SPD-Parteitag in Berlin Der Kanzler und die „ganz normalen Leute“
Olaf Scholz legt in seiner Wahlkampagne den Fokus auf sozialdemokratische Kernbotschaften. Die Sache hat nur einen Haken, kommentiert unser Hauptstadtkorrespondent Tobias Peter.
Olaf Scholz legt in seiner Wahlkampagne den Fokus auf sozialdemokratische Kernbotschaften. Die Sache hat nur einen Haken, kommentiert unser Hauptstadtkorrespondent Tobias Peter.
Die Bundestagswahl 2021 hat Olaf Scholz auch deshalb gewonnen, weil er Respekt eingefordert hat. Dieser Respekt sollte insbesondere auch für Menschen gelten, die für überschaubares Geld jeden Tag zur Arbeit gehen. Der aktuelle Begriff, mit dem Scholz jetzt in den Wahlkampf zieht, ist der von den „ganz normalen Leuten“. Sein Versprechen: Die Interessen dieser Menschen würden von keiner Partei so vertreten wie von der SPD. Der Kanzler setzt also auf ähnliche Kernbotschaften wie im Jahr 2021.
Scholz kann die Interessen dieser Menschen gut umreißen: Sie machten sich Sorgen über gestiegene Preise und um ihre Arbeitsplätze. Und: Sie wollten eine erfolgreiche Wirtschaft. „Die ganz normalen Leute mit Herz und mit gesundem Menschenverstand – die lassen sich nicht für dumm verkaufen“, das war einer der interessantesten Sätze in Scholz‘ Rede. Denn er zeigt einerseits, dass der Kanzler um Wähler, die von der SPD zuletzt auch zu den Populisten gewandert sind, kämpfen möchte. Das zeigt aber auch, dass Scholz eines unterschätzt: Viele Menschen fühlen sich tatsächlich von ihm für dumm verkauft.
Das Leben beispielsweise der Busfahrerin oder des Krankenpflegers ist in den vergangenen drei Jahren nicht leichter geworden. Dass es einen unerwarteten Krieg und damit auch Inflation geben würde, konnte Scholz nicht vorab wissen. Die Ampel wirkte aber andauernd so, als streite sie sich lieber untereinander als Probleme zu lösen. Daran hat die Marke Olaf Scholz schweren Schaden genommen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Kanzler zu spät ernstgenommen hat, wie schlecht die Wirtschaftslage in Deutschland ist. Das alles macht es der Union bislang leicht, mit einem Programm durchzukommen, das einen realistischen Rechentest nicht besteht. Aus einer schlechteren Ausgangslage als die SPD kann man in einen Wahlkampf kaum starten.