise der Bank in Sachen Kreditkarte, die künftig 60 Euro pro Jahr kosten soll, wie aus einem Schreiben der Bank an die Kunden hervorgeht. Die bisherige Karte werde mit der ersten Nutzung der neuen Variante, spätestens jedoch zum 24. Oktober, deaktiviert. Wer keine neue Karte wünsche, müsse dies der Bank bis Mitte Juli mitteilen, hieß es. Das Entgelt für die neue Karte werde automatisch vom jeweiligen Konto abgebucht.
Das hat auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf den Plan gerufen. Dort spricht man vom „klassischen untergeschoben Vertrag“ und hat die Bank dafür abgemahnt. Dass die Sparda-Bank ihre Kunden zu einer Rückmeldung auffordere, wenn diese die neue Karte nicht wünschten, und erst dann das Entgelt erstattet, hält Verbraucherschützer Niels Nauhauser für nicht zulässig.
Man habe der Sparda-Bank eine Fristverlängerung bis zum 12. August 2025 eingeräumt. Bleibt eine Unterlassungserklärung aus, will die Verbraucherzentrale Klage einreichen.
„Wir können mit einer Klage den von der Sparda-Bank bei einigen Verbraucher und Verbraucherinnen angerichteten Schaden nicht beseitigen, sondern bei Erfolg allenfalls die Rechtswidrigkeit feststellen lassen eine umgehende nachträgliche Richtigstellung für alle Kundinnen und Kunden erzwingen“, sagt Nauhauser.
Sparda-Bank BW
Die Bank hat mehr als 700 000 Kunden und Kundinnen, rund 690 Beschäftigte und ist gemessen an der Bilanzsumme von 15 Milliarden Euro (2024) die sechstgrößte Genossenschaftsbank in Deutschland.
IT-Wechsel
Der Wechsel des IT-Anbieters hat vor allem Auswirkung für Onlinebanking-Kunden. 82 Prozent der aktiven Onlinebanking-Kunden – das sind über 230 000 Sparda-Bank-Kunden – seien bereits umgestellt. „Die meisten unserer Kunden sind inzwischen arbeitsfähig“, sagt ein Sprecher der Bank, verhehlt aber nicht, dass manche Kunden auch noch Probleme hätten.
Service
Etliche Sparda-Bank-Kunden übten Kritik, fühlten sich teils überfordert, wie sie unserer Zeitung schilderten. „Wir bemühen uns auf allen Kanälen, Lösungen für unsere Kunden herbeizuführen“, so der Sprecher. Man habe darauf auch mit mehr Personal in den Filialen vor Ort reagiert. „Wir bekommen auch sehr viel positive Rückmeldungen von Kunden“, so der Sprecher.
Dieser Artikel erschien erstmals am 6. August und wurde am 8. August aktualisiert.