Sperrmüll in Bad Cannstatt Wilder Müll am Jakobsbrunnen

Von Sebastian Steegmüller 

Am Jakobsbrunnen in der Cannstatter Altstadt türmt sich der Sperrmüll. Das Problem: Beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart wurde nie eine Abholung in Auftrag gegeben.

Am Jakobsbrunnen liegt seit Tagen  illegal entsorgter Sperrmüll   herum. Foto: Sebastian Steegmüller
Am Jakobsbrunnen liegt seit Tagen illegal entsorgter Sperrmüll herum. Foto: Sebastian Steegmüller

Bad Cannstatt - Zwei Sofas, mehrere Matratzen und ein Sessel liegen seit mehr als einer Woche in unmittelbarer Nähe des Jakobsbrunnens. Mittlerweile haben Unbekannte weitere Möbel in der Tuchmachergasse abgestellt. Vom Kindersitz, über den Wäscheständer und kleine Schränke bis zu mehreren Teppichen ist dort mittlerweile alles zu finden. Auch Elektrogeräte wie Drucker und Staubsauger wurden dazu geworfen.

Der Berg aus Sperrmüll wächst immer weiter an. Das Problem nur: Beim städtischen Eigenbetrieb, der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS), ist keine Abholung am Jakobsbrunnen beantragt worden. „Es handelt sich um illegal entsorgten Müll“, sagt Unternehmenssprecherin Annette Hasselwander. Zu dem Platz sei anzumerken, dass hier immer wieder Gelbe Säcke wild und zu früh bereitgestellt würden. „Nicht selten ziehen diese Ablagerungen dann wilde Sperrmüllablagerungen hinterher.“

Die Vermüllung habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Dementsprechend sei der Jakobsbrunnen nicht die einzige Problemstelle im Stadtbezirk. Der AWS-Sprecherin fallen in diesem Zusammenhang die Standplätze der Altglascontainer an den Ecken Eisenbahnstraße/König-Karl-Straße und Taubenheimstraße/Wildunger Straße ein. Außerdem werde alter Hausrat regelmäßig in der Deckerstraße, in der Nähe vom Aldi, abgestellt. Wie schon in früheren Fällen „werden wir, wie gewohnt, die Abfälle umgehend beseitigen“, so Hasselwander.

Hin und wieder kann ein Verursacher ermittelt werden

Bei den Abfällen am Jakobsbrunnen handele es sich indes noch um eine vergleichsweise kleine Sperrmüllmenge. Bei größeren Ansammlungen werde mitunter die Polizei eingeschaltet. „Hin- und wieder kann der Verursacher ermittelt werden. Beispielsweise durch Meldung von Auto-Nummern beziehungsweise durch erfasste Adressdaten im Müll.“ Das Risiko ist aber offenbar überschaubar, der Großteil der Verursacher könne nicht ermittelt werden. Darüber hinaus sind die Strafen eher gering. Wer Kleinmüll illegal entsorgt und erwischt wird, muss aktuell zwischen 20 und 100 Euro bezahlen. „Das Land Baden-Württemberg ist aktuell dabei, den Bußgeldkatalog zu überarbeiten“, sagt Hasselwander, die nicht versteht, weshalb Müll einfach irgendwo abgeladen wird. „Das Entsorgungssystem in Stuttgart funktioniert gut und ist auch nicht teuer.“ Das Problem: „Die Leute wissen, dass der illegal entsorgte Müll nach einiger Zeit abgeholt wird.“ Dies sei generell ein zweischneidiges Schwert: Einerseits dürfe man Abfälle nicht zu lange liegen lassen, weil er Nachahmer anlockt. Anderseits dürfe man aber auch nicht zu schnell reagieren. Denn dann würde man die illegale Entsorgung ja ebenfalls unterstützen.

Abholung bis zu zwei Mal im Jahr kostenlos

Haushalte können in Stuttgart zweimal im Jahr kostenlos die Abholung von Sperrmüll beantragen. Sie erfolgt drei bis sechs Wochen nach der Anmeldung, über den Termin werden Bürger schriftlich informiert. Gegen eine Gebühr von 66 Euro wird Sperrmüll innerhalb von 48 Stunden von Montag bis Freitag abgeholt. In beiden Fällen muss der Sperrmüll am Abfuhrtag bis 6.45 Uhr ebenerdig am Grundstück bereitgestellt werden. Er muss an einer vom Sperrmüllfahrzeug befahrbaren öffentlichen Straße stehen, keinesfalls auf Privatgelände. Die AWS bittet Bürger, ihren Sperrmüll frühestens am Vortag zur Abholung bereitzustellen. „Die Praxis zeigt jedoch, dass Sperrmüll in aller Regel rund zwei Tage zuvor herausgestellt wird“, sagt Hasselwander.

In Einzelfällen kann es vorkommen, dass der Eigenbetrieb AWS Abholtermine nachträglich verschieben muss. Wenn zum Beispiel bei einer sehr hohen Anzahl an Sperrmüllmeldungen ein Fahrzeug unvorhergesehen ausfällt oder Personalmangel besteht. „Hierüber werden die betroffenen Haushalte rasch informiert“, so Hasselwander.

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