Spendenaktion der Stuttgarter Zeitung Armut macht Kinder zu Außenseitern

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Armut der Eltern bedeutet Armut der Kinder. In Stuttgart gelten 14 Prozent der unter 15-jährigen als arm und viele sind deshalb sozial ausgegrenzt. Besonders gefährdet sind Kinder von Alleinerziehenden und mit Migrationshintergrund

Oft reicht das Haushaltsgeld nicht einmal für Kinderkleidung. Foto: dpa
Oft reicht das Haushaltsgeld nicht einmal für Kinderkleidung. Foto: dpa

Stuttgart - Jeden Monat, wenn der Klassenlehrer fünf Euro für Lernmaterial einsammelt, will der Sohn nicht in die Schule. Die Familie ist immer knapp bei Kasse, denn beide Elternteile sind chronisch krank. Der Junge schämt sich, wenn er wieder einmal sagen muss, dass er das Geld nicht bringen kann. „Materielle Not geht mit sozialer Ausgrenzung einher“, sagt die Landesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes Verena Mohnke. Armut der Eltern bedeutet Armut der Kinder.Für sie bedeutet dies, dass sie außerhalb der Schule nicht an Bildungs-, Freizeit- oder Musikangeboten teilnehmen können.

Schwellenfamilien trifft es hart

Dies gilt insbesonders für Kinder aus sogenannten Schwellenfamilien. Die haben vielleicht 50 Euro zuviel auf dem Konto und erhalten deshalb keine Bonuscard und fallen als Empfänger von Leistungen des Bildungs-und Teilhabepakets mit finanziellen Hilfen für Schulmaterial und Ausflüge raus. Hier kann „Hilfe für den Nachbarn“ einspringen und den Jahresbeitrag für den Sportverein, die Fußballschuhe oder einen Zuschuss für die Musikschule bezahlen, damit die Kinder nicht zu Außenseitern werden, damit ihre Begabung nicht wegen mangelnder Förderung in Folge von Geldmangel verkümmern.

Grundsicherung für alle Kinder

In Stuttgart gelten 14 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren als arm. Besonders gefährdet sind Kinder von Alleinerziehenden und mit Migrationshintergrund. Familien, die jahrelang im Hartz IV-Bezug leben – sei es wegen Arbeitslosigkeit, Suchtproblemen, psychischer oder physischer Erkrankung – geraten bei der kleinsten Sonderausgabe in die Schuldenfalle. Wenn nebenbei stundenweise gearbeitet wird, wird dies vom Bezug abgezogen. Das gilt auch für das Kindergeld. Der Kinderschutzbund fordert deshalb die Kindergrundsicherung in Höhe von 536 Euro monatlich für alle. Normal-und Besserverdienende müssten den Betrag versteuern, Kindern aus HartzIV-Familien würde er in voller Höhe zustehen.

Oft werden Armut der Eltern und die Vernachlässigung des Nachwuchses in einem Atemzug genannt. Dass dieser Zusammenhang kein Automatismus sei, betont die Kinderbeauftragte der Stadt Maria Haller-Kindler: „Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder.“ Schwierig wird es in solchen Konstellationen, in denen die Eltern selbst keine Wärme und Fürsorglichkeit erfahren haben, merkt Oliver Schwarz vom Schlupfwinkel der Caritas an. Bei ihm und seinem Team haben Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben, eine Anlaufstelle. Wenn eine kinderreiche Familie in einer Zweizimmerwohnung lebt, sind Konflikte vorprogrammiert. Der Rauswurf des Jugendlichen oder dessen überstürzter Auszug ohne eine Bleibe zu haben, liegt da näher als wenn ausreichend Wohnraum vorhanden ist.

Zu wenig Wohnfläche schafft Konflikte

Was das Beste fürs Kind tatsächlich sein könnte, versucht die Stadt in den sozialen Brennpunkten in bisher sieben Kinder-und Familienzentren zu vermitteln Sie sind den Kitas angegliedert. Weitere Zentren sind im Entstehen. Dort erhalten Mütter und Väter von Fachkräften Informationen über Gesundheits- und Erziehungsthemen sowie über Hilfsangebote.

Erzieherinnen haben einen Blick für die Erscheinungsformen der Armut: Wenn die Schuhe zu klein sind, wenn ein Kind keine Ausrüstung gegen den Regen besitzt, wenn seine Kleidung selten gewaschen wird. Solche Kinder fallen häufig durch kariöse Zähne auf, waren nicht bei allen Vorsorgeuntersuchungen und haben grob-und feinmotorische Defizite, berichtet Maria Haller -Kindler. „Wir haben vor Jahren unsere Kleiderkammern geschlossen. Jetzt sind sie wieder offen“, sagt Verena Mohnke. Und Roland Sauer, der 2009 die Initiative „Frühstück für Kinder“ mit Spendengeldern unter anderem von „Hilfe für den Nachbarn“ für drei Schulen gegründet hat, stockt laufend auf: Ab Januar versorgt er zwölf Schulen in Stuttgart zwei-, beziehungsweise dreimal wöchentlich mit einem kostenlosen Frühstück. 600 Kinder nehmen daran teil. „Die Lehrer geben durchweg eine positive Resonanz“, berichtet Sauer. Wer morgens etwas im Magen hat, lernt besser und verhält sich sozialer.

Hilfe für den Nachbarn

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