Sparpläne in Stuttgart Kein Geld für marode Schulen – „Schulbetrieb akut gefährdet“

Schon im Sommer 2018 haben Schülerinnen und Schüler des Hegel-Gymnasiums und der Robert-Koch-Realschule für die Sanierung von Schulen (im Bild die Gustav-Werner-Schule und das Rembrandt-Schulzentrum) demonstriert. Foto: Rudel

Viele Schulen in Stuttgart sind in einem desolaten Zustand. Dringend notwendige Sanierungen und Erweiterungen werden nun wohl nicht umgesetzt. Die Folgen könnten dramatisch sein.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Im jüngsten Schulbeirat brachte es Bürgermeisterin Isabel Fezer auf den Punkt: Erst habe das Geld für die Sanierung und Erweiterung der Stuttgarter Schulen gefehlt, dann sei zwar Geld vorhanden gewesen, aber man habe keine Handwerker bekommen, und nun fehle wieder das Geld.

 

Und die Lage ist wohl noch schlimmer als ursprünglich angenommen. Dieser Tage erklärte Stuttgarts Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann, dass die bereits negativen Prognosen für den Stuttgarter Haushalt sich weiter massiv verschlechtert hätten. Der Stadt seien weitere Einbrüche bei der Gewerbesteuer gemeldet worden. Die notwendigen Einschnitte würden wahrscheinlich in allen Teilen der Stadtgesellschaft deutlich zu spüren sein, so Fuhrmann.

Das betrifft auch die Schulen. Diese zehn großen Investitionsvorhaben, die von der Verwaltung selbst priorisiert worden waren, können aller Voraussicht nach zunächst nicht weiterverfolgt werden:

Erstens: Schulstandort Stammheim

Der vierte Bauabschnitt steht auf der Kippe. Betroffen sind die Grundschule Stammheim und die Park-Realschule. Beide platzen aus allen Nähten. Der Campus ist schon seit Jahren eine Baustelle mit Interimsgebäuden und einem Interimspausenhof. Für die Fortführung des Projekts waren 38,51 Millionen Euro angedacht, die jetzt wahrscheinlich nicht beschlossen werden können. Damit würde die ungute Situation über weitere Jahre erhalten bleiben. Vor allem aber sei der Weiterbetrieb der Ganztagsgrundschule aufgrund der schwierigen Raumsituation und der dadurch bedingten Personalsituation gefährdet. So steht es in einer Auflistung des Schulverwaltungsamts von anstehenden Schulbauprojekten.

Zweitens: Altenburgschule, Bad Cannstatt

Die Altenburgschule ist eine Gemeinschaftsschule. Beim dritten Bauabschnitt und den damit einhergehenden Umstrukturierungen im Zuge der Umwandlung der Altenburgschule in eine Ganztagsschule geht es um 8,874 Millionen Euro, die nun aufgrund der aktuellen Haushaltslage wohl fehlen. Das Schulverwaltungsamt sieht das kritisch, weil die Umstrukturierung und Sanierung des Bestandsgebäudes dringend erforderlich sei. Dabei gehe es auch um die Elektrik und den Brandschutz. Die weitere Nutzbarkeit des Schulgebäudes sei aus baurechtlichen Gründen gefährdet.

Drittens: Hattenbühlschule, Feuerbach

Die Hattenbühlschule, eine Grundschule in Feuerbach, soll generalsaniert werden und ein Erweiterungsbau entstehen. Dafür sind 45,122 Millionen Euro notwendig, die jetzt wahrscheinlich nicht finanziert werden können. Für das Schulverwaltungsamt ist das problematisch. Denn die Haustechnik, zum Beispiel die Elektrik, sei in einem desolaten Zustand und ein Ausfall jederzeit möglich. Der dauerhafte Betrieb des Gebäudes werde dadurch immer aufwendiger. Zudem seien aktuell Klassen ausgelagert, sie werden im sogenannten Föhrichgebäude am Standort Bachschule unterrichtet. Dadurch ist das Gebäude für die Bachschule nicht nutzbar.

Viertens: Wilhelms-Gymnasium, Degerloch

Beim Wilhelms-Gymnasium in Degerloch geht es um 2,906 Millionen Euro, die im nächsten Doppelhaushalten hätten bereitgestellt werden sollen – und zwar für einen Neubau für den Bereich Naturwissenschaften und Technik (NWT). Das Schulverwaltungsamt erklärt, es gebe ein quantitatives und funktionelles Fachraumdefizit am Standort. Das Gebäude sei Voraussetzung für eine anschließende Generalsanierung und zudem aufgrund der steigenden Schülerzahlen erforderlich. Ohne den Neubau sei ein bildungsplankonformer Unterricht nur noch eingeschränkt möglich. Darüber hinaus könne die dringende Sanierung der Bestandsgebäude nicht in Angriff genommen werden.

Fünftens: Riedseeschule, Möhringen

Bei der Riedseeschule in Möhringen geht es um den zweiten Bauabschnitt, der vor allem die Sanierung des Hortgebäudes betrifft. Dafür waren rund 3,827 Millionen Euro angedacht. Kann das alte Hortgebäude nicht saniert werden, hat das auch Auswirkungen auf andere Schulen auf den Fildern, vor allem auf das Königin-Charlotte-Gymnasium, dessen Raumbedarf wächst und das sich aktuell noch das Rembrandt-Schulzentrum mit der Riedseeschule teilt. Zudem besteht an der Riedseeschule eine Brandschutzproblematik, weil der zweite Rettungsweg nur provisorisch hergestellt ist. Darüber hinaus ist die Haustechnik in einem desolaten Zustand und könne jederzeit ausfallen, schreibt das Schulverwaltungsamt.

Sechstens: Modulschulzentrum, Möhringen

Auf dem Parkplatz des Königin-Charlotte-Gymnasiums (KCG) in Möhringen soll ein Modulschulzentrum entstehen. In dieses sollen nacheinander ganze Schulgemeinschaften aus der Region Filder einziehen, während ihre eigenen Gebäude saniert werden. Das soll Zeit und Kosten sparen. Für den Bau waren 47,450 Millionen Euro vorgesehen, doch das Geld kann wohl nicht bereitgestellt werden. Das Schulverwaltungsamt warnt, dass sich dadurch mehrere Projekte verzögern, direkt betroffen wären das KCG selbst und die Anne Frank-Gemeinschaftsschule (GMS). Zudem bestehe die Gefahr, dass die Planer für die Umstrukturierung der Anne-Frank-GMS abspringen.

Siebtens: Gustav-Werner-Schule, Zuffenhausen

Die Gustav-Werner-Schule ist ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum in Zuffenhausen. Eine Schulerweiterung ist erforderlich. Der erste Bauabschnitt schlägt mit 55,440 Millionen Euro zu Buche. Kommt der Anbau nicht, seien weitere Auslagerungen von Klassen erforderlich, so das Schulverwaltungsamt. Und auch dann sei die Schulraumversorgung wohl nur noch für vier Jahre gewährleistet. Insgesamt sei der Schulbetrieb akut gefährdet, vor allem aber die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung, weil die baurechtliche Genehmigung des aktuellen Interims nicht mehr verlängert werden könne.

Achtens: Rosensteinschule, Stuttgart-Nord

Das Gebiet Rosenstein wird aufgesiedelt, 630 neue Wohneinheiten sind vorgesehen. Dadurch werden auch mehr Schulplätze erforderlich. Die Grundschule Rosenstein kann diesen nicht abdecken. Darum ist ein Modulbau geplant, Kostenpunkt 12,605 Millionen Euro. Wenn dieser nun nicht finanziert werden kann, müssten die künftigen Grundschulkinder in einem anderen Grundschulbezirk zur Schule gehen, schreibt das zuständige Amt, sie hätten also wahrscheinlich einen deutlich längeren Schulweg.

Die maroden Schulen in Stuttgart sind schon lange ein Thema. Im Bild die Demo im Sommer 2018 in Vaihingen. Foto: Sandra Hintermayr

Neuntens: Campus Vaihingen

Bei diesem Projekt geht es zunächst vor allem um einen Neubau der Robert-Koch-Realschule (RKR), die in einem sehr schlechten Zustand ist, und in einem zweiten Schritt um den Bau eines Campushauses, das auch vom Hegel-Gymnasium mit genutzt werden würde. 93,39 Millionen Euro sind dafür laut Plan erforderlich. Das Schulverwaltungsamt schreibt, dass die Erfüllung der Schulpflicht an der Robert-Koch-Realschule zunehmend fraglich werde, weil ein dauerhafter Betrieb des Gebäudes nicht mehr gewährleistet werden könne. Zudem seien die Räume knapp. Darüber hinaus seien ohne den Neubau für die RKR keine anderen Baumaßnahmen am Campus möglich. Das gesamte Projekt werde sich erheblich verzögern.

Zehntens: Österfeldschule, Vaihingen

In Vaihingen steht noch ein zweites Großprojekt an: die Österfeldschule soll umfassend saniert und erweitert werden, um ausreichend Platz für den Ganztagsbetrieb zu haben. Dafür waren 63,346 Millionen Euro angedacht, die nun wohl nicht finanziert werden können. Damit werde sich das gesamte Vorhaben verzögern, außerdem sei – wie bei allen anderen Projekten auch, die nun derzeit auf der Kippe stehen – mit erheblichen Baukostensteigerungen zu rechnen.

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