Vor vier Jahren hat der Ex-Mann die Kinder zu seiner Mutter auf eine griechische Insel gebracht. Die angeblichen Ferien am Meer waren in Wirklichkeit eine Entführung.

Lokales: Sybille Neth (sne)

Stuttgart - 55 Das Taschentuch hat Frau L. schon vorsorglich in der Hand. Sie weiß, dass sie über ihre Situation und die von ihr getrennten Kinder nicht sprechen kann, ohne zu weinen. Seit vier Jahren hat sie sie nicht mehr in die Arme schließen können, nur noch per Skype hat sie mit ihnen Kontakt. Ihr Ex-Partner, der auch Vater der Kinder ist, hatte die beiden zu seiner Mutter auf eine griechische Insel gebracht. „Ich war damals mit den Nerven etwas runter und habe etwas Erholung gebraucht“, erzählt Frau L.

Sie war immer für alles alleine zuständig: Sie hat gearbeitet, die kleinen Kinder versorgt, den Haushalt gemacht. Der Mann, mit dem sie nicht verheiratet ist, aber für den sie etliche Käufe mitunterschrieben hatte, machte nichts für die Familie – außer Schulden. Auch für die muss Frau L. bis heute zum Teil aufkommen.

Erpressung für einen Skype-Termin

„Es war ein Trick, wie er mir die Kinder weggenommen hat: Er sagte, dass sie im Sommer bei der Oma bleiben könnten und ich mich so erholen könne“, Frau L. schießen die Tränen in die Augen, während sie erzählt. Aus den angeblichen Sommerferien sind vier Jahre geworden. Die Kinder waren damals noch im Kindergartenalter. Jetzt gehen sie schon zur Schule und Frau L. spürt auch, dass sie ihnen als Mutter über diese lange Zeit fremd geworden ist.

In der Zwischenzeit sind die Pässe der Kinder abgelaufen und der Vater hat keinerlei Interesse daran, neue ausstellen zu lassen. Immer wieder nutzt er die Verzweiflung von Frau L. aus. Einmal hat er von ihr 1800 Euro für Flugtickets verlangt und versprochen, die Kinder zu holen. Das Geld ist weg. Es war eine Lüge. Wenn sie mit ihren Kindern skypen möchte, erpresst er sie. „50 Euro will er jedes Mal dafür. Ich habe gerade jetzt seit vier Monaten gar nichts mehr von den Kindern gehört und gesehen“, sagt sie. Und sie ist in Sorge, ob es den beiden gut geht, denn die Großmutter sei gesundheitlich angeschlagen. Der Ex-Mann ändert immer wieder die Telefonnummern, so dass sie selbst keinen Kontakt aufnehmen kann. Die Schwiegermutter sei ihrem Sohn hörig, bezieht aber das Kindergeld, das der deutsche Staat bezahlt. Die Kinder sprechen kaum noch Deutsch, das macht die Situation noch schlimmer für die Mutter.

Unerträgliche Situation für die Mutter

Frau L. lebt heute getrennt von dem Mann. Es besteht wegen Gewalttätigkeiten ein Näherungsverbot. Das aber bricht er immer wieder. Frau L. arbeitet in der Pflege. Von ihren Einkünften bleiben ihr noch 200 bis 300 Euro im Monat. Der Rest geht für die Raten an die Gläubiger weg. So sind auch Mietrückstände entstanden, und sie hat Angst, ihre Wohnung zu verlieren. Eine finanzielle Hilfe benötigt sie auch für die Reparatur einer Tür, die ihr Ex-Partner eingetreten hat. Die Frau Mitte dreißig ist am Ende und wegen Depressionen in psychologischer Behandlung. „Ich habe durch den Kummer einen Hautausschlag bekommen“, erzählt sie. Es ist ein Teufelskreis: Sie ist in Therapie, weil sie die Trennung von den Kindern nicht ertragen kann, der Ex-Mann behauptet, sie sei nicht in der Lage, die Kinder zu versorgen, weil sie in psychologischer Behandlung sei. Frau L. möchte künftig mehr arbeiten, um ihre finanzielle Lage zu verbessern.

Wann sie ihre Kinder endlich wieder in die Arme schließen kann, ist allerdings derzeit völlig ungewiss.

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