Sparkurs im Kreis Böblingen Landrat kündigt Abbau bei den Sozialleistungen an
Roland Bernhard hält Einschnitte in allen Bereichen für unvermeidbar. Zu den Kosten der Flugfeldklinik und zum Krankenhaus Leonberg hat er eine klare Meinung.
Roland Bernhard hält Einschnitte in allen Bereichen für unvermeidbar. Zu den Kosten der Flugfeldklinik und zum Krankenhaus Leonberg hat er eine klare Meinung.
Einschnitte bei den Sozialleistungen hält der Landrat des Kreises Böblingen, Roland Bernhard, für unvermeidbar. „Die Steuerkraft geht um 15 Prozent zurück“, erklärte der parteilose Politiker jetzt vor Journalisten. „Das gab es noch nie.“ Deshalb müsse jetzt dringend die Wirtschaft nach vorne gebracht – und darüber hinaus massiv gespart werden.
So müsse die gesamte Kreisverwaltung ihre Ausgaben bis 2030 um 15 Millionen Euro kürzen, der Klinikverbund sogar um 25 Millionen Euro im Lauf der kommenden vier Jahre. „Das bedeutet weniger Dienstleistungen, und wir müssen einen Sozialabbau betreiben.“ Wo gekürzt werde, das müsse nun in den Gremien des Kreistages besprochen werden. In den Kommunen wird zudem eine Erhöhung der Kreisumlage befürchtet, also jene Zwangsabgabe, die die Städte und Gemeinden an den Landkreis zahlen müssen.
Bernhard widersprach der Vermutung, wonach der Neubau der Flugfeldklinik in Böblingen die Grenze von einer Milliarde Euro überschreiten könne. „Diese Summe ist weder beabsichtigt noch Realität“, erklärte der Landrat, schränkte aber ein: „Natürlich bin ich kein Hellseher.“ Aber angesichts einer Vergabequote von 90 Prozent bei den Gewerken sei es wahrscheinlich, die Milliarden-Latte nicht zu reißen. „Wir haben eine Unsicherheit von lediglich zehn Prozent.“
Roland Bernhard tritt der Kritik entgegen, der Klinikneubau, der die bestehenden Krankenhäuser in Böblingen und Sindelfingen ersetzen soll, sei überdimensioniert: „Das Flugfeld ist ein Flaggschiff und hat eine Strahlkraft für den gesamten Landkreis“.
Optimistisch zeigte sich Bernhard hinsichtlich der Gesundheitsversorgung für den Raum Leonberg. „Nach den ersten Gesprächen mit dem neuen Oberbürgermeister habe ich ein gutes Gefühl“, sagte der Landrat. So sei Tobias Degode „sehr aufgeschlossen, über ein mögliches Medizinisches Versorgungszentrum zu diskutieren“. Dies müsse keine Abstriche für das bestehende Krankenhaus bedeuten.
Allerdings könne niemand sagen, wie die Kliniklandschaft nach dem Jahr 2035 aussähe. Auf jeden Fall wolle der Landkreis mit der Stadt Leonberg intensive Überlegungen führen, wie das Gelände um die Klinik weiterentwickelt werden könne. Gedacht ist an eine Aufwertung des Berufsschulzentrums und mehr Wohnbau.
In Herrenberg geht unterdessen die Ära eines eigenen Krankenhaus in absehbarer Zeit zu Ende. Bernhard kündigte an, dass die dortige Klinik am 8. Mai durch ein Gesundheitszentrum ersetzt werde. Der medizinische Rund-um-die Uhr-Betrieb gehört danach in der Gäu-Stadt der Vergangenheit an.