Sparen beim Einkauf Preiserhöhungen – so tricksen Discounter und Supermärkte
Hersteller und Handel verstecken höhere Preise geschickt. Wie man Mogelpackungen, teure Sonderangebote und andere Tricks erkennt – und damit günstiger einkauft.
Hersteller und Handel verstecken höhere Preise geschickt. Wie man Mogelpackungen, teure Sonderangebote und andere Tricks erkennt – und damit günstiger einkauft.
In den Discountern und Supermärkten zeigt sich oft das gleiche Bild: Verbraucherinnen und Verbraucher schauen gezielter als einst nach Sonderangeboten oder greifen zu den günstigeren Eigenmarken der Händler. Denn die Preise steigen im Schnitt noch immer: Im März haben die Ausgaben für Lebensmittel laut Statistischem Bundesamt im Vorjahresvergleich um 22,3 Prozent zugelegt – auch weil die Händler Preiserhöhungen kaschieren oder mit Sonderangeboten zu werben, die nicht wirklich Schnäppchen sind. Wie erkennt man die Tricks?
Mogelpackungen Was sogenannte Mogelpackungen angeht, werden viele Verbraucher selbst aktiv und melden ihre Funde den Verbraucherzentralen. Die Hamburger Verbraucherschützer pflegen „eine bundesweit einzigartige Liste“, für die sie die Verbraucherhinweise verifizieren. Allein in den vergangenen Wochen kamen Produkte namhafter Markenhersteller wie Mars, Ökoland, Carambar & Co. oder Kettle hinzu.
Ob Reis, Katzenfutter, Nasi Goreng, Kakao oder Chips: Die Hersteller reduzierten die Füllmenge und beließen den Preis – oder schraubten ihn sogar nach oben. Unterm Strich verteuerten sich hier die Produkte um mindestens 13 bis zu 31 Prozent. In ihren Stellungnahmen argumentieren die Hersteller mit drastischen Preissteigerungen ihrerseits, was Rohstoffe, Energie und Verpackungsmaterial betreffe.
Mitunter sind die Argumente dabei recht kreativ: So begründet Mars die um 15 Gramm reduzierten Portionen in der Whiskas-Packung: „Basierend auf unserer Forschung wissen wir, dass viele Katzen überfüttert sind und 85 Gramm eine bessere Portionierung ermöglichen.“
Rund 3000 vermeintliche oder echte versteckte Preiserhöhungen meldeten die Bürgerinnen und Bürger den Hamburger Verbraucherschützern im vergangenen Jahr, die Liste wuchs im Vorjahresvergleich um rund 60 Prozent auf mehr als 70 Produkte an. Die tatsächliche Zahl sei schon hier um ein Vielfaches höher, betont Lebensmittelexperte Armin Valet – man nehme nicht jede Sorte des beanstandeten Produkts auf. „Das war ein Rekordjahr in Bezug auf versteckte Preiserhöhungen, die Verbraucher schauen in Zeiten hoher Inflation genauer hin.“
Alte Auszeichnungen Bei den Mogelpackungen sind versteckte Preiserhöhungen wohl am leichtesten zu erkennen, weil viele Kunden zu gleichen Produkten greifen. Verbraucherschützer stellen aber fest, dass bei etlichen Produkten mit dem geschrumpften Inhalt noch das alte Preisschild mit der alten Füllmenge am Regal etikettiert ist – sei es aus Absicht oder aus Nachlässigkeit. Immer wieder wird auch der gesetzlich festgeschriebene Grundpreis, der ein Produkt vergleichbar macht, nicht angegeben. „Hier wird die Grenze ausgereizt, wie weit man gehen kann“, sagt Valet. „Denn eine Kontrolle durch Behörden finden quasi nicht statt.“
Aktionsflächen Ähnlich sei es bei Aktionsflächen, auf denen etwa Chips beworben werden, sagt Valet. „Aufgebaut sind zehn Sorten – die Aktion gilt aber nur für drei Sorten, was man nur im Kleingedruckten erfährt. Da wird aus unserer Sicht ganz bewusst getrickst.“
Rote Preisschilder Wer derzeit aufmerksam durch die Discounter und Supermärkte geht, stößt auf weitere Trends. Dass Supermärkte Gänge und Regale so anordnen, dass die Produkte darin zum Kauf verführen, ist eine alte Erkenntnis. Neu ist jedoch, dass immer mehr Händler rote Preisschilder benutzen, auch wenn sie keine Angebote auszeichnen. Ein simpler und legaler Trick, der viele Verbraucher zugreifen lässt. Bisweilen werden Preisschilder auch mit dem Schriftzug „Werbung“ ergänzt – was nicht heißen muss, dass es sich um ein Sonderangebot handelt.
Teure Sonderangebote Seit knapp einem Jahr müssen Händler bei Preisermäßigungen mit Referenz auf einen höheren oder bisherigen Preis auch den niedrigsten Preis der vergangenen 30 Tage für die beworbene Ware angeben. Damit bietet der Gesetzgeber den Verbrauchern mehr Transparenz, ob das beworbene Sonderangebot tatsächlich günstiger ist.
Deswegen geben derzeit Händler häufig den oft teuren unverbindlichen Verkaufspreis (UVP) des Herstellers als „Streichpreis“ in der Werbung an, weil sie dann nicht Bezug auf einen eigenen zuvor verlangten Preis nehmen müssen, erklärt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Verbraucherschützer haben wegen dieser oder ähnlicher Tricksereien gegen Discounter und Supermärkte rechtliche Schritte eingeleitet.
Gewinnsteigerungen Weil Biolebensmittel keinen energieintensiven synthetischen Dünger benötigen und seltener über weite Strecken transportiert werden, haben sie sich im vergangenen Jahr teils deutlich geringer als konventionelle Produkte verteuert. Im Vergleich zum Fachhandel gingen in den Discountern die Preise für manche Bioprodukte wie Milch zeitweise dennoch weitaus stärker nach oben. Laut Branchenexperten hielten Discounter den Preis mancher Bioprodukte künstlich hoch bzw. den Preisunterschied zu konventionellen Produkten bei.
Ähnliches hat Joachim Ragnitz, Forscher am Dresdner Zweig des Ifo-Instituts, beobachtet. Im vergangenen Jahr stiegen die Preise im Handel teils stärker, als es durch die Entwicklung der Einkaufspreise nötig gewesen wäre, so Ragnitz. „Einige Unternehmen haben die Lage genutzt, um ihre Gewinne kräftig zu steigern.“