SPD und CDU im Bürovergleich Wiedersehen am roten Schillerplatz

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Während sich die Genossen ein neues gemeinschaftliches SPD-Bürgerbüro im Rothcarree leisten, zieht es die CDU-Landtagsabgeordnete Jutta Schiller mit ihrem Wahlkreisbüro ins Untere Filstal nach Ebersbach.

Jutta Schiller richtet sich  in ihrem  Ebersbacher Büro ein Foto: Horst Rudel
Jutta Schiller richtet sich in ihrem Ebersbacher Büro ein Foto: Horst Rudel

Ebersbach/Göppingen - Ganz schön bunt treiben es die beiden großen Volksparteien mit ihren neuen Büros im Kreis Göppingen. Während sich die CDU-Nachrückerin im Landtag für Dietrich Birk, Jutta Schiller, farbenfroh in Ebersbach eingerichtet hat, residiert ihr Kollege von der SPD, Peter Hofelich, zusammen mit Heike Baehrens, die für die Göppinger Genossen im Berliner Bundestag sitzt, in einem Göppinger Büro im Rothcarree am Schillerplatz, in dem zudem die SPD-Traditionsfarbe Rot dominiert.

Wer nicht weiß, dass sich der Name der neuen SPD-Bleibe auf das früher dort ansässige Teppichgeschäft bezieht, könnte die Bezeichnung möglicherweise für einen orthografischen Stolperer halten, denn tatsächlich springt den Besuchern die Farbe Rot in dem SPD-Bürgerbüro im ersten Stock schon beim Eintreten als Wandinstallation an. Aus einem flauschig roten Teppichboden sind Schlüsselbegriffe wie Solidarität, Freiheit und Gerechtigkeit herausgestanzt und als Wandbild im Entreé angebracht worden. Noch mehr Rottöne bringen die Arbeiten der Geislinger Malerin Brigitte Schmidt ins Spiel, die momentan das Bürgerbüro schmücken.

Eigene Werke an den Wänden

Jutta Schiller setzt bei der Einrichtung ihrer Ebersbacher Bleibe dagegen auf einen „fast original Schiller“, ein Bild, das sie beim Gleichstellungstag der Lebenshilfe Göppingen im vergangenen Jahr, unterstützt von anderen Teilnehmern, gemalt hat. Die Neonfarben leuchten so fröhlich wie das Gesicht der stolzen Besitzerin, die es den Betrachtern überlässt, ob sie auf dem abstrakten Großformat eher Engelsflügel oder flatternde Vögel erkennen wollen. Jedenfalls will die Landtagsabgeordnete mit dem kleinen aber feinen Büro im Hinteren Viehmarktweg demonstrieren, dass sie mit dem Sprung in den Landtag nicht abgehoben ist, sondern sich im Wahlkreis noch mehr verwurzeln möchte.

Die Wahl fiel auf die Lage „im Höfle“ eher zufällig, wo einst mit der ersten kleinen Werkstatt die Wiege des Ebersbacher Unternehmens Buchele Stahltürenbau stand. Schiller war einfach auf der Suche nach einem Büro im unteren Filstal, das gut über die B 10 zu erreichen sein sollte.

Erfahrung vom Kreisbehindertenring

Auch die Barrierefreiheit war Schiller wichtig, schließlich beherbergt sie in ihren Räumen auch die Geschäftsstelle des Kreisbehindertenrings, dessen Vorsitz sie inne hat. Übrigens ein Erbstück aus ihrer Zusammenarbeit mit dem früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus Riegert, für den sie 16 Jahre lang das Wahlkreisbüro im Stauferpark leitete und aus dem der Heimweg zum nahen Göppinger Galgenberg zwar nicht weit, aber der dunkle Weg zum damals einsam gelegenen Parkplatz für die Nachtschafferin manchmal zur Zitterpartie wurde.

Im Höfle in Ebersbach geht es wohltuend familiär zu, wenn die Kinder zum nahen Spielplatz vorbeispringen und die Nachbarn aus den Fenstern rübergrüßen. Dagegen wirkt der Blick aus dem neuen Göppinger SPD-Bürgerbüro auf den Schillerplatz, in dem die beiden Abgeordneten Baehrens und Hofelich ihre Büros betreiben und der SPD-Kreisverband als Hauptmieter logiert, richtig städtisch. Während Hofelich und Baehrens hier Besucher empfangen, können die Gäste des SPD-Landtagsabgeordneten Sascha Binder diesen in seinem Geislinger Büro treffen.

Ein geschichtsträchtiger Ort

Der Göppinger Schillerplatz atmet für die Genossen mächtig Geschichte, denn südlich des Platzes, in der SPD-Zentrale im Gebäude Kronengasse 4, erlebte die Göppinger SPD ihre glanzvollsten Zeiten, galt doch Göppingen bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten als traditionell linke Industriestadt mit einer selbstbewussten Arbeiterschaft. Als eines der ehrgeizigsten Projekte erwies sich dabei die Freie Volkszeitung, neben der Stuttgarter Tagwacht und dem Heilbronner Neckar-Echo die damals dritte sozialdemokratische Tageszeitung im Land, die von 1911 bis 1933 in der Kronengasse gedruckt wurde.