SPD im Norden SSB-Chefplaner stellt sich der Kritik der Bürger

Von Eva Funke 

Anwohner machen bei eine Diskussionsrunde der SPD ihrem Ärger über den öffentlichen Nahverkehr Luft.

Vergangenheit: Trotz des Protests der Bürger kam für die Haltestelle Pragfriedhof das Aus.Foto: Eva Funke

S-Nord - „Wir wollen nicht!“ Klarer hätte die Absage von Volker Christiani nicht sein können. Der Chefplaner der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) stellte sich am Freitag auf Einladung der SPD-Nord den Fragen und vor allem der Kritik von rund 70 Bürgerinnen und Bürgern aus dem Stuttgarter Norden im Gemeindesaal St. Georg. Dabei ließ er keinen Zweifel daran, dass es keine Haltestelle in der Friedhofstraße mehr geben wird. Dass er an dem Abend, der unter dem Motto „Liebe SSB – wir müssen reden stand“ Gegenwind bekommen würde, stand von vornherein fest.

Gründe dafür, mit den SSB zu reden, gibt es laut SPD-Ortsverein Nord/Prag genug: Mit der Entwicklung neuer Stadtquartiere und der wachsenden Bevölkerung im Norden halte der öffentliche Nahverkehr nicht Schritt, stellte Ortsvereinsvorsitzende Gottfried Schmitt fest. Seine Beispiele: Die Stadtbahnlinie U 5 zum Killesberg fahre statt alle 10 nur noch alle 20 Minuten. Das Ufa-Kino sei mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur mühsam zu erreichen. Es fehle eine bessere Nachtbuslinie und die Anbindung des Höhenfreibads an die öffentlichen Verkehrsmittel. Und: Die Stadtbahnlinie durch die Friedhofstraße sei erst vor kurzem stillgelegt worden.

SSB versprechen dichtere Takte zum Killesberg

„Um welche Stadt geht’s? Stuttgart? Ich dachte, um einen Ort auf der Schwäbischen Alb“, konterte Christiani die Kritik und zählte seinerseits auf, was die SSB alles für die Fahrgäste im Norden tun wollen: Ende des Jahres fahre die neue Stadtbahnline U 16 im 10-Minuten-Takt von Fellbach über den Stuttgarter Norden nach Giebel. Die Linie U 5 soll wieder im 10-Minuten-Takt zum Killesberg fahren, sobald die Linie U5b nach Plieningen in Betrieb geht. „Früher gab es den 10-Minuten-Takt wegen der Messe war. Mit deren Wegfall wurde der dichtere Takt, der pro Jahr 2,1 Millionen Euro koset, zu teuer. Mit dem Start der neuen Linie macht der aber wieder Sinn“, versprach Christiani. Wenn im Jahr 2025 Stuttgart 21 verwirklicht sei, werde mit der Mittnachtstraße eine Haltestelle in Betrieb gehen, an der mit der S 1, 2, 3, 4, 5 und 6/60 sechs S-Bahnen halten. Außerdem sei mit der Buslinie 47 eine Linie in der Konzeption, die in etwa vier Jahren den Stuttgarter Norden besser mit dem Osten verbindet. Und die Haltestelle Pragfriedhof in der Friedhofstraße? „Natürlich war die Haltestelle für die Anwohner geschickter. Aber die wollen wir nicht mehr. Das Gejammer um den Wegfall ist Jammern auf hohem Niveau“, sagte Christiani – und traf damit einen Nerv der Zuhörer: Die Diskussion drehte sich im wesentlichen um den Abbau.

„Es gibt Menschen, die auf diese Haltestelle angewiesen sind wie eine 91-Jährige Dame, die mit ihrem Rollator gar nicht die Haltestelle am Eckartshaldenweg hoch kommt“, beschrieb Barbara Hörner die Probleme älterer Menschen. Sie und ihre Mitstreiter setzten sich Ende vergangenes Jahr mit Protest- und Unterschriftenaktionen für den Erhalt der Haltestelle ein.

Christianis Argumente, dass es mit dem Milchhof und der Stadtbibliothek Alternativen gebe und die SSB bei der Planung die Interessen der Mehrheit im Blick haben müsse, zogen nicht. Die Mehrheit im Saal hat die Stilllegung der Linie durch die Friedhofstraße noch nicht verschmerzt.

Weiteres Thema war die Haltestelle Eckartshaldenweg: Dort wird die Gefahr gesehen, dass bei dem Gedränge durch die vielen Schüler der Berufsschulen jemand auf die Gleise stürzen könnte. Bauliche Veränderungen seien dort kaum möglich, weil die Fläche durch die Heilbronner Straße begrenzt ist. Außerdem habe eine Begehung mit der Verkehrspolizei ergeben, dass „keine wir kliche Gefahr“ besteht, sagte der Chefplaner, der auch gern mal gelobt worden wäre. Die Zuhörer urteilten, dass sich Christiani zu sehr rechtfertige, statt über Lösungen nachzudenken. Das Lob gab es zum Schluss aber doch: für den „Mut“ des Chefplaners, sich der Diskussion zu stellen.