SPD-Chefin Saskia Esken ist übel mitgespielt worden – ihr Rückzug ist aber richtig

Saskia Esken macht den Platz frei. Foto: Carsten Koall/dpa

Saskia Esken konnte für die SPD nie breite Schichten ansprechen, hat sich aber wichtige Verdienste um die Partei erworben. Der Umgang mit ihr war zuletzt unterirdisch. Dass sie nun für andere den Platz freimacht, ist aber richtig, kommentiert Tobias Peter.

Korrespondenten: Tobias Peter (pet)

Ist Saskia Esken die schlechteste SPD-Vorsitzende aller Zeiten? So, wie zuletzt in- und außerhalb der Partei über sie diskutiert worden ist, liegt das aus der Sicht vieler Menschen nahe. Gleichzeitig gilt: Esken gehört nachweislich zu den erfolgreichen Vorsitzenden der SPD. In ihre Amtszeit fällt der Wahlsieg von Olaf Scholz bei der Bundestagswahl 2021. Vergleichbares hat Sigmar Gabriel in acht Jahren als Chef der SPD nicht vorzuweisen. Ja, Esken ist auch mitverantwortlich für die historische Wahlniederlage in diesem Jahr. Ebenso wie Lars Klingbeil, der nun Vize-Kanzler und Finanzminister ist.

 

Die Chuzpe der Hinterbänklerin

Eindeutig ist: Esken gehört zu den Politikerinnen, an die man sich lange erinnern wird. Sie hatte die Chuzpe, in der tiefsten SPD-Krise als Hinterbänklerin gemeinsam mit Norbert Walter-Borjans für den SPD-Vorsitz zu kandidieren, und schlug beim Mitgliedervotum Olaf Scholz. Dann bewies sie die Größe, ihn trotzdem zum Kanzlerkandidaten zu machen – weil er die besten Siegchancen hatte. Esken hat für Scholz den linken Parteiflügel eingebunden und so dafür gesorgt, dass die SPD sich in der Ampelzeit nicht durch internen Streit selbst zerlegte. Das war ein wichtiger Dienst an der Partei und am Land.

In den vergangenen Wochen ist Esken übel mitgespielt worden. In der Partei wurde aus dem Hintergrund aggressiv auf sie geschossen. Das war unwürdig. Unterirdisch. Der Entschluss, dass sie sich jetzt zurückzieht, ist aber richtig. Gegen sie sprach tatsächlich stets, dass sie mit ungeschickten Äußerungen die SPD immer mal wieder in die Bredouille gebracht hat. Sie kann für die Partei keine breiten Wählerschichten gewinnen. Esken selbst sagt, sie wolle, dass nun andere, jüngere Frauen an ihrer Stelle eine Chance bekämen. Solcher Wechsel gehört in der Demokratie dazu. Und es ist gut, dass er nun stattfindet.

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