Spaßiges Gründerlexikon Das ABC des Startup-Sprech

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Zum Auftakt von IdeenwerkBW.de eine Lockerungsübung: Hier ein nicht ganz ernst gemeintes ABC zum coolen Startup-Sprech, mit dem man dem staunenden Publikum beweisen kann, dass man den echten Gründer-Spirit hat.

Ludwigsburg: Philipp Obergassner (pho)
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Stuttgart -

ANGELS

Das sind keine Astralwesen: Business Angels sind Investoren, die sich in der Anfangsphase am Startup beteiligen. Irgendwer muss den Tischkicker im coolen Office ja bezahlen. Trotz des himmlischen Namens können Business Angels ihren Protegés das Leben zur Hölle machen, wenn sie beispielsweise Gelder zurückfordern.

BOOTSTRAPPING

Dies bezeichnet im Startup-Sprech die Finanzierung eines Startups aus der eigenen Tasche – vielleicht, weil es keine Investoren findet, und manchmal auch, weil die Idee wirklich nicht so toll ist. Andererseits: Aus der eigenen Garage heraus sind schon Weltkonzerne entstanden.

COPYCAT

Ein Unternehmen, das sein Geschäftsmodell von einer anderen Firma übernommen (gestohlen) hat. Das könnte genau genommen auch für ein Katzenvideo stehen, das sich viral verbreitet.

DISRUPTION

Wer als Gründer antritt, muss den Anspruch haben, die Welt mit seinem Produkt zu verändern. Eine gute, sprich disruptive Idee kann also ganze Branchen in den Ruin treiben. Manager fürchten und verehren die Disruption gleichermaßen. Denn: Wer nicht disrupted, wird selbst disrupted.

EINHORN

Ursprünglich Fabelwesen, sind Einhörner in der Start-up-Szene fabelhafte Unternehmen, die mehr als eine Milliarde Dollar wert geworden sind – also eine Firma mit Scalability wie beispielsweise Uber oder Airbnb. „Unicorns“ haben ihr natürliches Habitat im Silicon Valley. Der Versuch, sie in Baden-Württemberg anzusiedeln, blieb bislang erfolglos.

FIT

Bezeichnet nicht etwa den Gesundheitszustand der Gründer, sondern die aktuelle Phase des Produkts. So gibt es den „Vision Market Fit“, was so viel bedeutet wie: Für meine angedachte Lösung gibt es tatsächlich auch ein Problem, sowie den „Produkt Market Fit“, der besagt, dass die angebotene Lösung womöglich sogar auf dem Markt bestehen kann.

GAMIFICATION

Die Idee dahinter ist, langweilige Anwendungen durch spielerische Elemente interessanter zu machen. Nützlicher werden sie dadurch zwar nicht, aber eventuell steigt ja die Scalability. Eine Software, die aus der eigenen Steuererklärung ein spannendes Strategiespiel macht, fände bestimmt viele Abnehmer.

HACKATHON

Hier kommen Programmierer zusammen, um in einem mehrtägigen Tasten-Marathon Anwendungen zu entwerfen, die anschließend öffentlichkeitswirksam gelobt werden, danach aber wieder von der Bildfläche verschwinden. Geld gibt’s dafür keins, aber reichlich Pizza und Cola, Verzeihung, Club-Mate.

INCUBATOR

Gründerzentren und Unternehmen, die Startups mit Geld und Know-how auf die Sprünge helfen, aufbauen und dann Unternehmensanteile gewinnbringend wieder verkaufen. Der bekannteste deutsche Incubator ist Rocket Internet, der zum Beispiel Zalando ausgebrütet hat.

JUNIOR

Jeder fängt mal klein an: Junior-Programmierer erledigen die digitale Drecksarbeit in Unternehmen, Code aufwischen zum Beispiel. Das Monatsgehalt ist im Vergleich zu anderen Branchen immer noch stattlich, sofern man nicht gerade bei einem Start-up in der Seed-Stage arbeitet.

KICKER

Darf in keinem Startup fehlen: der Tischkicker im Besprechungsraum. Für Gäste signalisiert er: Wir sind jung und hip und kreativ und scheren uns nicht um starre Arbeitszeitmodelle. Für die Mitarbeiter bedeutet er: Wehe, du spielst damit, denn das bedeutet, du hast zu wenig zu tun. Manche Startups verzichten auch auf die Kicker, weil die Lautstärke zu viel Disruption beim Arbeiten auslösen könnte.

LEARNINGS

Während Unternehmer früher bei Konferenzen interessante Einblicke in andere Geschäftswelten bekommen konnten, erhalten Manager heute in verschiedenen Panels bei Meetups aufschlussreiche Learnings. Ist das gleiche, nur eben im Startup-Sprech.

MERGEN

Hat ein Startup seine Seed Stage überwunden und geht auf den Markt, wird es oft von etablierten Unternehmen aufgekauft. Diese Vereinigung bezeichnet man im Startup-Sprech als „mergen“. Das ist dann in der Praxis der Zeitpunkt, an dem die Tischkicker und Sitzsäcke aus den Büros verschwinden und durch Stechuhren und am Ende durch Betriebsräte ersetzt werden.

NOMADEN

Weil ein echter Startup-Mensch nur Internet und einen Laptop zum Arbeiten braucht, kann er das im Prinzip überall tun. Manche besonders weit gereiste Startup-Nomaden sind in ihrem Leben sogar schon in über 30 verschiedenen Starbucks-Filialen gesessen.

OPEN SOURCE

Neu gegründete Unternehmen sind am Anfang froh, wenn das Geld für das Nötigste reicht, sprich: Miete, Pizza, Club Mate. Da will man nicht auch noch Unsummen für Lizenzgebühren ausgeben. Frei verfügbare Software mit offenem Quellcode kommt da gerade recht und unterstützt noch den Basteltrieb der Gründer-Nerds. Dass ein Copyright doch praktisch sein kann, merken die Gründer dann, wenn ihre Geschäftsidee geklaut wird.

PITCH

Pech, Händlerstand, Zwischenraum – das englische Wort „pitch“ ist vieldeutig. Wenn Gründer „pitchen“, stellen sie aber ihre Geschäftsidee vor Investoren vor. Am besten zeigt man dabei viele steil nach oben gehende Liniendiagramme, denn das ist Scalability und das bringt Investorenaugen zum Leuchten. Die Königsdisziplin ist der „Elevator Pitch“: Der muss so kurz sein wie eine Fahrt mit dem Aufzug. Nach oben natürlich.

QUORA

Ein Online-Frageportal, das vor allem bei Beschäftigten im Silicon Valley beliebt ist. Hohe Tiere von Google, Facebook und Co. sind in dem exklusiven Portal angemeldet und geben präzise Antworten auf präzise Fragen. Im Grunde ist Quora also sowas wie frag-mutti.de für Gründer.

RICHTUNGSWECHSEL

Im Französischen heißt pivot „Angelpunkt“, im Handball ist es der Kreis. Startups, die „pivoten“ (hier aber wieder englisch ausgesprochen), drehen sich auch sozusagen im Kreis: Sie müssen ihr Geschäftsmodell anpassen, weil das bisherige sich als falsch erwiesen hat.

SCALABILITY

Damit steht und fällt der Erfolg eines Startups. Denn eine Vision ist schön und gut, aber man muss auch Geld damit verdienen können – je mehr, desto besser, denn: „Think big!“ Außerdem lässt sich mit diesem technischen Begriff das von Business-Angels ausgesprochene Todesurteil neutral verpacken: „Das ist nicht skalierbar“ klingt viel freundlicher als „Deine Geschäftsidee ist dem Untergang geweiht“.

THINK BIG !

In großen Dimensionen zu denken, ist amerikanische Tradition. Weniger als die Weltmarktführerposition sollte man also nicht anstreben. „Think big“ gilt dann auch bei den Überstunden (siehe Work-Life-Balance), nicht aber beim Lohn.

UBER

Großes Vorbild für alle Startups. Wer beim Pitch eine gute Scalability prophezeien möchte, sagt, dass sein Start-up schon bald das „Uber des Bohrmaschinenverleihs“ oder das „Uber der elektrischen Knoblauchpressen“ wird.

VC

Kurzform für Venture Capital, also Risikokapital – der Treibstoff für Startups. Geldgeber müssen bereit sein, in ausgeflippte Ideen zu investieren – auch wenn die scheitern können. Mit ein bisschen Glück wird ja ein Einhorn daraus.

WORK-LIFE-BALANCE

Nachhaltige, etablierte Unternehmen achten darauf, ihre Mitarbeiter nicht über Gebühr auszubeuten. So bleibt das Gleichgewicht von Arbeit und Privatleben gewahrt. Startups umgehen das, indem die Arbeit zum Leben erklärt wird. Damit fällt eine Seite der Waagschale weg, so dass es keine Ungleichgewichte geben kann. Die Scalability von Selbstausbeutung ist bei Startups hoch – so lange, bis die Mitarbeiter eine Familie gründen.

X…

Der Umgang mit diesem Buchstaben ist im Startup-Sprech derart schwer, dass er sich noch nicht ins Startup-Alphabet fügt. Anders gesagt: Das Uber von X muss erst noch erfunden werden.

YELP

Ähnlich wie das X ist das Ypsilon im Startup-Sprech ein sperriger Buchstabe. Hier hat es neben dem nicht mehr sehr jubelnden Yahoo eine weitere Firma gewagt: Yelp, das im Englischen auch Hundejaulen bedeutet, startete als vielversprechende Empfehlungsplattform, kämpft wegen fehlender Gewinne aber mit einbrechenden Aktienkursen. Ein echtes Zombie-Startup.

ZOMBIE

Unternehmen, die es nicht geschafft haben und an der Börse mit Aktien auf Pennystock-Niveau ein komatöses Dasein als Zombie-Start-up fristen. Beispiele sind Yelp oder Groupon.

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