Fast 50 Überlastungsanzeigen von Mitarbeitenden aus dem Landratsamt liegen aktuell vor – allein 30 aus dem Sozialdezernat. Das geht aus einem internen Schreiben des Personalrats an die Mitarbeiter hervor, das unserer Zeitung vorliegt. „Das sind keine Einzelfälle, sondern ein strukturelles Problem“, heißt es weiter. Besonders ein Punkt in den Personalkürzungen kritisiert der Personalrat
Dass nun im Zuge der großen Haushaltskonsolidierung zusätzlich an Personal gespart werden soll, sorgt unter den Mitarbeitern der Kreisverwaltung für große Verunsicherung. Die Überlastung wird weiter zunehmen, befürchtet der Personalrat. Und das werde auch die Bevölkerung merken.
Der Haushalt im Landkreis Ludwigsburg ist völlig überlastet. Die Ausgaben gehen ins Bodenlose, insbesondere, weil Bund und Land immer mehr Aufgaben an die Kommunen weiterreichen, ohne die nötigen Mittel dafür bereitzustellen. Im Kreis Ludwigsburg wurde jetzt die „Notbremse“ gezogen.
Eine Kommission aus Kreispolitikern und Vertretern des Landratsamts hat einen großen Maßnahmenkatalog zusammengestellt, damit der Landkreis handlungsfähig bleibt. Das geht nicht ohne Sparen. Unter anderem in der Verwaltung stehen massive Einsparungen bevor: bei den Sachkosten – von Fortbildungen über Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz bis hin zu wegfallenden Modernisierungen – ebenso wie beim Personal.
Schon jetzt „gravierende Rückstände und massive Beschwerden“
Bereits im Vorfeld, als das Sparpaket erst noch intern diskutiert wurde, hatte sich ein Mitarbeiter anonym an unsere Zeitung gewandt, um zu berichten, wie stark die geplanten Maßnahmen die Belegschaft verunsicherten. Unter anderem sei geplant, neue Stellen nicht mit neuen, sondern aus einem Pool von bereits bestehenden, im Zweifelsfall fachfremden Mitarbeitern zu besetzen, die an ihrem bisherigen Platz dann aber fehlen. Inzwischen ist das Maßnahmenpaket beschlossene Sache, der Kreistag hat vor rund einer Woche mehrheitlich sein Okay dazu gegeben. Auf Basis dieses Pakets wird nun der neue Haushaltsplan für 2026 entworfen.
Die Folgen dieser Entscheidung machen dem Personalrat sehr zu schaffen. „Schon heute führt die Arbeitsüberlastung in manchen Bereichen zu verzögerten Bearbeitungen – mit teils gravierenden Rückständen und massiven Beschwerden aus der Bevölkerung“, wie es in dem Schreiben an die Belegschaft heißt. Gerade im Sozialbereich stehen „Menschen in Not vor der Tür, deren Anliegen unsere Kolleginnen und Kollegen in hohem Maß auch in der Freizeit belasten“.
Besonders kritisch sieht der Personalrat den sukzessiven Abbau von Schwerbehindertenstellen im Landratsamt. Laut dem Maßnahmenpaket sollen in diesem Bereich 400 000 Euro an Personalaufwand eingespart werden. 33,25 Stellen sind für Schwerbehinderte im Landratsamt aktuell vorhanden, die Personen arbeiten in den betreffenden Fachbereichen nach ihren Möglichkeiten. Freiwerdende Stellen sollen fortan nicht nachbesetzt werden und auslaufen.
„Diese Stellen haben nichts mit der Schwerbehindertenquote zu tun“, erklärt der Personalrat in seinem Schreiben. „Auf diesen Stellen sitzen Kolleginnen und Kollegen“, deren Einschränkungen „teilweise durch die jahrelange Tätigkeit im Landratsamt selbst entstanden sind – etwa durch Burnout oder durch körperlich schwere Tätigkeiten, zum Beispiel in der Straßenmeisterei. Diese Kolleginnen und Kollegen verdienen unseren besonderen Schutz“. Wenigstens zehn dieser Stellen habe man erhalten wollen, was jedoch abgelehnt wurde.