Benjamin Philipp spielt Basketball. Und das so gut, dass der Stuttgarter sich im Jahr 2015 mit seinem Verein Treffpunkt 89er für die Special Olympics in Los Angeles qualifiziert hat. Am Dienstag erinnerte er sich, wie das war damals bei der Qualifikation. Da gewinnt natürlich der, der mehr Körbe wirft. Aber der Sieg zählt nur, wenn jeder Spieler mindestens zwei Minuten spielt. „Jeder zieht jeden mit“, sagt Philipp.
Weltspiele in Berlin
Das ist das Motto seines Teams und im Kern der Gedanke jeden Sports. Im Profisport ist das manchmal kaum noch zu spüren, doch bei den Special Olympics wird das gelebt. Die Weltspiele der geistig und mehrfach Behinderten finden dieses Jahr in Berlin (17. bis 25. Juni) statt. Im Übrigen das größte Sportereignis in Deutschland seit Olympia 1972. Deshalb ist auch das britische Team eine Woche lang in Stuttgart, es bereitet sich hier vor auf die Wettkämpfe.
Briten zu Gast
Dieser Besuch und das dadurch veranstaltete Sportfest auf dem Schlossplatz boten den Rahmen, um „Sport und Inklusion zu verstetigen“, wie die Stuttgarter Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann sagte. Und das „Netzwerk Inklusion und Sport“ zu gründen. Ein Zusammenschluss von mehr als 20 Sportvereinen und Verbänden, dem Sportkreis, dem Sportamt und Einrichtungen der Behindertenhilfe.
Gute Beispiele gibt es. Die Treffpunkt 89er ist eine Mannschaft, erwachsen aus der Kooperation der Caritas und dem TV 89 Zuffenhausen. Etliche Olympioniken haben sie schon hervorgebracht. „Wir wollen die Erfahrung dieser Akteure nutzen und die Struktur so verändern, dass alle Menschen mit Behinderung in regulären Sportangeboten mitmachen können“, so Sußmann.
Wo findet man die Angebote?
Man unterzeichnete eine Gründungsurkunde. Doch Papier ist geduldig. Man braucht Ehrenamtliche, die wollen und sich trauen, Angebote zur Qualifizierung und Fortbildung. Die gebe es, sagt Sportkreis-Präsident Fred-Jürgen Stradinger. Man stellt im Netzwerk Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten vor sowie Qualifizierungsangebote. Und versucht, zu vermitteln. Rund 300 Sportangebote gibt es von Stuttgarter Vereinen mit „Potenzial für Inklusion“. Diese finden sich auf der Webseite des Sportamts. Jährlich will man einen „Sporttag inklusiv“ veranstalten, erstmals im Frühsommer 2024. Doch damit ist es nicht getan. Das machte auch Benjamin Philipp klar. Wie etwa kommt der Sportler zum Sport? Er muss meist mit dem Auto gefahren werden. Philipp: „Wen die Eltern nicht fahren, kann ich nicht zum Sport.“ Manchmal scheitert Inklusion an den ganz einfachen Dingen.