Spendenaktion aus Spiegelberg Horror-Autorenpaar braucht Hilfe

Ein Foto aus besseren Zeiten: Alfred und Tia Berger haben eine Menge durchgemacht. Foto: privat

Alfred Berger aus Spiegelberg ist in seinem Leben immer wieder selbst auf die Beine gekommen. Nun bittet der Schauspieler und Autor im Internet um Unterstützung.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Andere Menschen um Hilfe zu bitten, widerstrebt Alfred Berger eigentlich völlig. „Ich lege viel Wert auf meine Unabhängigkeit und will immer alles selbst auf die Reihe bringen“, sagt der 59-Jährige. Doch nach dem jüngsten in einer Reihe von Schicksalsschlägen hat der Spiegelberger Schauspieler und Horror-Autor im Internet einen Spendenaufruf veröffentlicht.

 

Bis jetzt ist er aus jeglichen Tiefen des Lebens selbst herausgekommen – auch dann, als alle Chancen gegen ihn standen: Alfred Berger, der im bayerischen Rosenheim geboren wurde, hatte lange Zeit ein Drogenproblem. „Als Kind hatte ich eine Angstneurose. Als ich als Zwölfjähriger auf einer Feier Sekt bekommen habe, merkte ich: Die Angst war weg. Natürlich war sie das nicht wirklich“, erinnert er sich. Beim Alkohol blieb es nicht, irgendwann legte ein Kumpel aus der Clique ihm ein Päckchen Heroin auf den Tisch. Das sei gut, sagte dieser. „Es folgten 28 Jahre Drogenkarriere“, erzählt Berger. Zwei Therapien habe er „verbockt“. Eines Tages stellte er sich auf die Waage, wog noch 51 Kilogramm. „Da wusste ich, du wirst sterben.“

Doch Berger gab nicht auf, erkämpfte sich eine dritte Therapie. Sein Therapeut erlaubte ihm, sich beim Theaterprojekt „Wilde Bühne“ in Stuttgart zu engagieren, wo viele Ex-Abhängige mitwirken. „Ich bin da noch heute dabei“, sagt Berger. Die Chance, wirklich von den Drogen loszukommen, habe damals für jemanden wie ihn statistisch 0,3  Prozent betragen. „Ich habe mir gesagt, irgendwer muss diese 0,3 Prozent ja sein – dann bin es eben ich.“ Berger schaffte es. Noch heute engagiert er sich, auch ehrenamtlich, in Präventionsprojekten, arbeitet viel mit Kindern und Jugendlichen. Die düsteren Zeiten in seiner Vergangenheit gehören für ihn fest dazu. Vielleicht begründen sie auch seine Vorliebe für abgründige Literatur. „Du kannst nur ein guter Mensch sein, wenn du dir deiner dunklen Seite bewusst bist. Manche Menschen sperren diese ein und werfen den Schlüssel weg – aber dann bricht sie irgendwann aus“, ist er überzeugt. „Ich habe meiner dunklen Seite einen Stift und Papier gegeben.“

Corona-Zeit war hart für Schauspieler

Das Schreiben von Horrorgeschichten wurde für ihn vor allem zum Hobby – wie auch für seine Frau Tia, bürgerlich Christiane. Lange lief es für die beiden gut. Sie arbeitete als Hufpflegerin, er als Schauspieler und in der Drogenprävention. Aus Leidenschaft für das Düstere schreiben beide Horrorstories, die sie insbesondere in Kurzgeschichtenbänden veröffentlichen. Dann kam Corona. Die Auswirkungen der Pandemie trafen vor allem Alfred Berger, da von jetzt auf nachher Auftritte ausblieben. Krimidinner, Theateraufführungen, Präventionsprojekte mit Jugendlichen waren bis auf Weiteres abgesagt. „Auch meine Nebenjobs wie Stromabzähler ablesen waren betroffen“, erzählt Berger. Die staatlichen Hilfen hätten gerade einmal die Hälfte seines Einkommens betragen. Trotzdem kam das Paar finanziell einigermaßen durch: „Tia ist als Hufpflegerin selbstständig, da lief es recht gut.“

„So eine Diagnose stellen sie normalerweise bei einer Obduktion“

Dann, im August des vergangenen Jahres, bekam seine Frau plötzlich Rückenschmerzen. Diese waren so stark, dass sie zu einer Ärztin ging. Keine Minute zu früh: „Die Ärztin stellte fest, dass der Blutdruck viel zu hoch war, am Herzen waren Nebengeräusche zu hören.“ Christiane kam sofort ins Uniklinikum Heidelberg, wo man ein Aneurysma an der Bauchschlagader feststellte. „Die Ärzte sagten, so eine Diagnose stellen sie normalerweise bei einer Obduktion“, sagt Berger. Eine Woche lag sie im Koma, zwei komplizierte Operationen ließ sie über sich ergehen, eine davon dauerte allein 16 Stunden. Alfred Berger kümmerte sich derweil um das gemietete Haus und die drei Katzen, zwei Hunde und zwei Pferde. „Das sind alles Nottiere, teils nur mit einem Auge“, erzählt Berger. Nach zwölf Wochen im Krankenhaus kam seine Frau wieder nach Hause.

Die Rücklagen des Paares waren inzwischen aufgebraucht, einige Dinge verkauft, und auch wenn ein mutmaßlicher Nervenschaden von der OP Tia Berger am Bein zu schaffen machte, waren die Bergers eigentlich zuversichtlich, dass es wieder aufwärtsgehen konnte. Bis vor zwei Wochen, als Alfred Berger von einem Job nach Hause kam und an der Haustür einen Zettel fand: Tia war auf der Pferdekoppel gestürzt, ein Nachbar hatte die um Hilfe rufende 40-Jährige gefunden. Wie sich herausstellte, hatte sie sich einen komplizierten Sprunggelenkbruch zugezogen. Nun ist die Hauptverdienerin der Familie wieder ausgeknockt – Krankengeld sieht die Versicherung der Selbstständigen nicht vor.

Ein Freund brachte Berger auf die Idee mit der Spendensammlung auf der Plattform betterplace.me. „Die kam deutlich besser an als erwartet“, sagt der Schauspieler. Zumal Unterstützer ab 20 Euro mit Horrorgeschichten-Bänden belohnt werden. Große Sprünge können die beiden mit den bisher erzielten Spenden nicht machen – aber immerhin: Bis zum Ende des Jahres sind die ärgsten Baustellen abgedeckt. Berger ist zuversichtlich: Er schafft das. Auch diesmal wieder.

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