Spendeninitiative in Corona-Krise Wie der Kinderbonus zum Kulturkindergeld wird

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Eine Gäufelder Familie spendet den Kinderbonus für Menschen, die in der Kunst- und Kulturszene arbeiten und von der Corona-Krise hart betroffen sind. Sie hofft auf Nachahmer – die Wirtschaftsfördergesellschaft der Region unterstützt sie.

Eine Familie hilft mit dem Kinderbonus der Kulturszene. Foto: imago images/MiS
Eine Familie hilft mit dem Kinderbonus der Kulturszene. Foto: imago images/MiS

Stuttgart - Wenn unerwartet Geld auf dem Konto landet, sorgt das normalerweise für große Freude. Katja Gloggengießer von der Gäufeldener Agentur grellgelb und Hjalmar Hiemann von der Wirtschaftsfördergesellschaft der Region Stuttgart (WRS) hat das zur Aktion Kulturkindergeld inspiriert.

Zwei Kinder macht 600 Euro

Und das kam so. Ende September haben sie für ihre beiden Kinder im Teenageralter den Corona-Kinderbonus von je 200 Euro erhalten, mit dem der Bund die besonderen Belastungen für Familien während der Pandemie ausgleichen will, vor allem bei der Betreuung der Kinder. „Eine gute Idee“, findet Hiemann, der auch gar nicht bestreitet, dass die Unterstützung in vielen Fällen bitter notwendig ist. Bei ihnen habe das mit der Betreuung aber ganz gut geklappt. „Und auch was die finanzielle Situation angeht, gehören wir nicht zu den Hauptbetroffenen und mussten daher bisher kaum Einbußen hinnehmen“. Allerdings wissen Hiemann und Gloggengießer auch, dass „das für Menschen in anderen Bereichen ganz anders aussieht, beispielsweise im Kunst- und Kultursektor.“

Damit die Kinder Kultur erleben

Sie haben sich – passenderweise am Tag der Deutschen Einheit – dazu entschlossen, aus ihrem „Corona-Kindergeld ein Kultur-Kindergeld“ zu machen. Sie werden die Unterstützung des Staates, im Oktober kommen nochmals zweimal 100 Euro dazu, für Kunst und Kultur spenden. „Das ist für uns auch ,Kindergeld’“, sagen sie, „weil wir dadurch ein bisschen dazu beitragen können, unserer reichhaltige Kunst- und Kulturlandschaft in der Region für unsere Kinder zu erhalten.“

Die 600 Euro spenden sie der Künstler*innen Soforthilfe Stuttgart, einer Privatinitiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, Kulturarbeiter und Kulturarbeiterinnen in der Region, die aufgrund der Pandemiekrise in Not geraten sind, unkonventionell und so schnell wie möglich zu helfen“. Die Soforthilfe, Mitte März von Tom Adler, Goggo Gensch, Joe Bauer und Peter Jakobeit gegründet, hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 330 000 Euro als Spenden eingesammelt, fast 1000 Betroffene seien mit meist 300 Euro unterstützt worden.

WRS unterstützt Initiative

Gloggengießer und Hiemann hoffen, dass sich einige Eltern ihrer Idee Kulturkindergeld anschließen. Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, bei der Computerspezialist Hiemann arbeiten und die sich auch um die Kreativwirtschaft kümmert, verteilt den Aufruf über ihre Kanäle und „hofft, dass sich Nachahmer dieses großen persönlichen Engagements finden“, so Sprecherin Johanna Hellmann. Die Chancen stünden nicht schlecht, schließlich gebe es Studien, wonach einige Eltern, die den Kinderbonus erhalten, noch keine konkreten Pläne hätten, was sie mit dem Geld machen.




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