Neun Jahre Förderschule: Niemand hatte sich für das wirkliche Problem des Kindes interessiert. Dank einer Legasthenie-Therapie macht sie als Jugendliche erfolgreich eine Ausbildung.

Lokales: Sybille Neth (sne)

Stuttgart - 45 Das Kind ist eben schlecht in der Schule – damit hatten sich die getrennt lebenden Eltern abgefunden und sich nicht für die Ursachen interessiert, weshalb die Tochter in allen Fächern schlechte Noten bekam. Sie wurde neun Jahre lang auf die Förderschule geschickt. „Da habe ich dann den Hauptschulabschluss geschafft“, berichtet Frau D. Inzwischen weiß die junge Frau mit ihren 20 Jahren, dass ihre Schullaufbahn auch ganz anders hätte verlaufen können. Niemand hatte erkannt, dass sie eine ausgeprägte Leserechtschreibschwäche hat. Und die verhindert in allen Fächern gute Leistungen, weil überall Textverständnis erforderlich ist. „Die Lehrer haben das nie richtig gesehen“, sagt sie. Mittlerweile hat sie den Realschulabschluss und macht eine Ausbildung im Pflegebereich. Dort endlich hatte eine Ausbilderin bemerkt, welches Problem die junge Frau wirklich hat und riet ihr zu einem Kurs.

Die junge Frau ist ehrgeizig

Seit zwei Jahren ist sie in Therapie bei einer Logopädin. „Vor der Therapie habe ich gestottert, ich konnte auch nicht gut lesen, beim Schreiben habe ich die Buchstaben verdreht und in jedem Wort Fehler gemacht“, erzählt sie. In den zurückliegenden zwei Jahren hat sie gelernt, wie man die Laute richtig ausspricht, sie hat ein Gehör für Buchstaben bekommen und kann viel besser lesen als vorher. „Es ist noch nicht ganz gut, aber schon viel besser“, freut sie sich.

Frau D. hat ein Herz für hilfsbedürftige Menschen. Deshalb will sie nach ihrer jetzigen pflegerischen Ausbildung unbedingt weitermachen: Jugend-und Heimerzieherin ist ihr Berufsziel. „Schwachen helfen, das ist mein Traum“, sagt sie lächelnd.

Noch ein Jahr lang soll sie die Legasthenie-Therapie besuchen, dann könnte sie vielleicht sogar eine Leseratte werden. Bei dem Gedanken muss sie lachen, weil dies früher völlig außerhalb ihrer Möglichkeiten lag. Durch den Kurs bekam sie ein Gefühl für Texte. Jede Woche bekommt sie von der Therapeutin Hausaufgaben, dazu gehört obligatorisch das Lesen oder beispielsweise das Ausfüllen eines Lückentextes mit Buchstaben, die ähnlich klingen.

Wer übernimmt die Kosten für den Kurs?

Die junge Frau wohnt bei ihrer Mutter und muss von ihrem Ausbildungsgehalt 450 Euro als Mietanteil abgeben. Die Mutter lebt von Sozialleistungen. Mit ihrem Geld kommt Frau D. gut zurecht, aber die Kosten für das dritte Jahr der Legasthenie-Therapie kann sie nicht von ihrem Ausbildungsgehalt bezahlen. Die ersten beiden Jahre der Therapie wurden jeweils von anderen Spendenaktionen finanziert. Jetzt braucht die Auszubildende, die ohne jede familiäre Unterstützung so viel erreicht hat, durch „Hilfe für den Nachbarn“ einen neuen Förderer, damit ihr berufliches Fortkommen gesichert ist.

Der Ex-Mann hat das ganze Geld verspielt

Stuttgart - 46 Der negative Schufa-Eintrag macht das Leben für Frau R. schwer: Sie bekommt keinen Handyvertrag, und sie gilt in allen geschäftlichen Dingen als nicht vertrauenswürdig. Dabei hat die Mutter von vier Kindern lange versucht, den finanziellen Ruin der Familie zu vermeiden. Sie ging abends arbeiten und verließ sich darauf, dass ihr Ehemann während dieser Zeit auf die Kinder aufpassen würde. Dann stellte sich heraus, dass er manchmal erst gar nicht nach Hause kam. Das älteste der Kinder ist ein Teenager, die anderen sind im Grundschulalter, das jüngste geht jetzt in den Kindergarten.

Der Ehemann war nicht nur unzuverlässig, er hat auch das ganze Geld alleine durchgebracht: Er ließ große Summen in der Spielhalle. Seine Sucht brachte die Familie in die Privatinsolvenz. Die scheiterte, weil er die Raten nicht bezahlt hat. Im vergangenen Jahr warf Frau R. ihren Mann aus der Wohnung. Seither versucht sie, die Dinge zu regeln. Sie lebt von Arbeitslosengeld II und erhält vom Jugendamt Unterhaltsvorschuss, denn der Mann bezahlt nichts für den gemeinsamen Nachwuchs.

Das jüngst Kind hat kein Bett

Das jüngste Kind ist pflegebedürftig, deshalb ist Frau R. zeitlich nicht flexibel. Sie hat dennoch einen Kurs bei einer Organisation absolviert und hofft über diese Qualifikation eine Teilzeitstelle im Hauswirtschaftsbereich zu bekommen. In der Wohnung fehlt es an einigen Dingen: Für das jüngste Kind gibt es bisher kein Bett. Außerdem fehlen für alle richtige Bettdecken und Kissen. Frau R. würde mit ihren Kindern gerne Ausflüge in die Natur machen und wünscht sich für die drei Jüngeren Kinderfahrräder, sowie für sich und das älteste Kind Fahrräder für Erwachsene.

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