Die SPD hat bei der Landtagswahl ein katastrophales Ergebnis eingefahren – und macht weiter wie bisher. So sieht es der Jungpolitiker Robin Mesarosch und startet einen Frontalangriff auf die Parteiführung.

Es ist eine Wutrede, die sich gewaschen hat: verzweifelt, engagiert, entsetzt, aber auch erfüllt mit Hoffnung – wenigstens irgendwie. Der Sigmaringer SPD-Politiker Robin Mesarosch (34) gilt als „Jungstar“ seiner Partei, ist auf Social Media sehr aktiv, beherrscht die Klaviatur von Instagram, Tiktok und Co. Sein Video zur Messer-Attacke von Aschaffenburg ging etwa im Januar 2025 viral. Damals war er noch Bundestagsabgeordneter, dieses Mandat verlor er allerdings bei der Wahl im Februar 2025. Aktuell ist er Sigmaringer Kreisvorsitzender.

 

Ein weiteres katastrophales SPD-Wahlergebnis später, die Sozialdemokraten holten bei der Landtagswahl desaströse 5,5 Prozent, greift Mesarosch zu drastischen Worten. „Historischer Tiefstand“ treffe das Ergebnis nicht mehr. „Das haben wir schon vor zehn Jahren benutzt, als wir 12,7 Prozent hatten – mehr als doppelt so viel wie jetzt“, sagt Mesarosch in einem viel beachteten Video. Die Gründe seien klar. Unter anderem: „miserable Kommunikation“, „keine Strategie“, ein „historisch unterirdischer Wahlkampf“.

Und das, obwohl es viele gute Leute in der SPD gebe, die sich „den Arsch aufgerissen“ hätten in diesem Wahlkampf. Jetzt gehe es an die Existenz der Partei. „Die Tragik ist, dass dieses Land eine Partei verlieren kann, die diesem Land so viel geben könnte, wenn man es denn nur richtig machen würde“, sagt Mesarosch.

Frontaler Angriff auf die Führung der Landes-SPD

Und doch, so sieht es der SPD-Politiker, gebe es an entscheidenden Stellen kein Umdenken. „Seit Jahren machen wir dieselben Fehler und dann heißt es im Fernsehen, wir müssen jetzt gründlich analysieren. So ein Schwachsinn!“ Und an der Landesspitze gehe es manchen vor allem darum, so deutet Mesarosch mehr als nur an, ihre Posten zu sichern, um weiterzumachen wie bisher. An dieser Stelle des Videos greift der Jungpolitiker die Führung der Landes-SPD frontal an.

Den „historisch unterirdischen Wahlkampf“ habe maßgeblich der SPD-Generalsekretär Sascha Binder geleitet. Dieser sei zwar „anständigerweise“ am Sonntag direkt zurückgetreten. „Aber heute, nur zwei Tage später, ist er jetzt plötzlich Vorsitzender der Landtagsfraktion – und das geht nicht“, sagt Mesarosch, der sich zugleich auf Kritik aus den eigenen Reihen einstellt. Doch Appelle, dass man jetzt „Geschlossenheit“ zeigen müsse, „werden von den Leuten, die ich eben meinte, missbraucht, damit alles eben so bleibt, wie es ist“, argumentiert der Sigmaringer. „Jeder Vorschlag, es anders zu machen, bedeutet angeblich Spaltung. Und das ist Quatsch.“

Mesarosch: „Wir werden seit Jahren verarscht“

Es gehe um die Existenz der SPD. „Wir werden seit Jahren verarscht“, sagt Mesarosch. „In der SPD gibt's hervorragende Leute. Da gibt's tolle Leute aus ganz unterschiedlichen Berufen und Lebenssituationen, aber die verhungern, weil sie vor Ort Arbeit machen und keine Zeit haben in Gremien ewig rumzusitzen von denen sie ausgegrenzt werden, und wo ganz oft richtig, richtig schlechte Entscheidungen getroffen werden, die am Ende zu 5,5 Prozent führen.“

Die Landes-SPD, so kann man die Wortmeldung verstehen, brauche jetzt eine echte Erneuerung. Die sieht der 34-Jährige nicht. Zwar ist Andreas Stoch, der als Landesvorsitzender und Landtagsfraktionschef lange Zeit die Macht weitgehend auf sich vereinte, noch am Wahlsonntag zurückgetreten. Doch neben ihm war eben auch der Geislinger Abgeordnete Sascha Binder als Generalsekretär Teil der Führung und für den Wahlkampf mitverantwortlich – und könne demnach nicht den Aufbruch verkörpern, den es jetzt brauche. Seine Wahl zum neuen Fraktionschef im Landtag, so muss man Mesarosch verstehen, sei das falsche Signal.

Seine fünfminütige Wutrede hat Mesarosch auf Instagram, Youtube und TikTok veröffentlicht, sie wird tausendfach geteilt und gelikt. In den Kommentaren stimmen ihm viele Menschen zu. Der Account „Jusos Schwarzwald-Baar“ etwa schreibt: „Du sprichst so vielen Mitgliedern an der Basis so sehr aus der Seele, Robin! Wir brauchen jetzt keine Personen, die für die eigene Karriere an Posten kleben. Wir brauchen Menschen mit Emotionen und Feuer für diesen Verband!“ Viele Menschen in den Kommentaren wollen denn auch, dass Mesarosch selbst „mehr Verantwortung“ in der Partei übernehme.

Offen bleibt, ob dieses Video wirklich etwas verändert – und ob es die Karriere eines Jungpolitikers neu startet oder beendet. Stoff für Diskussionen gibt es in jedem Fall.