Spendenaktion Tour Ginkgo rollt nach Coronapause
Auf dem Rad Spenden für kranke Kinder sammeln: Die Tour Ginkgo, eine Initiative der Christiane-Eichenhofer-Stiftung, rollt durch den Landkreis Ludwigsburg und macht aber auch in Fellbach Station.
Auf dem Rad Spenden für kranke Kinder sammeln: Die Tour Ginkgo, eine Initiative der Christiane-Eichenhofer-Stiftung, rollt durch den Landkreis Ludwigsburg und macht aber auch in Fellbach Station.
Zwei Jahre musste die Tour Ginkgo, bei der sich Unterstützer auf den Fahrradsattel schwingen, um Spenden für kranke Kinder zu sammeln, pausieren. Corona hat die Benefizaktion ausgebremst. Nun stehen die Radler wieder in den Startlöchern. Am Donnerstag, 30. Juni, und Freitag, 1. Juli, rollt die Tour Ginkgo schwerpunktmäßig durch den Landkreis Ludwigsburg – und macht aber auch Station in Fellbach. Wir haben uns mit der Gründerin der Initiative, Christiane Eichenhofer, unterhalten, was 30 Jahre Tour Ginkgo bedeuten.
Frau Eichenhofer, zwei Jahre musste die Benefiz-Radtour Pause machen. Wie haben die Planungen für den Re-Start ausgesehen?
Wir haben mit den Planungen nicht wie sonst im Herbst, sondern erst im März angefangen, mit der Hoffnung, fahren zu können. Die Tour rollt nun zwei Tage statt wie bisher an drei Tagen. Es gibt derzeit keine bestimmten Hygieneauflagen. Ich denke auch, dass es verantwortbar ist, wenn 150 Engagierte gemeinsam für den guten Zweck radeln. Schließlich wurden auch 50 000 Fans im Fußballstadion zugelassen.
Es radeln immer wieder Prominente mit, so waren etwa der Entertainer Michael Gaedt, bekannt von „Die Kleine Tierschau“, oder Fallschirmspringer Klaus-Renz dabei. Oft radeln auch die jeweiligen Landräte mit. Wer macht dieses Mal mit, und für wen werden dieses Jahr Spenden gesammelt?
Der Landrat des Kreises Ludwigsburg, Dietmar Allgaier, ist Schirmherr der Aktion, er radelt nicht mit, aber schickt uns beim Start auf die Tour. Dabei ist auf jeden Fall der ehemalige Fußballprofi Karl Allgöwer, der Chefdirigent der Johann-Strauss-Capelle in Wien, Rainer Roos, der Weltmeister und Paralympics-Teilnehmer Günther Brechtel, die dreifache Kunstrad-Weltmeisterin Iris Kurz, Olympiasiegerin und Weltmeisterin Simone Hauswald sowie Thomas Dold, der Treppenläufer, seine Hausstrecke ist im Empire State Building. Der Erlös geht dieses Mal an den Verein Aufwind Bunter Kreis. Er unterstützt frühgeborene, schwer und chronisch kranke Kinder und Jugendliche mit ihren Familien im Kreis Ludwigsburg.
Sie sagen, die Tour Ginkgo hat besonderen Rückhalt in Fellbach. Die Radler machen auch einen Stopp am ersten Tourentag am Raiffeisenplatz. Wie erklären Sie das?
Das hat mit dem großen Engagement einzelner Menschen zu tun. So hatte beispielsweise Dietmar Schmid von der Fellbacher Firma Nico, der damals auch Präsident des Lions Club war, die erste große Tour 2006 in Fellbach unterstützt, viele weitere sehr engagierte Unternehmer und Privatleute kamen dazu. Das hat unserer Benefizaktion einen richtigen Push versetzt. Die Welle der Hilfsbereitschaft, die damals ausgelöst wurde, trägt uns seitdem maßgeblich.
Sie berichten, dass seit der Gründung 1992 mehr als 5,5 Millionen Euro an Spenden zusammengekommen sind. Haben Sie anfangs mit diesem Erfolg gerechnet, und wie sieht Ihre Arbeit in Ihrem Organisationsbüro aus?
Ich freue mich sehr, dass es viele engagierte Personen in unserem Umfeld gibt, sonst wäre das alles nicht möglich, das hätte ich mir damals nicht erträumt. Uns ist wichtig, dass das Geld eins zu eins ankommt. Denn viele der Initiativen, die wir in den Jahren unterstützt haben, sind auf die Spenden angewiesen, sonst ist ihre Weiterarbeit gefährdet oder auch gar nicht mehr möglich.
Viele Fellbacher nehmen, wie Sie sagen, eine wichtige Rolle bei Aufgaben der Organisation ein. Welche zum Beispiel?
Alexander Illi hat sich um die Streckenplanung gekümmert und die Genehmigungen eingeholt. Da gibt es viele Details zu beachten. Für die Radler ist unter anderem gut zu wissen, wo man Gleise überquert, es starke Anstiege gibt. Man muss Parkplätze für das Tourteam abklären und vieles mehr. Jochen Burghardt, auch ein Fellbacher, managt unsere Homepage. Außerdem waren wir kürzlich beim Maikäferfest beim Herrenausstatter Stefan Lutz und haben für die Tour geworben. Er radelt auch immer mit. Dieses Mal sitzen etwa 15 Engagierte aus Fellbach auf dem Rad. Die SDK und Hahn Automobile sind seit 15 Jahren Stiftungspaten, was unsere Arbeit sehr unterstützt. Im Organisationsbüro unterstützt mich Friderike Jantzen.
Sie waren als Kind selber leukämiekrank und wurden trotz düsterer Aussichten geheilt. Aus Ihrer heutigen Sicht, was braucht es, um zu heilen?
Mir ist bewusst, dass betroffene Eltern in der akuten Zeit der Erkrankung ihres Kindes Unterstützung brauchen. Deshalb sind die Bunten Kreise in den jeweiligen Regionen so wichtig, denn sie begleiten und unterstützen die Familien nach dem Krankenhausaufenthalt zu Hause. Die Eltern haben in einer solchen sehr belastenden Phase nicht die Kraft, sich um alles zu kümmern.
Radeln ist ja sehr im Trend. Wie kamen Sie bereits vor 30 Jahren auf die Idee, Spenden mit dem Rad einzusammeln?
Es passt zu unserer Idee, es ist umweltfreundlich, gesund, und man kommt in den persönlichen Kontakt. Dieser persönliche Kontakt ist uns wichtig, daher radeln wir auch in der Region, in der die Vereine ansässig sind. Die Möglichkeit des Treffens vor Ort, das schätzen viele nach den Zeiten des Lockdowns wieder einmal mehr.
Zur Person
Christiane Eichenhofer ist Namensgeberin und Vorstandsmitglied der Christiane-Eichenhofer-Stiftung. Sie lebt in Lorch im Ostalbkreis, der an den Rems-Murr-Kreis angrenzt. Die 57-Jährige ist selbst als Kind an Leukämie erkrankt. Als ehemalige Leukämiepatientin, so sagt sie, habe sie selbst erfahren, was es bedeute, nicht nur von ärztlicher Seite, sondern auch von Privatpersonen Hilfe zu erfahren, um daraus neue Kraft zu schöpfen.
Die Stiftung
Das Ziel der Christiane-Eichenhofer-Stiftung ist, Einrichtungen mit Spenden zu unterstützen, damit kranken Kindern und ihren Familien geholfen werden kann. Auf der Internetseite https://tourginkgo.de sind die Organisationen aufgelistet, die bisher unterstützt wurden. Dieses Jahr fließen die Spenden an „Aufwind“. Die Mitarbeiter von „Aufwind“ unterstützen die Familien beim Übergang von der Klinik in die eigenen vier Wände. Sie vernetzen die Betroffenen mit Kinderärzten, Spezialambulanzen und mobilen Pflegediensten. Auf dem diesjährigen Spendenflyer ist ein QR-Code, über den direkt gespendet werden kann.