Die Sperrung der A 8 und das daraus resultierende Verkehrschaos Mitte August verursachen immer noch Nachwehen, wie eine Umfrage bei den betroffenen Bürgermeistern zeigt. Besonders emotional reagiert der Mühlhausener Rathauschef Bernd Schaefer. „Das, was an dem Wochenende passiert ist, ist gegenüber den Bewohnern der Raumschaft und insbesondere für Mühlhausen eine Riesensauerei und überstieg jedes erdenkliche Maß an Vernunft und zeugt von vollkommener Ignoranz. Es war furchtbar. Hier ging nichts mehr“, sagt er.
Es sei dreist und frech, wie manche sich manche Autofahrer durch den Stau schummelten – zulasten der Bürger vor Ort. „Durch jede noch so kleine Gasse, noch so engen Feldweg oder auch einfach über die Radwege hinweg sucht sich der Staugeplagte seinen Weg. Dadurch wird das Chaos nur noch verschlimmert.“ Als Beispiel nennt er einen steckengebliebenen Flixbus bei den Eselhöfen, der dort nie hätte fahren dürfen.
Laut Schaefer ist man in Mühlhausen an Staus gewöhnt. Doch wenn Fußgänger und Fahrradfahrer über Tage nicht einmal mehr Geh- und Radwege nutzen können, fühle man sich eingesperrt. Hinzu kämen Lärm, Abgase, Staub und Dreck: „Oft fliegen Müll, Verspertüten, Plastik oder Kaffeebecher einfach aus dem offenen Autofenster, direkt vor unsere Füße, oder es liegt dann wochenlang im Straßengraben.“ Und wenn man Autofahrer darauf anspreche, würden manche sogar aggressiv. Nachvollziehbar, aber trotzdem ärgerlich sei es, dass die Insassen ja auch mal ihr kleines oder großes Geschäft verrichten müssen.
Fahrten zu Rettungseinsätzen dauern zu lang
Schaefer spricht auch den Rettungsdienst an – „denn da bekomme ich Bluthochdruck“. Die Sperrung habe ihm gezeigt, dass das Gutachten des Bereichsausschusses zu einer Neuordnung des Rettungswesens an der Wirklichkeit vorbeigehe. Die notwendigen Einsätze und Fahrten selbst mit Sondersignal würden die erforderlichen Einsatzzeiten während einer Sperrung nicht erreichen. Der Bürgermeister will sich nicht ausmalen, wenn es an dem Wochenende schlimmere gesundheitliche Notfälle gegeben hätte oder ein Feuer die Anforderung der Drehleiter aus Geislingen notwendig gemacht hätte.
Gespannt ist Schaefer auf die von der Autobahngesellschaft Südwest angekündigte Aufarbeitung. Im Vorfeld der jüngsten Sperrung seien seines Wissens die Bürgermeister nicht an Gesprächen beteiligt gewesen. Ein Problem sieht der Schultes an deren Organisationsstruktur. Bei der Autobahn gebe es bestimmt gute Planer, aber leider keine „Verwaltungsmenschen“, die verstehen würden, wie „Kommune“ funktioniere.
Eine Blockabfertigung hielte Schaefer unter bestimmten Bedingungen für sinnvoll, wobei man sich Gedanken machen müsste, wie und wo dies möglich wäre. Er selbst trägt sich nach den jüngsten Erfahrungen mit dem Gedanken, bei künftigen Sperrungen die Gemeinde Mühlhausen komplett abzuriegeln. Dann würden wenigstens die Einwohner von der Belastung verschont.
Zusammenarbeit der Kommunen gefordert
Für den Nellinger Bürgermeister Christoph Jung ist eine Blockabfertigung ebenfalls eine „Option“. Ein großes Problem sieht er darin, dass viele Verkehrsteilnehmer die offizielle Umleitungsstrecke nicht benutzt haben. Er regt eine noch engere Zusammenarbeit an, vor allem mit den betroffenen Kommunen, um eine gemeinsame Lösung auszuarbeiten. Wo auch immer man die Stellschrauben ansetze, eine „Wunderlösung“ gibt es für ihn nicht. Das Problem: Der Verkehr werde ja nicht geringer. Wenn man auf der einen Seite eine Strecke sperrt, werde eine andere Route gefahren – zu Lasten der Gemeinden dort.
Ähnlich sieht es der Merklinger Bürgermeister Sven Kneipp. Um die Autofahrer auf die ausgewiesene Umleitungsstrecke zu lotsen, könnte laut Kneipp bei der Ausleitung in Merklingen „während der Stoßzeiten die Unterstützung der Autobahnpolizei hilfreich sein“. Nachdenken könne man zudem über den Einsatz von Verkehrslotsen und über ein Durchfahrtsverbot für verschiedene Straßen und Ortschaften.
Neubau des Albaufstiegs verursacht Sorgen
Eine Blockabfertigung würde nach Ansicht des Bad Überkinger Bürgermeisters Matthias Heim den Autofahrern etwas bringen, die auf der ausgeschilderten Umleitungsstrecke bleiben. Seiner Meinung nach müsste noch konsequenter darauf geschaut werden, „dass der Verkehr auf den Umleitungsstrecken fließt, der Autobahnverkehr auf der Autobahn bleibt und die Strecke über die A 7 umfährt“. Falschparker auf den innerörtlichen Umleitungen müssten abgeschleppt, Ampelschaltungen optimiert und im Notfall auch die Polizei zur Verkehrsregelung eingesetzt werden.
Angesichts der jüngsten Erlebnisse graut es Heim, wenn er an den geplanten Neubau des Albaufstiegs denkt. Auch dieser wird mit mehreren Sperrungen verbunden sein. „Man sieht ganz klar, dass weder unsere Steigen noch die B 466 für solche Umleitungen ausgelegt sind, hier sind die Straßenbaulastträger am Zug, die Straßen ebenso auszubauen und zu pflegen, dass der Verkehr rollen kann.“ Wichtig ist Heim auch der Weiterbau der B 10, sodass das Nadelöhr Geislingen mit den vielen Ampeln umfahren werden könne. Letzteres fordert auch der Geislinger Oberbürgermeister Frank Dehmer – „und zwar mit dem Schildwachttunnel“.
Künftige Sperrungen
Ankündigung
„Wir suchen den Schulterschluss mit den Gemeinden“, kündigt Wolfgang Grandjean von der Unternehmenskommunikation der Autobahngesellschaft Südwest an. Man habe Lehren aus dem Wochenende gezogen. Und eine sei es, die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden künftig mit einzubeziehen.
Weitere Sperrungen
Die Ortskenntnis der Bürgermeister wird die Autobahngesellschaft auch brauchen: An an den Wochenenden 17./18. September sowie 24./25. September sind weitere Sperrungen am Albabstieg geplant, diesmal wegen Rodungen. Diese sind eine Vorbereitung für eine Felssicherung am Drackensteiner Hang, die für 2023 geplant ist.