Sparkurs im Klinikverbund Südwest CDU: Krankenhaus Leonberg wird kaputtgemacht

Die Sorgen um die Zukunft des Leonberger Krankenhauses werden nicht kleiner. Foto: Simon Granville

Eine umfassende Sanierung ist in weite Ferne gerückt. Auch vom Gesundheitscampus ist keine Rede mehr. Die CDU fordert von Kreis und Stadt ein klares Standortbekenntnis.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Die jüngsten Nachrichten aus dem Leonberger Krankenhaus waren nicht die besten: Im April löste der plötzliche und bis dato undurchsichtige Abgang der renommierten Chefin der Inneren Kliniken, Barbara John, große Aufregung aus. Kurz danach musste der Chefarzt der Anästhesie gehen. Und unlängst verkündete der Klinikverbund die Zentralisierung der Radiologie für alle Häuser – Leonberg hatte bisher eine eigene Abteilung. All das versetzt die örtliche CDU in „große Sorge“.

 

„Von den großartigen Plänen für einen Ausbau des Krankenhausstandorts zu einem Gesundheitscampus Leonberg ist anscheinend nichts mehr übrig geblieben,“ beschreibt der Leonberger CDU-Chef Oliver Zander die aktuelle Lage. „Die einzige Bestandsgarantie liegt wohl momentan in der deutlich verzögerten Fertigstellung und Inbetriebnahme des Flugfeldklinikums in Böblingen.“

Das war einmal anders: „Noch im Jahr 2023 wurde vom zuständigen Bauausschuss des Kreistages eine Investition in Höhe von 87 Millionen Euro in den Standort Leonberg beschlossen“, erinnert sich Helmut Noë. Der heutige Vorsitzende des Krankenhaus-Fördervereins stand damals als Chef der CDU-Fraktion an vorderster Front der Kreistagspolitik.

Zwar habe man damals abwarten wollen, was bei der Krankenhausreform des damaligen SPD-Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach herauskomme. Gleichwohl wurde im Haushalt 2024 eine Planungsrate von drei Millionen Euro für die Leonberger Sanierung beschlossen, „damit die Maßnahmen zügig realisiert werden können“.

Helmut Noë blickt skeptisch in die Zukunft des Leonberger Klinikums. Foto: Simon Granville

Doch anderthalb Jahre später macht sich nicht nur bei Noë Ernüchterung breit. „Von den drei Millionen wurde 2024 kein Cent umgesetzt. Die Mittel wurden ins Haushaltsjahr 2025 übertragen, aber bis heute ist auch hiervon kein Geld eingesetzt worden“, kritisiert Ulrich Vonderheid, der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion. Welche konkreten Sanierungsschritte angegangen werden, soll im Herbst geklärt werden. „Es ist davon auszugehen, dass auch in diesem Jahr nichts mehr geschieht“, befürchtet der frühere Erste Bürgermeister in Leonberg: „Von großartigen Investitionen in Leonberg ist nicht mehr die Rede.“

Hierzu passe auch, „dass vom Landkreis eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wurde, die für eine Generalsanierung des Krankenhauses Leonberg je nach Variante Kosten in Höhe von 133 bis 237 Millionen Euro ermittelte“, berichtet der Leonberger Kreisrat. Der Böblinger Kreistag winkte mehrheitlich ab. „Übrig bleibt nur noch eine sogenannte reine Pinselsanierung, also nur noch das Allernötigste.“

Schweigen herrscht zudem bei der Frage nach einem Gesundheitscampus, der den Medizinstandort Leonberg deutlich aufwerten sollte. Vor vier Jahren hatte der Klinikverbund noch konkrete Pläne vorgestellt. „Der Kreis verweist hier stets auf die Stadtverwaltung. Doch von dort kommt nichts“, ärgert sich CDU-Chef Oliver Zander, der im Gemeinderat mehrfach bei Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) über den Stand beim Gesundheitscampus nachgefragt hat. „Während man in Herrenberg die Planungen weitgehend abgeschlossen hat, sind in Leonberg die Startlöcher noch nicht mal mit dem Fernglas zu erkennen. So kann man den Standort Leonberg auch kaputt machen“, sagt Zander.

Die mangelnde Kommunikationspolitik des Landkreises trage in der Bevölkerung zu großen Irritationen bei. „Den Bürgerinnen und Bürgern muss doch endlich reiner Wein eingeschenkt werden, wie es mit dem Leonberger Krankenhaus weitergeht“, sagt der Fördervereinsvorsitzende Helmut Noë. „Wir verlangen vom Landrat, der Geschäftsführung des Klinikverbunds und von der Leonberger Stadtspitze ein klares Bekenntnis zum Krankenhausstandort Leonberg.“

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