Spaziergang durch Stuttgart-Feuerbach Was Hänschen hier lernt, weiß Hans oft nicht

Von Susanne Müller-Baji 

Der Bürgerverein hat zur Kinder-Stadtführung durch den Stadtbezirk eingeladen.

Mit Jutta Sailer-Paysan (Bildmitte) gingen die Kinder und Erwachsenen auf Erkundungstour durch Feuerbach. Foto: Susanne Müller-Baji
Mit Jutta Sailer-Paysan (Bildmitte) gingen die Kinder und Erwachsenen auf Erkundungstour durch Feuerbach. Foto: Susanne Müller-Baji

Stuttgart-Feuerbach - Was sind das für Symbole am Rathaus, und warum sitzt da ein Biber auf dem Brunnen? Kinder haben oft einen schärferen Blick auf ihre Umgebung als so mancher alltagsgeplagte Erwachsene – gut so! Am Samstag bot der Bürgerverein Feuerbach eine spezielle Kinderstadtführung mit Jutta Sailer-Paysan an, die viele, wenn auch nicht alle Fragen beantwortete.

Es gibt Sätze, die sind erklärungsbedürftig: „Da ist ja noch ein kleiner Talkrabb ohne Klammer“, ruft Jutta Sailer-Paysan und reicht eine Holz-Wäscheklammer rüber, die die Teilnehmer kennzeichnet und auch als Namensschild dient. Was aber ist eigentlich ein Talkrabb? Ratlosigkeit. „Wer von Euch wohnt in Feuerbach?, fragt sie. Die meisten Finger gehen hoch. Alles Talkrabben, ruft die Stadtführerin und erzählt von den Spitznamen im Stuttgarter Norden: Kuckuck für die Botnanger, Hörnleshas für die Weilimdorfer und Talkrabb für die Feuerbacher. „Kein schlechter Name: Raben sind frech, clever und haben scharfe Augen.“

Das aber trifft auch auf die Kinder zu, die sich samt Begleitperson auf dem Wilhelm-Geiger-Platz eingefunden haben: Ruth Maier, Vorsitzende des veranstaltenden Feuerbacher Bürgervereins, kontrolliert, ob sich alle angemeldet haben: Die maximale Teilnehmerzahl war schnell erreicht, „und ich habe so viele Anfragen ablehnen müssen“. So aber zeichnet sich ab, dass es eine weitere Kinder-Stadtführung geben wird – voraussichtlich im Frühjahr. Außerdem hat sie mit den örtlichen Grundschulen Kontakt aufgenommen, so dass es bald auch schulinterne Stadtrundgänge geben könnte.

Die nächste Führung findet am 6. Oktober statt

Jutta Sailer-Paysan führt zusammen mit Annette Schmidt immer wieder durch den Stadtbezirk und zeichnet sich auch mit für die „Feuerbacher Geschichten“ verantwortlich, die in Form von Silhouetten an der Haltestelle Wilhelm-Geiger-Platz Auskunft über Historie und Histörchen geben. Jetzt verteilt sie einen Fragebogen. Wer die Fotos darauf den richtigen Orten zuordnet, erhält am Schluss das Talkrabben-Diplom.

Sofort schwärmen Julia, Arthur und die anderen Kinder aus: Die Kulturlitfasssäule und der Biber auf dem gleichnamigen Brunnen sind schnell gefunden und vermerkt. Und dann erzählt Jutta Sailer-Paysan vom Wappentier Biber und davon, dass Feuerbach einst „Biberbach“ hieß. Ob es die Nager freilich einmal im Feuerbacher Tal gab, darauf weiß sie auch keine Antwort. Dafür nimmt sie die Kinder aber mit in die Zeit, als das Rathaus gebaut wurde und der heutige Stadtbezirk eine eigenständige, aufstrebende Industriestadt war.

Die Kinder sind begeistert mit dabei, als es weiter vor das Polizeirevier geht, an der Grenze zwischen Wohn- und Indus­triebebauung. Und dann weiter über die Burgenlandstraße und den Alten Friedhof, hinüber in den alten Flecken. Es sind die Details, auf die die Stadtführerin immer wieder hinweist: Die Backsteine der Wohngebäude, die zum Teil sogar noch aus Stein gehauenen Bauelemente, entstanden im alten Steinbruch im heutigen Höhenpark. Ortsgeschichte zum Anfassen. Vielleicht haben die begleitenden Eltern oder Großeltern an diesem Nachmittag fast ebenso viel gelernt wie die kleinen Teilnehmer. Die holen sich am Schluss stolz wie Bolle ihr Diplom ab, den Stempel ziert natürlich ein Talkrabb. Was es damit auf sich hat, weiß man jetzt ja.

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