Sparprogramm Move Daimler spart ohne Jobabbau

Das Kraftfahrt-Bundesamt wirft Daimler vor, im Geländewagen GLK unzulässige Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung eingebaut zu haben. Foto: picture alliance/dpa

Rückrufe kosten immer mehr Geld. Erneut wird das Gewinnziel gekappt. Doch das ist nicht die einzige Baustelle des Konzerns.

Stuttgart - Seit Monaten betreibt Daimler viel Geheimniskrämerei um ein neues Sparprogramm. Nun hat Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht angekündigt, dass der Autobauer seinen Sparkurs ohne Jobverluste umsetzen wolle. Unternehmen und Betriebsrat hätten eine entsprechende Vereinbarung ausgehandelt, berichtete Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. „Wir haben klar geregelt, dass es kein Personalabbauprogramm gibt“, sagte Brecht. Vor betriebsbedingten Kündigungen sind die Beschäftigten zwar ohnehin geschützt, ein Abfindungsprogramm oder Ähnliches werde es aber auch nicht geben. „Es wird kein Geld in die Hand genommen, um Menschen zu suchen, die das Unternehmen verlassen“, sagte der Betriebsratschef. Die Vereinbarung gelte zunächst bis Ende 2021 für rund 60 000 Beschäftigte in den indirekten Bereichen, also in der Verwaltung, der Entwicklung oder der Logistik. In der Produktion sei das nicht notwendig, weil der Personaleinsatz dort ohnehin flexibel je nach Auslastung gesteuert werde, vor allem über den Einsatz von Zeitarbeitern. Schon zuvor hatte unsere Zeitung berichtet, dass sich die Suche nach Einsparmöglichkeiten auf die Sachkosten konzentriert.

 

Gewinnwarnung Daimler kämpft mit vielen Baustellen. Insbesondere in der Autosparte Mercedes-Benz Cars, die stets den Löwenanteil des Gewinns bringt, läuft es nicht rund. Erst am Sonntag hatte der Konzern überraschend das Gewinnziel für 2019 gekappt. Bisher rechnete Daimler mit einem leichten Anstieg des Konzernergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit); nunmehr wird nur noch mit einer Stagnation des Gewinns gerechnet. Im Vorjahr war der Gewinn um rund ein Viertel auf nur noch 11,1 Milliarden Euro eingebrochen. Die aktuelle Korrektur des Gewinnziels für 2019 wird vor allem damit begründet, dass ein hoher dreistelliger Millionenbetrag als zusätzliche Rückstellung für Dieselautos gebildet werden muss. Das Kraftfahrt-Bundesamt wirft dem Autobauer bei diesen Geländewagen von Mercedes-Benz Abgasmanipulation vor. Das Unternehmen spricht vage von verschiedenen laufenden behördlichen Verfahren.

Enttäuschung Der Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler zeigt sich enttäuscht von dieser Hiobsbotschaft. Pieper hatte die Aktie auf „Kaufen“ hochgestuft, weil er erwartet habe, dass der neue Daimler-Chef Ola Källenius, der vor einem Monat nach der Hauptversammlung die Führung des Konzerns übernommen habe, neue Akzente setze und einen Motivationsschub auslöse. Stattdessen setze der neue Spitzenmann nun die „sehr ungute Tradition“ der Gewinnwarnungen fort. Pieper argwöhnt, dass der Konzern mit dem Hinweis auf die Dieselautos von anderen Problemen ablenken wolle. Pieper weist auf die Absatzschwäche in den ersten fünf Monaten hin, wo Mercedes-Benz deutlich schlechter abgeschnitten habe als der Wettbewerber BMW. Es ist bereits die dritte Gewinnwarnung innerhalb eines Jahres. Nach einer Fahrt von Rekord zu Rekord musste Daimler im Juni des vorigen Jahres das Gewinnziel kappen. Als Grund wurde schon damals neben dem Handelsstreit auf die Kosten für den Rückruf von Dieselautos hingewiesen. Die zweite Korrektur erfolgte im Oktober. Damals wurde die Korrektur wie jetzt vor allem mit höheren Kosten „im Zusammenhang mit den laufenden behördlichen Maßnahmen in verschiedenen Regionen“ für Dieselautos begründet. Eine Aufschlüsselung dieser Kosten hat Daimler stets abgelehnt. Der damalige Finanzvorstand Bodo Uebber sprach im vergangenen Oktober vage von einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

Rückrufe Rund um den Diesel gibt es ein ganzes Bündel von „behördlichen Verfahren und Maßnahmen“. Im vorigen Frühjahr stoppte das Bundesverkehrsministerium, dem das Kraftfahrt-Bundesamt unterstellt ist, den Verkauf des Transporters Vito. Daimler wurde vorgeworfen, eine verbotene Abschalteinrichtung eingebaut zu haben, wurde zum Rückruf und einem Software-Update verpflichtet. Im Juni wurde der Zwangsrückruf dann auf europaweit rund 700 000 Fahrzeuge, davon rund 280 000 in Deutschland ausgedehnt. Zahlreiche Modelle waren davon betroffen, darunter mehrere Varianten von Geländewagen, aber auch verschiedene Motorisierungen der C-, E- und S-Klasse. Bei dem jüngsten am Freitag angeordneten Rückruf geht es laut Kraftfahrt-Bundesamt um 60 000 Exemplare des Geländewagen GLK 220 mit dem Motor OM 651, der schon im Vorjahr betroffen war. Allerdings handelt es sich um eine andere Technik zur Abgasreinigung. Während die Autos im Vorjahr die Emissionsstufe 6b erfüllten, geht es jetzt um Wagen mit der Schadstoffnorm Euro 5. Das Kraftfahrt-Bundesamt untersucht bereits weitere Modelle mit diesem Motor sowie mit dem Motor OM 642. Damit könnte der Rückruf wie schon im Vorjahr bald auf eine ganze Reihe von Modellen ausgedehnt werden. Wie schon im Vorjahr widerspricht Daimler dem Vorwurf, dass es sich um eine unzulässige Abschalteinrichtung handelt.

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