Spendenaktion Hilfe für Flüchtlinge an der syrischen Grenze

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Der Waiblinger Verein Freunde helfen Freunden organisiert Hilfstransporte in das Gebiet an der türkisch-syrischen Grenzen, wo Tausende von Bürgerkriegs-Flüchtlingen in behelfsmäßigen Lagern kampieren.

Die meisten Flüchtlingen an der syrischen Grenze leben in Zelten. Foto: EPA
Die meisten Flüchtlingen an der syrischen Grenze leben in Zelten. Foto: EPA

Waiblingen - Die Solidarität mit den Menschen, die vor der Terror-Miliz IS in Syrien auf der Flucht sind, ist vor allem unter jenen groß, die aus den kurdischen Gebieten der Osttürkei stammen. In Waiblingen sammeln sie seit Sommer, um Hilfsgüter in die betroffene Region an der türkisch-syrischen Grenze zu schicken. „Bisher sind acht Lastwagen voll von meiner Heimatstadt Dersim aus in die Flüchtlingslager gefahren“, sagt Aygül Aras vom Verein Freunde helfen Freunden, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen, die durch Katastrophen oder Krieg in Not geraten sind, zu unterstützen. Zuletzt hat sich der Verein für Erdbebenopfer von Van eingesetzt, der Nachbarprovinz Dersims in Ostanatolien.

Hilfsgüter werden vor Ort verteilt

Am 4. November wird Aygül Aras zusammen mit ihrer Schwester nach Dersim aufbrechen, um einen weiteren Transport in die Grenzregion zu organisieren. „Ich war im August schon dort. Die Leute kennen mich“, sagt die Frau, die sich seit vielen Jahren für die Verständigung zwischen den Kulturen in ihrer neuen Heimat Waiblingen einsetzt.

Mit einigen Aktionen haben die Unterstützer aus dem Rems-Murr-Kreis nicht nur Spenden gesammelt, sondern auch versucht, die Bevölkerung für die Situation in dem umkämpften Gebiet zu sensibiliseren. „Viele haben nicht gewusst, was da los ist“, sagt Turkan Aktas, deren Familie aus der Stadt Suruc stammt, die nur wenige Kilometer nördlich von Kobane liegt. „Die Flüchtlinge leben entweder in Containern oder in Zelten. Manche haben gar nichts. Und jetzt steht der Winter bevor. Da wird es in der Gegend sehr kalt.“

Kleiderspenden von Europa nach Ostanatolien zu transportieren, sei viel zu teuer, sagt Musa Kocabas von der alevitischen Gemeinde in Winnenden, der sich wie viele andere dem Verein angeschlossen hat. „Es ist besser, die Sachen vor Ort zu kaufen.“ In Dersim hätten die Einwohner viel gespendet, berichtet Aygül Aras. „Dabei haben sie selbst nicht viel.“ Mit den Spenden aus Waiblingen soll nun eine weitere Lastwagenladung Hilfsgüter gekauft werden.

Spenden sammeln und auf die Flüchtlinge hinweisen

Rund 13 000 Euro an Spenden haben die Helfer eingesammelt. Diese stammen von Privatpersonen, aber auch von Firmen und Stiftungen. „Wir haben im Salier-Schulzentrum Essen gekocht und verkauft. Da sind Kinder gekommen, haben gesagt, sie wollen auch helfen und haben 50 Cent in die Spendenkasse gelegt.“

Auf dem Alten Postplatz in Waiblingen wurde eine Woche lang ein Stand mit Essen und Trinken unterhalten, der Erlös ging ebenfalls auf das Spendenkonto. Auch hier ging es engagierten Helferinnen wie Gülay Yilmazer oder Elit Köylüzce darum, auf das Schicksal der Flüchtlinge hinzuweisen.

„Die Polizei habe ich noch nie so tolerant erlebt“, berichtet Musa Kocabas von den Aktionen in Stuttgart. In den 90er-Jahren standen kurdische Kundgebungen ständig unter dem Verdacht, mit der seit 1993 in Deutschland verbotenen PKK zu tun zu haben. „Jetzt gab es sogar eine Demonstration von der Lautenschlagerstraße auf den Schlossplatz. Das habe ich noch nie erlebt“, sagt Musa Kocabas.