Sparkassen-Chef in der Kritik Kreistag stellt sich vor Teufel

Die Kreissparkasse will gut für die Region sein und nicht gut zu Heuschrecken. Foto: StZ
Die Kreissparkasse will gut für die Region sein und nicht gut zu Heuschrecken. Foto: StZ

Die Göppinger Kreissparkasse und ihr Chef Hariolf Teufel haben bei der Kreditvergabe für den WMF-Kauf alles richtig gemacht, findet der Kreistag – auch wenn der neue Eigentümer jetzt massenhaft Leute entlässt.

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Göppingen/Geislingen - Im Zusammenhang mit der Kreditfinanzierung der Übernahme der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen durch den amerikanischen Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) ist der Göppinger Kreissparkasse kein Vorwurf zu machen. Das ist die Meinung der übergroßen Mehrheit des Göppinger Kreistags.

Das Gremium hatte sich am Freitag hinter verschlossener Tür eine Dreiviertelstunde – und damit länger als geplant – vom Vorstandsvorsitzenden Hariolf Teufel die Praxis der Kreditvergabe erläutern lassen. In der anschließenden öffentlichen Sitzung gab der Landrat Edgar Wolff eine Ehrenerklärung ab. „Der Kreistag ist der Auffassung, dass die Kreissparkasse in hervorragender Weise ihre Verantwortung wahrnimmt“, sagte er unter dem Applaus der Kreisräte. Es sei daher bedauerlich, dass der Bankchef in Teilen der Presse so hart kritisiert worden sei .

„Herr Teufel macht sehr gute Arbeit“

Die Kreissparkasse steht seit Wochen in der Kritik, weil sie maßgeblich daran beteiligt war, dass ein Konsortium aus 20 Sparkassen dem Investor KKR für den WMF-Kauf einen Kredit über 150 Millionen Euro bewilligte. Mittlerweile plant KKR einen massiven Stellenabbau. Allein in Geislingen sollen 500 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. In Betriebsratskreisen wird darüber diskutiert, ob zu Kontokündigungen bei der Kreissparkasse aufgerufen werden soll.

„Herr Teufel macht sehr gute Arbeit“, betonte Wolff. Dann berichtete Teufel routinemäßig von der aktuellen Geschäftsbilanz der Kreissparkasse, die dem in der Gewährsträgerschaft des Landkreises stehenden Unternehmen im Jahr 2013 einen Rekordgewinn von 31,5 Millionen Euro bescherte. Zum WMF-Verkauf nahm er wie bisher öffentlich keine Stellung.

Mit Auskünften bis an die Grenze gegangen

In der nichtöffentlichen Sitzung war dies offenbar anders gewesen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Sascha Binder, der auch Kreistags- und Geislinger Gemeinderatsmitglied ist, sprach im Anschluss von einer „historischen Situation“. Teufel sei im Sinne des Bankgeheimnisses bis an die Kompetenzgrenze gegangen und habe so weit wie möglich geantwortet. Bei dem WMF-Deal handele es sich aber auch nicht „um irgendein Geschäft“, sagte Binder. „Der Kreistag hat das Recht, dies zu diskutieren.“ Andere äußerten sich nicht dazu. Tatsächlich dürften einige Kreisräte bei der Kreditvergabe eingebunden gewesen sein. Bei großen Geschäften muss der mit Kreisräten besetzte Kreditausschuss beteiligt werden. Inwiefern das Thema dort ausreichend erörtert wurde, ist offen. „Ich weiß nicht, ob ich bei der entsprechenden Sitzung anwesend war“, bekannte der scheidende SPD-Fraktionschef Peter Feige gegenüber der StZ.

Hat sich die KSK-Führung möglicherweise selbst verschätzt? Im Dezember prognostizierte das lange in Geislingen tätige Vorstandsmitglied Klaus Meissner nach der KKR-Übernahme „für WMF eine noch positivere Entwicklung“. Der Investor sei seriös und strebe ein nachhaltiges Engagement an. Ein Sprecher der ebenfalls an der Kreditfinanzierung beteiligten Kreissparkasse Biberach verwies hingegen darauf, man habe weitreichende Standortgarantien in den Kreditverträgen verankert – unter anderem für Geislingen und Riedlingen. „Wäre die Übernahmefinanzierung nicht durch ein Sparkassenkonsortium erfolgt, wäre dies nicht der Fall.“ Ob diese Garantie mit der Streichung von 500 Stellen in Geislingen vereinbar ist, ist unbekannt.

Andere Banken springen ein

Im Nachhinein lasse sich der Kredit nicht mehr stornieren. Er sei aber zuversichtlich, dass die Diskussion sich auf zukünftige Entscheidungen in den KSK-Gremien auswirke, sagte Binder. Tatsächlich finanziert KKR das Übernahmeangebot für die restlichen im Streubesitz befindlichen Vorzugsaktien nicht mehr über die Sparkassen. Andere Banken sprangen gerne ein.




Unsere Empfehlung für Sie