Bankenverband rät Geld runter vom Tageskonto

Von Sabine Marquard 

Sparer warten seit Jahren auf eine Zinswende, doch sie kommt nicht. Viele haben große Summen auf dem Tagesgeldkonto geparkt. „Nichts zu tun und auf höhere Zinsen zu warten, ist die schlechteste Alternative“, sagten Experten vom Bankenverband bei unserer stark frequentierten Telefon- und Chataktion.

Wie ein zartes Pflänzchen soll auch das Ersparte wachsen. Foto: werayuth/stock adobe
Wie ein zartes Pflänzchen soll auch das Ersparte wachsen. Foto: werayuth/stock adobe

Stuttgart - Sparer werden immer ungeduldiger. Sie warten seit Jahren auf eine Zinswende, doch sie kommt nicht. Viele haben große Summen auf dem Tagesgeldkonto geparkt. Hier die wichtigsten Fragen der Leser und Antworten der Experten vom Bundesverband deutscher Banken:

Wann kommt die Zinswende? In den USA sind die Zinsen schon deutlich gestiegen. Dort hat die Notenbank den Leitzins bereits mehrfach angehoben. Zehnjährige amerikanische Staatsanleihen bieten inzwischen gut drei Prozent Rendite, zehnjährige deutsche Bundesanleihen dagegen nur etwa 0,5 Prozent. Die Europäische Zentralbank will zumindest bis 2019 weiter an der Nullzinspolitik festhalten. Aber auch, wenn der Leitzins 2019 hier angehoben werden sollte, ist mit einer schnellen Zinswende in Deutschland kaum zu rechnen. Vielmehr dürfte das Zinsniveau nur allmählich steigen. Hiesige Sparer müssen sich daher wohl noch längere Zeit auf niedrige Zinsen einstellen. Ist es richtig, sein ganzes Erspartes auf dem Tagesgeldkonto zu parken? Tagesgeld ist sinnvoll für den Teil der Ersparnisse, der kurzfristig zum Beispiel für Anschaffungen wieder gebraucht wird oder der für Notfälle schnell zur Verfügung stehen muss. In höherem Lebensalter zählen dazu möglicherweise auch Medikamente oder eine Behandlung, die die Krankenkasse nicht übernimmt, oder Pflegekosten, für die die Pflegeversicherung nicht ausreicht. Für Ersparnisse, die langfristig zur Verfügung stehen, gibt es attraktivere Alternativen. Welche Anlagemöglichkeiten da am besten geeignet sind, hängt nicht zuletzt von der Risikobereitschaft des Einzelnen ab. Das sollte man in einem persönlichen Beratungsgespräch klären.

Soll man jetzt noch in Aktien anlegen? Wer langfristig denkt, kommt an Aktienanlagen auch künftig nicht vorbei. Die Erfahrung zeigt, dass bei langfristigem Anlagehorizont Aktien trotz der immer wieder vorkommenden Kursrückschläge attraktive Renditen bieten. Gemessen an den aktuellen Gewinnen der Unternehmen sind Aktien derzeit im Schnitt nicht überteuert, sondern teilweise günstig bewertet. Solange die Gewinne nicht einbrechen, bieten von daher sinkende Kurse für mutige Anleger Einstiegschancen. Raten Sie zu deutschen Aktien? Deutsche Anleger kaufen sehr gerne deutsche Aktien. Dabei gibt es weltweit sehr gut aufgestellte Unternehmen. Gerade in der anhaltenden Niedrigzinsphase sind Unternehmen, die gute Dividenden abwerfen eine gute Alternative.

Der Goldpreis ist gefallen. Soll man Gold kaufen? Als Beimischung zum Vermögen mit etwa fünf bis maximal zehn Prozent kann man das tun. Es gibt aber für Gold keinen Zins. Anleger können nur auf einen steigenden Goldpreis spekulieren.

Mein Kind startet in den Beruf. Wie soll es vorsorgen? Wichtig sind eine private Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung, um die eigene Arbeitskraft abzusichern. Für einen flexiblen, langfristigen Vermögensaufbau eignen sich Fondssparpläne. Dabei muss man keine festen Laufzeiten eingehen, kann die Sparraten ändern und jederzeit über das Kapital frei verfügen. Nachzudenken wäre zudem über eine geeignete private beziehungsweise berufliche Altersvorsorge.

Ist es sinnvoll, eine Abfindung als Privatrente anzulegen? Das hängt vom Einzelfall ab. Wer auf regelmäßige Zahlungen für den Lebensunterhalt angewiesen ist, sollte über eine Privatrente nachdenken, die lebenslang gezahlt wird. Hier kann auch eine betriebliche Altersvorsorge oder eine Basisrente aufgrund der Förderung sinnvoll sein. Reichen die Einnahmen für die täglichen Ausgaben aus und ist von daher eine Privatrente nicht notwendig, hat man mehr Flexibilität, wenn die Abfindung nach eigenen Vorstellungen angelegt werden kann. Zumal das Geld dann grundsätzlich verfügbar bleibt.

Was soll ich mit Autoaktien machen, nachdem deren Kurse so gefallen sind? Entscheidend ist, was die wirtschaftliche Zukunft bringt. Wenn Sie davon ausgehen, dass die Unternehmen die vor ihnen liegenden Herausforderungen bewältigen, können Sie die Kursrückschläge aussitzen. Gemessen an den derzeitigen Gewinnen sind die deutschen Autoaktien recht niedrig bewertet. Grundsätzlich sollten Sie freilich ein Aktiendepot breit streuen über verschiedene Branchen.

Die Aktienkurse sinken. Lohnen sich Aktienfondssparpläne? Ja, bei gesunkenen Kursen erwerben Anleger für Ihren Sparbetrag mehr Fondsanteile als zuvor, Sie kaufen günstiger ein als bei hohen Kursen. So können regelmäßige Fondssparer von Kursschwankungen profitieren. Fondssparpläne mit Aktienfonds sind nach wie vor eine attraktive Möglichkeit, langfristig Vermögen aufzubauen und dabei eine gute Rendite zu erzielen.

Ich habe mein ganzes Erspartes in Aktienfonds angelegt. Wie komme ich an mein Geld, wenn ich ein Pflegefall werde? Vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Anlageberater und stellen mit ihm Ihre Fonds auf den Prüfstand. Vielleicht ist es sinnvoll, einige zu veräußern. Sie sollten auf jeden Fall eine Reserve auf dem Tagesgeldkonto haben. Wenn Sie Kinder haben, sprechen Sie mit ihnen über das Thema Vorsorgevollmacht.

Soll man jetzt bei Fonds aussteigen, um Gewinne mitzunehmen? Nach neun Jahren steigender Aktienkurse kann es gewiss nicht schaden, auch mal Gewinne mitzunehmen, also einen Teil der Fondsanlage zu veräußern. Doch wohin dann mit dem Geld? Auf lange Sicht haben Aktienfonds nach wie vor gute Renditechancen.