Spendenaktion in Ostfildern Initiative will die Sitz- und Flitzhasen retten

Bürgerinnen und Bürger möchten mit fantasievollen Spendenaktionen Rosalies Kunst im öffentlichen Raum erhalten. Foto:  

Seit 2002 sind die Sitz- und Flitzhasen der Künstlerin Rosalie ein Anziehungspunkt im Scharnhauser Park. Nun nagt der Zahn der Zeit an dem Kunstwerk. Bürgerinnen und Bürer sammeln Spenden für den Erhalt.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Die orangefarbene Möhre und die Sitz- und Flitzhasen sind seit 2002 die Attraktion im Scharnhauser Park. Jetzt ist das Wahrzeichen, das die Stuttgarter Künstlerin Rosalie geschaffen hat, in die Jahre gekommen. Die Sanierung des Kunstwerks kostet 80 000 Euro. Der Ostfilderner Gemeinderat will die Hälfte davon finanzieren. Doch der volle Betrag ist angesichts der Finanzlage nicht drin. „40 000 Euro müssen wir selbst aufbringen“, sagt Petra Enz-Meyer. Deshalb sammelt sie Spenden für die Rettung der pinken und gelben Hasen.

 

„Sie würden uns fehlen...“ ist auf einer Postkarte zu lesen, die Mitglieder der Initiative dieser Tage in Ostfildern verteilen. Dazu gibt es ein Tütchen mit Möhrensamen. Die Kunst im öffentlichen Raum, die im Zuge der Landesgartenschau entstand, ist für Beate Bretzger ein Geschenk. „Das müssen wir unbedingt erhalten.“ An den Tieren aus Kunststoff, die an die Geschichte des einstigen Gestütsparks erinnern, nagt der Zahn der Zeit. Die fröhlichen pinken und knallgelben Farbtöne sind verblasst. An manchen Stellen wird das Material porös. „Wenn Kinder auf die Hasen klettern, kann das gefährlich werden“, sagt Petra Enz-Meyer. Manche der zwölf Hasenpaare könnten bald die Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllen. Zum Stadtjubiläum im Jahr 2025 sollen die Sitz- und Flitzhasen deshalb fertig restauriert sein. Das geht nur in der Werkstatt, die die Plastiken damals angefertigt hat.

Mit fantasievollen Aktionen möchte die Initiative nun möglichst viele Menschen zum Spenden bewegen. „2002 hat die Stadt dieses kulturelle Ausrufezeichen mit Steuergeldern angeschafft“, sagt Beate Bretzger. Nun möchten sie und die anderen Mitglieder das Kunstwerk vor dem Verfall retten. Die Stuttgarter Bühnenbildnerin und Malerin Rosalie, mit bürgerlichem Namen Gudrun Müller, hat die Figurengruppe ebenso für den neuen Stadtteil Ostfilderns geschaffen wie den wenige Gehminuten entfernten Froschbrunnen. Bis heute zieht das poppige Kunstwerk viele Besucherinnen und Besucher an. Für Petra Enz-Meyer ist damit auch die Erinnerung an eine bemerkenswerte Künstlerin verbunden, die Bühnenbilder für die Staatstheater Stuttgart und Karlsruhe, die Salzburger Festspiele, die Mailänder Scala und viele andere große Häuser geschaffen hat. Ihr Andenken möchte die Initiative bewahren.

Viele ziehen an einem Strang

Mit im Boot ist auch die Stadtverwaltung Ostfildern. Daniel Blank, der Leiter des Fachbereichs Kultur und Bewegung, unterstützt die Spendenaktion ebenso wie Holle Nann, die Leiterin der Galerie der Stadt Ostfildern. Der kunstsinnige Alt-Bürgermeister Rainer Lechner, der sich 2002 für die Anschaffung der Kunstwerke eingesetzt hat, unterstützt die Gruppe mit seinem Hintergrundwissen. Mit Roll-ups und Werbeplakaten macht der Ostfilderner Grafiker Tobias Ruppert eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit möglich.

Erste Spenden sind nach den Worten von Beate Bretzger bereits eingegangen. Die Bäckerei Schultheiss hat ein Möhrenbrot im Angebot – von jedem verkauften Laib fließen 50 Cent in die Spendenkasse. „Viele Bausteine helfen, das Kunstwerk zu retten“, ist Enz-Meyer überzeugt. Sie hofft, dass nicht nur kleine Einzelspenden eingehen. Für 950 Euro sind Patenschaften für die Hasen zu haben. Die Firmen oder Privatpersonen werden dann auf einer Spendentafel verewigt, die vor der Hasengruppe steht. „In Zeiten knapper Kassen ist Fantasie gefragt“, findet Beate Bretzger. Da könne man nicht alles der öffentlichen Hand überlassen. Bürgerschaftliches Engagement ist hier für sie Pflicht.

Beim Drachenfest am 3. Oktober stellte sich die Gruppe zum ersten Mal vor und war überwältigt von der positiven Resonanz. Viele könnten sich den Scharnhauser Park ohne dieses künstlerische Wahrzeichen gar nicht mehr vorstellen, hat Beate Bretzger erfahren, die dort lebt. Dass die Plastiken möglicherweise aus dem Stadtbild verschwinden, wollten viele ihrer Nachbarn einfach nicht glauben. „So weit lassen wir es nicht kommen.“ Die wertvolle Kunst im öffentlichen Raum für spätere Generationen zu erhalten, ist der Initiative ein Anliegen.

Spendenaktion für die Kunst

Erhalt der Hasengruppe
 Auf ihrer Homepage stellen die Bürgerinnen und Bürger das Ziel der Initiative vor. Es geht um den Erhalt des Kunstwerks, das zu einem Wahrzeichen Ostfilderns geworden ist. Wer zum Erhalt beitragen will, darf einen Beitrag leisten. Wichtig ist, immer den Verwendungszweck anzugeben: „Zuwendung zur Förderung von Kunst und Kultur – Sitz- und Flitzhasen“. Einzahlungen sind auf das Spendenkonto der Stadt Ostfildern möglich: IBAN: DE09 6115 0020 0000 9904 40

Homepage
 Auf der von dem Grafiker Tobias Ruppert professionell gestalteten Homepage https://hasen-ostfildern.de sind alle Informationen rund um die Spendenaktion zu finden. Außerdem sind auf der Internetseite die schönsten Fotos von der poppigen Figurengruppe im Scharnhauser Park zusammengestellt, die Besucher aus nah und fern anzieht.

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