Spendenaktion Hilfe für den Nachbarn Großes Glück über 1,6 Millionen Euro

Hilfe für Drogenabhängige: Julia Ondracek (links) und Silvia Allgaier packen im Release-Zentrum Geschenke. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Hilfe für Drogenabhängige: Julia Ondracek (links) und Silvia Allgaier packen im Release-Zentrum Geschenke. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stolze 1,6 Millionen Euro sind bereits auf dem Spendenkonto von Hilfe für den Nachbarn – so viel wie nie zuvor an Weihnachten. Das Corona-Krisenjahr ist auch ein Jahr der Hilfsbereitschaft.

Lokales: Sybille Neth (sne)

Stuttgart - Die Hilfsbereitschaft der Leserinnen und Leser der Stuttgarter Zeitung ist überwältigend: Noch nie in der Geschichte der Aktion Hilfe für den Nachbarn e. V. war bereits an Weihnachten eine so hohe Summe in der Spendenkasse: Stolze 1,6 Millionen Euro sind seit dem Start der Aktion am 27. November eingegangen. Und dies, obwohl die Stuttgarter Zeitung zusammen mit den Stuttgarter Nachrichten Anfang April angesichts der besonderen Herausforderungen dieses Pandemiejahres die Corona-Soforthilfe ausgerufen hatte.

Auch diese Aktion traf auf bewundernswerte Resonanz: Fast 800 000 Euro wurden dafür bis November gespendet, und erst kürzlich konnte so ein weiteres großes Paket mit Laptops für 67 Kinder aus armen Familien finanziert werden, damit sie am Online-Unterricht teilnehmen können. „Sie müssen sich jetzt nicht mehr als Kinder zweiter Klasse fühlen“, charakterisierte Klausjuergen Mauch, der Leiter der Jugendsozialarbeit bei der Evangelischen Gesellschaft, die psychologische Wirkung dieser Großspende jenseits ihres materiellen und praktischen Werts.

Alleinerziehende sind knapp bei Kasse

Jedes Jahr füllen vor allem Spendenanträge für alleinerziehende Mütter die Ordner von Hilfe für den Nachbarn. Mit einem Teilzeitjob und aufstockenden Leistungen des Jobcenters kommen die meisten gerade so über die Runden, solange im Haushalt nichts kaputtgeht und die Kinder keinen besonderen Förder- oder Therapiebedarf haben. In diesem Jahr jedoch sind die Alleinerziehenden in besonderer Weise von der Krise betroffen: Kurzarbeit bei ohnehin geringem Verdienst, der Verlust des 450-Euro-Jobs oder die Kündigung des Arbeitsverhältnisses in der Gastronomie oder in der Eventbranche. Deshalb sind es in dieser Spendensaison noch mehr Frauen als sonst, die kein Geld mehr haben, ihren Kindern Winterstiefel und warme Jacken zu kaufen, die keine Rücklagen haben für eine Zahnarztrechnung oder die ihren Kindern nur über eine Spende den Sportverein – sofern er wieder aktiv werden darf – oder den Musikunterricht ermöglichen können.

Wohnung ohne Kücheneinrichtung

363 Spendenanträge sind seit dem Start der Weihnachtsaktion eingegangen, und täglich werden es mehr. Zwei Drittel davon sind bereits geprüft. Die allermeisten davon sind bewilligt und schon ausbezahlt. Innerhalb eines Spendenjahrs erreichen uns rund 1800 Anträge für bedürftige Menschen sowie für karitative Projekte. Manchmal sind es nur 80 Euro, die benötigt werden, manchmal auch ein Vielfaches. Vor allem Kücheneinrichtungen werden derzeit häufig beantragt, denn die Wohnbau-Gesellschaften vermieten fast ausschließlich ohne Küche, meistens ist nicht einmal eine Spüle vorhanden. Frauen, die mit ihren Kindern im Frauenhaus Zuflucht gesucht hatten und nicht mehr als ein paar Kleidungsstücke und Spielsachen besitzen, benötigen dringend Hilfe, denn die improvisierten Kochgelegenheiten mit einzelnen Herdplatten und Geschirr in Kisten sind insbesondere mit neugierigen Kleinkindern nicht nur keine Lösung, sondern gefährlich.

400 Weihnachtspäckchen in der Praxis

Ein Strahlen auf die überraschten Gesichter ihrer Patienten zauberten in diesen Tagen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Substitutionspraxis in der Kriegsbergstraße. 400 Weihnachtstüten haben Julia Ondracek und Silvia Allgaier für die Patienten und Patientinnen gepackt: Darin jeweils ein Zehn-Euro-Einkaufsgutschein von Hilfe für den Nachbarn sowie Ritter-Sport-Schokolade und unterschiedliche Spenden der U-Apotheke am Hauptbahnhof: Socken, Handschuhe, Trinkflaschen, Notizbücher, Kosmetikproben. „Die Leute sind sehr dankbar, weil sie nicht damit gerechnet haben“, freut sich Julia Ondracek. Alle Beschenkten gehören zur Hochrisikogruppe, viele werden die Feiertage alleine verbringen.

Corona-Bonus geht als Spende an Bedürftige

Eine Leserin schickte dem Hilfe-für-den-Nachbarn-Team diese Nachricht: „Von meinem Arbeitgeber habe ich 1000 Euro als Corona-Bonus bekommen als Anerkennung für die Leistung in der schwierigen Zeit in diesem Jahr. Diese möchte ich weitergeben an diejenigen, die wirklich schwierige Zeiten haben und diese Unterstützung dringend benötigen. Daher geht dieser Betrag als Spende 1:1 an Hilfe für den Nachbarn.“ Erstaunlich viele Leserinnen und Leser bei dieser Weihnachtsaktion haben große Beträge, zum Teil in fünfstelliger Höhe, gespendet. Aber jeder Betrag zählt. „Viele Menschen wissen jetzt, dass sie selbst in Sicherheit sind und es gut haben – zwar eingeschränkt, aber in einer warmen Wohnung“, kommentiert Ingrid Nicklaus von der Evangelischen Gesellschaft die große Hilfsbereitschaft, die auch sie in ihrer Institution bemerkt. Kürzlich erhielt sie den Anruf einer Frau, die ein Bußgeld für einen Wohnsitzlosen übernehmen wollte. Denn auch jene, die kein Dach über dem Kopf haben und nach 20 Uhr noch unterwegs sind, werden zur Kasse gebeten.

„In der Krise zeigt sich der Charakter“, lautet einer der meistzitierten Sätze des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt – und es scheint tatsächlich so. Die Corona-Krise bringt viele Gegensätze zutage, so auch die positiven Seiten: Hilfsbereitschaft und Empathie bei vielen Menschen.

Hilfe für den Nachbarn

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Plieninger Straße 150
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Fax: 0711 / 7205-1323
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