Kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes wurde bei Jessi Hörndl ein Gehirntumor gefunden. Seitdem befindet sich die Familie im Ausnahmezustand. Wie geht es nun weiter?

Filderzeitung: Rebecca Anna Fritzsche (fri)

Seit Oktober 2025 sind die Leben der Familie Hörndl aus Filderstadt im Ausnahmezustand: Nur neun Tage nach der Geburt ihres zweiten Kindes erlitt Jessi Hörndl einen epileptischen Anfall. „Ich habe sie morgens im Bett gefunden, am Abend davor hatte sie starke Kopfschmerzen“, erinnert sich Benjamin Hörndl, Jessis Ehemann. Der Notarzt kam, und der Krankenwagen brachte die 32-Jährige ins Krankenhaus. Bereits auf dem Weg dahin erlitt sie einen weiteren Anfall. Bei den anschließenden Untersuchungen fanden die Ärzte einen faustgroßen Tumor in ihrem Gehirn.

 

Im Stuttgarter Katharinenhospital planten die Ärzte eine Operation, um den Tumor zu entfernen. Statt der sorgfältig geplanten OP kam es aber zu einer Notoperation, weil der Druck im Kopf zu groß wurde, die Schädeldecke musste teilweise entfernt und später wieder eingesetzt werden. Nach der schwierigen OP gab es Komplikationen, Jessi Hörndl musste reanimiert werden. Während die Ärzte zuerst davon ausgingen, dass der Tumor gutartig war, was wenigstens ein Hoffnungsschimmer gewesen wäre, brachten weitere Tests die Gewissheit, dass er bösartig war. Jessi Hörndl fing nach der Operation mit der Reha an, und bekam gleichzeitig Chemotherapie und Bestrahlungen – eine große Belastung für ihren Körper. „Jetzt muss man abwarten, wie der Krebs reagiert hat, dann entscheiden die Ärzte, ob eine weitere Chemotherapie sinnvoll ist“, berichtet Benjamin Hörndl.

Nach Gehirntumor-OP gab es viele Komplikationen

Jessi Hörndl ist nach wie vor im Krankenhaus in der Reha. „Sie kann wieder etwas sprechen, aber nicht viel“, erzählt ihr Mann. Laufen lernen, sich erholen vom Kraftakt der schweren Operationen, all das steht an. Sehen kann sie noch nicht wieder richtig, da der Tumor auf den Sehnerv gedrückt hat und dieser sich wieder erholen muss. Seit Oktober befinden sich Familie und Freunde im Ausnahmezustand – besonders Benjamin Hörndl selbst, der sich um den zweieinhalbjährigen Sohn und die fünf Monate alte Tochter kümmert. „Arbeiten kann ich gerade nicht“, sagt er, „mein Chef ist aber wunderbar und hält zu uns. Familie und Gesundheit sind das Wichtigste, sagt er.“

Freunde der Familie haben darum einen Aufruf auf der Spendenplattform GoFundMe ins Leben gerufen, um die Familie in dieser herausfordernden Zeit zu unterstützen. Benjamin Hörndl treibt vor allem die Frage um, wie er seiner Frau bestmöglich helfen kann. „Wir sind auf der Suche nach einem neuen Reha-Platz“, sagt er, „ aber ich wünsche mir auch, dass sich Ärzte oder Therapeuten bei mir melden, die Vorschläge haben, welche Therapie ihr helfen könnte.“ Er denke gar nicht mehr langfristig, erzählt er: „Nur noch von Tag zu Tag, und ich hoffe jeden Tag, dass es ein guter für Jessi wird.“ Wie genau Jessis Prognose ist, weiß die Familie noch nicht. „Jessi ist noch nicht am Ende ihrer Genesung“, sagt Benjamin Hörndl, „und solange wollen wir ihr jede Chance geben, die es gibt. Jeden Cent investieren wir in sie.“

Jessi Hörndl mit ihrer kleinen Tochter, kurz nach der Geburt. Foto: privat/Familie Hörndl

An ihm hängt aktuell alles, und die Belastung hinterlässt Spuren. „Wenn ich sagen würde, dass es mir gut geht, wäre das gelogen“, sagt er. „Ich muss funktionieren – für meine Frau, für meine Kinder.“ Er beschreibt, wie sehr seine Frau zuhause fehlt: „Wir haben alles miteinander besprochen, ergänzen uns optimal, wir sind beste Freunde. Sie ist der wichtigste Mensch für mich in meinem Leben. Darum kämpfe ich für sie.“ Selbst wenn es sich herausstelle, dass sie noch nur eine begrenzte Zeit noch hätte, die ihr der Krebs ließe: „Dann wäre es wenigstens eine Zeit, aus der wir alles herausholen können.“

Benjamin Hörndl kümmert sich um die kleinen Kinder des Paares

Die kleine Tochter des Paares ist erst fünf Monate alt und bekommt noch nichts von der Krankheit ihrer Mutter mit. Aber der zweieinhalbjährige Sohn hat direkt mit erlebt, wie die Mutter mit dem Notarzt ins Krankenhaus kam. „Er möchte sie auch besuchen, und das ermögliche ich ihm auch, wenn es geht, auch wenn sie natürlich nicht so ist, wie er sie kennt“, sagt Benjamin Hörndl.

Auch darüber, Jessi Hörndl nach Hause zu holen, denkt ihr Mann nach. „Ich würde es sofort tun“, sagt er bestimmt, „aber nur, wenn ich die notwendigen Pflege-Strukturen hier organisiert bekomme, die 24-Stunden-Pfleger, die Therapeuten, die nach Hause kommen. Dann würde ich sie sofort holen, damit sie zuhause sein kann.“

Wer für die Familie spenden möchte, kann dies hier bei GoFundMe tun. Wer der Familie bezüglich Therapie und einem neuen Reha-Platz helfen möchte, kann sich gerne bei der Redaktion unter redaktion@filder-zeitung.zgs.de melden.