Spargelanbau im Kreis Böblingen Spargelernte hat in Herrenberg begonnen

Gebhard Binder prüft die Spargeldämme. Es sprießt! Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Gebhard Binder baut Spargel, Erdbeeren und Kartoffeln an – im Nebenerwerb. Wie schafft er das? Und was macht seine Kulturen besonders?

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Der erste Spargel der Saison ist immer etwas Besonderes, auch für die Familie Binder. Am Mittwoch war es so weit, da stand zum ersten Mal in diesem Jahr wieder Spargel auf ihrem Tisch, mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise. Auch die beiden Kinder essen das Gemüse: „Mit viel Soße geht’s“, sagt die 14-jährige Franziska und grinst.

 

Der Spargel, den die Binders essen, ist aber keiner aus Bruchsal oder Niedersachsen, sondern ihr eigenes Gemüse, das Gebhard Binder auf seinen Äckern rund um die Herrenberger Ortsteile Kuppingen und Affstätt anbaut. Im Landkreis Böblingen ist er neben dem Bondorfer Bauer Heinrich Hiller der Einzige, der das Königsgemüse auf seinen Feldern hat. 2010 begann Binder als zweiter Bauer in der Region mit dem Spargelanbau auf ein, zwei Hektar Fläche. Was nach einem Wagnis klingt, funktioniert einwandfrei – eben weil es nicht viele Kollegen tun. „Dadurch, dass es keine Anbaudichte gibt, haben wir hier wenig Krankheiten am Spargelkraut wie die Spargelfliege oder bestimmte Pilze“, sagt der Landwirt. Dadurch müsse er kaum Pflanzenschutzmittel anwenden. „Wir sind fast Bio“, sagt seine Frau Christin, die sich um Organisation und Verkauf kümmert.

Landwirtschaft im Nebenerwerb heißt auch, dass alle mit anpacken: Christin, Gebhard, Richard und Franziska Binder. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Wer Erdbeere sagt, kann auch Spargel sagen

Zum Spargel kam Binder über die Erdbeere. „Sie haben fast die gleiche Erntezeit. Es bietet sich an, beide gemeinsam zu vermarkten“, sagt er. Mit dem Erdbeeranbau hatte der Landwirt bereits bei der Übernahme des elterlichen Betriebs 2003 begonnen. Damals stellte er deren Milchviehhaltung um auf Schweinehaltung (die zurzeit pausiert) und legte neben Kartoffel- auch die ersten Erdbeerfelder an.

Sowohl beim Spargel als auch bei den Erdbeeren hat Binder sich für Sorten entschieden, die besonders geschmacksintensiv sind. Dafür nehme er etwas kleinere Erntemengen in Kauf, denn die leckersten Sorten seien nie die ertragreichsten. Binder: „Ertrag und Geschmack streiten sich immer.“ Bei den Erdbeeren verzichtet der Bauer deshalb auf Selbstpflückerfelder, da es dafür robuste, weniger süße Sorten brauchen würde. Die besten Erdbeeren seien sensibel und benötigten erfahrene Pflücker. Deshalb verkaufe er sie nur fertig gepflückt. „Durch den Geschmack wollen wir punkten.“

Abverkauf am roten Häuschen

Binders Erdbeeren hängen noch grün an den Sträuchern und lassen noch eine Woche, zehn Tage auf sich warten, doch die Spargelernte hat diese Woche begonnen. Am Dienstag reisten die drei rumänischen Erntehelfer, mit denen Binder schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet, an. Am Mittwoch ging es das erste Mal zum Spargelstechen aufs Feld – und der erste Spargel kam bei den Binders auf den Tisch. Seit Freitag kommen auch die Kunden wieder auf ihre Kosten, denn seitdem hat Christin Gebhard wieder das rote Verkaufshäuschen am Ortsrand von Affstätt geöffnet. Über den direkten Verkauf erzielen die Binders ihren Hauptabsatz, darüber hinaus verkaufen sie an regionale Gastronomen sowie an die Edeka-Märkte in Weil der Stadt und Wildberg. „Durch die relativ kleine Anbaufläche haben wir keine Überhänge, unser Spargel ist immer frisch“, betont der Bauer.

Besonders an Gebhard Binders landwirtschaftlicher Arbeit ist, dass er sie im Nebenerwerb durchführt. Er ist bei einem großen Agrarhandelsbetrieb angestellt. Möglich ist das, indem er jede freie Minute seiner Landwirtschaft widmet. Fast den kompletten Jahresurlaub verbringt er in den Erdbeeren, „in meiner freien Zeit bin ich auf dem Feld“. Einmal im Jahr, beim Legen der Spargelfolien Ende März, hilft die ganze Familie mit. Ansonsten hat er seine Arbeit „maximal technisiert“, um die Aufgaben auf und neben dem Feld ohne Mitarbeiter und nebenberuflich zu schaffen.

Was treibt ihn an? „Glückliche Kunden“, sagt er. „Und es ist jedes Jahr wieder ein Abenteuer, wie man die Kulturen bis zur Ernte bringt.“ Die acht Wochen während der Ernte seien eine „krasse Zeit“, davor und danach gehe es. Er organisiert den Betrieb so, dass es für ihn stemmbar ist: Beim Spargel stellt er die Dämme recht spät her, damit das Stechen nicht zu früh beginnt; bei den Erdbeeren wählt er nur frühe Sorten, damit sich die Ernte auf einige Wochen beschränkt. „Ich möchte den Zeitraum nicht ausdehnen“, erklärt er.

Doch warum kommt für ihn bei all der Leidenschaft, dem Know-how und den hohen zeitlichen und finanziellen Investitionen keine Landwirtschaft in Vollerwerb in Frage? Früher sei der Wunsch da gewesen, sagt Binder. Aber erst habe der Betrieb nicht die erforderliche Größe gehabt, um eine Familie ernähren zu können, „und immer, wenn man denkt, so könnte es für den Vollerwerb reichen, macht es die Politik wieder zunichte“, sagt Binder und nennt die Schlagworte Mindestlohn oder Deckelung des Sonderkulturanbaus. Mittlerweile habe er sich im Nebenerwerb gut aufgestellt; den Wunsch nach Vollerwerb habe er nicht mehr. Nur ganz aufzuhören mit der Landwirtschaft sei keine Option. „Wegen der Freude an der Sache.“

Spargel aus dem Kreis Böblingen

Verkauf
Seit Freitag, 25. April, verkauft Binder seinen Spargel im Verkaufshäuschen am Kreisverkehr zwischen Affstätt und Kuppingen freitags, samstags und an Vorfeiertagen jeweils von 9 bis 18 Uhr. Sobald die Erdbeeren reif sind, wird jeden Tag von 9 bis 18 Uhr verkauft, sonntags von 10 bis 16 Uhr.

Region
Heinrich Hiller, Bondorfer Bauer im Vollerwerb, hat am 27. März mit der Spargelernte begonnen. Wegen des kühlen Frühjahrs sei die Menge anfangs etwas geringer ausgefallen, „bis Ostern hin hat es sich richtig gut entwickelt“, sagt Hiller auf Nachfrage. Die Hochphase erwartet er im Mai. Verkauft wird im Hofladen in Bondorf, Haitinger Höfe 2.

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