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„Wir benötigen gute Architektur, damit sich die Menschen wohl und heimisch fühlen können. Heute starten wir ein Projekt mit einem besonderen sozial-ökologischen Anspruch. Wir werden nachhaltig bauen und etwas schaffen für Familien mit kleinerem Einkommen, für Menschen, die sich schwertun, auf diesem angespannten Markt bezahlbaren Wohnraum zu finden“, sagte Norbert Tobisch, der Geschäftsführer des Bauträgers Siedlungswerk aus Stuttgart.
Von 33 Mietwohnungen werden 17 gefördert
Auf einer Fläche von gut 3000 Quadratmetern wird der Bauträger in den kommenden zwei Jahren vier viergeschossige Häuser mit einer Wohn- und Nutzfläche von etwa 2450 Quadratmetern errichten. Dort werden 33 Mietwohnungen entstehen, von denen 17 öffentlich gefördert werden. Zehn weitere werden in das Mietförderprogramm der Diözese Rottenburg-Stuttgart aufgenommen und profitieren von dem Förderprogramm „Familienkomponente“ des Siedlungswerks. Das Siedlungswerk investiert rund 13,3 Millionen Euro in das Bauvorhaben. „Damit entsteht ein vielfältiges Angebot für Jung und Alt, für Alleinstehende und Familien“, sagte Alexander Kentsch, der Leiter des Projektmanagements beim Siedlungswerk. Dies werde durch Gemeinschaftsgärten und einen Quartierstreffpunkt in einem der Häuser unterstrichen. Dieser Raum soll sich zum „Kristallisationspunkt für die Bewohner“ entwickeln, an dem vom Kindergeburtstag bis zum Yoga-Kurs vieles möglich sein soll.
Nachhaltig und architektonisch anspruchsvoll
Wie Tobisch und Uli Kälberer, der Geschäftsführer des ausführenden Bauunternehmens, sagten, werden die Häuser in Holz-Hybridbauweise erbaut, bei der die Wände in einer Konstruktion mit Holz und Beton errichtet werden. Dies habe den Vorteil, dass man recht zügig bauten könne. Zudem werde – den Vorgaben der Stadt gemäß – nachhaltig und architektonisch anspruchsvoll gebaut. „Die Kombination von Holz und Beton spart CO2, schont Ressourcen und ist ein wichtiger Beitrag zu einem nachhaltigen Wohnungsbau“, sagte Kälberer. Der für die Planung verantwortliche Architekt Jens In het Panhuis lobte insbesondere die „unkomplizierte Zusammenarbeit“ mit der Stadtverwaltung. „Das Areal einem städtebaulichen Wettbewerb zu unterwerfen, bedeutete Qualitätssicherung zu betreiben. Und dieser Aspekt der Weitsicht begleitet das gesamte Projekt“, sagte er.
Oberbürgermeister Christof Bolay erinnerte an die recht lange Entwicklungsgeschichte des Gebiets und die mehrere Jahre dauernden Planungen. „Wir haben eine eklatante Wohnraumnot in der Region und in der Stadt“, sagte er. Es sei klar gewesen, dass das Areal Potenzial für Wohnungsbau habe. „Aber es war auch klar, dass in dieser besonderen Lage nahe der geschützten Natur etwas Gutes entstehen muss. Deshalb hatten wir als Stadt auch gewisse Anforderungen an potenzielle Bauherren“, sagte er.
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Bolay rekapitulierte auch „die engagierte Diskussion im Gemeinderat über die Namensgebung der Straßen“. Die waren, in Anlehnung an die Streuobstwiesen der Umgebung, nach den alten Apfelsorten Bohnapfel, Boskoop und Luiken benannt worden, „und besonders die Diskussion um die Schreibweise von Boskoop mit zwei oder drei O war spannend“, sagte Bolay. Doch dies sei Geschichte. „Ich bin sicher, die Menschen, die hier in zwei Jahren einziehen, werden sich sehr schnell heimisch und sehr wohl fühlen.“
Was lange währt
Das Areal Das Baugebiet Ob der Halde nördlich der Jahnstraße in Scharnhausen umfasst etwa 16 700 Quadratmeter und ist im vergangenen Jahr erschlossen worden. Die Pläne für eine Wohnbebauung reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Allerdings war ein Großteil des Areals von den Sportanlagen des TSV Scharnhausen belegt. Im Jahr 2013 verlagerte der TSV seinen Vereinssitz in das Sportareal im Körschtal, und die Stadt kaufte die Flächen. Zusammen mit weiteren städtischen Flächen in dem Gebiet wurde 2018 ein Bebauungsplan möglich.
Bezahlbarer Wohnraum In dem Wohngebiet entstehen Mehrfamilienhäuser mit bezahlbaren Mietwohnungen, aber auch einige Einfamilienhäuser. Insgesamt entsteht Wohnraum für etwa 250 Menschen. Ein Teil der Wohnungen wird gefördert und ist Familien mit Wohnberechtigungsschein vorbehalten. Eine langjährige Mietpreisbindung ist ebenso gefordert wie ein Belegungsrecht durch die Stadt. Auch ein kleines Pflegeheim und einige Wohnungen für Betreutes Seniorenwohnen könnten entstehen.
Planung Während der Planung wurden Bedenken der Anwohner wegen des erwarteten Verkehrsaufkommens laut. Der Plan einer zusätzlichen Straße am Nordrand Scharnhausens, über die das Gebiet angefahren werden könnte, wurde aufgrund eines Vetos der Unteren Naturschutzbehörde verworfen.