Auf der A 81 staut sich der Verkehr über viele Kilometer. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart
Nach dem Brand im Engelbergtunnel quält sich der gesamte Verkehr über die Straßen im Umland. Ist es aktuell schneller, auf Bus und Bahn umzusteigen? Ein Selbstversuch.
Der Brand eines Sattelzug-Aufliegers im Engelbergtunnel hat nicht nur am Dienstag für massive Beeinträchtigungen auf den Straßen in und um Leonberg gesorgt. Da die beschädigte Weströhre mehrere Wochen lang gesperrt bleiben wird, fragen sich viele Pendler: Wie komme ich jetzt von A nach B? Mitglieder der Redaktion haben am Donnerstag ein paar Strecken und Verkehrsmittel getestet – und dabei aus dem alltäglichen Weg zur Arbeit einen Selbstversuch gemacht.
Franziska Kleiner: Von Gerlingen mit dem Auto nach Leonberg
Das Navi weist ein Plus von 16 Minuten aus. Mit einem Puffer von weiteren 20 Minuten müsste es von der Gerlinger Ortsmitte aus auf jeden Fall reichen, pünktlich um 9 Uhr in der Redaktion zu sein. 5,7 Kilometer, ein Katzensprung. Ein kurzer, also auch schneller Weg? Weit gefehlt, wie sich kurz nach der T-Kreuzung am Tilgshäusle zeigt. Nach links, Richtung Leonberg, ist der Stau schon zu sehen: Fahrzeug an Fahrzeug, die Dächer glänzen in der Sonne. Die Ampel am Ortseingang von Leonberg stoppt in ihrem Tempo den schleichenden Verkehr. Zig Ampelphasen später ist wenigstens diese Ampel passiert. Doch nun geht es im Schneckentempo weiter durch die Stadt. Auch da ist das Tempo vorgegeben, dieses Mal von den Ampelphasen der Signalanlagen in der Stadt. Vor mir fährt ein Sattelzug aus Augsburg, hinter mir ein Golf aus Konstanz.
Wenigstens das: Kurz nach 9 Uhr besteht auch für alle Auswärtigen nicht die geringste Gefahr, die Radarfallen in der Eltinger Straße, vor dem Rathaus und dem Samariterstift, auszulösen. Nach 50 Minuten ist die Redaktion erreicht. Gerade noch rechtzeitig – zwei Minuten später beginnt die Redaktionskonferenz.
Marius Venturini: Von Stuttgart mit dem Auto nach Leonberg
Die Fahrt mit dem Auto aus dem Stuttgarter Westen über die Wildparkstraße, den Golfplatz und Engelberg nach Leonberg geht am Donnerstagmorgen völlig problemlos vonstatten. Der Vorteil in diesem Fall: Als Redakteur ist man morgens häufig etwas später dran als der Rest – und abends genau so. Außerdem pendelt man aus Stuttgart heraus und nicht hinein, wie es ein Großteil der anderen Verkehrsteilnehmer tut.
Das bedeutet: Am Stuttgarter Westbahnhof kommt einem, wie üblich, die lange Kolonne in den Kessel entgegen, während man selbst quasi freie Fahrt hat. Ungewöhnlich: Auf der Wildparkstraße staut es sich in Richtung Stuttgart auf Höhe der Anschlussstelle Solitude – was aber an einem Auffahrunfall liegt. Ansonsten läuft alles entspannt bis zur Leonberger Sonnenkreuzung, wo der Verkehr gefühlt auch nicht schlimmer ist als sonst. Auch die Graben- und Bahnhofstraße hinunter, vorbei am Bahnhof und schließlich über die Römerstraße zur Redaktion: alles kein Problem.
Sophia Herzog: Von Stuttgart mit dem Bus Richtung Leonberg
Unterwegs im öffentlichen Nahverkehr muss man eigentlich an den besten Tagen mit Verzögerungen rechnen – zwei Tage nach dem Brand im Engelbergtunnel fährt der Schnellbus X2 aber pünktlich an seiner Haltestelle in Stuttgart ab.
Eine Option: der Expressbus. Foto: LICHTGUT
In den Busbahnhof in Leonberg fährt er sogar mit einer Minute Vorsprung ein. Voller als sonst ist es im Bus auch nicht, wer angesichts der A 81-Sperrung auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen ist, hat sich wohl eher für die S-Bahn entschieden.
Probleme bereitet dem Busverkehr im Großraum Leonberg derzeit eher der Durchgangsverkehr auf der Achse zwischen den Autobahnanschlüssen bei Ditzingen und Rutesheim – hier kreuzen sich die Buslinien mit der Umleitungsstrecke. Das heißt, sie müssen sich mit zahlreichen Auto- und Lkw-Fahrern durch die Ortschaften schlängeln.
Jelena Maier: Von Stuttgart mit der S-Bahn nach Leonberg
Bei der S-Bahn ist im morgendlichen Pendlerverkehr wenig von der chaotischen Situation auf den Straßen zu spüren. Die meisten Pendler scheinen trotz der Umleitungen weiterhin das Auto zu bevorzugen. Ein Eindruck, der sich auch in den Erfahrungen der Kollegen bestätigt. Wie gewohnt leert sich die Bahn, je näher sie Leonberg kommt: In Stuttgart-Feuerbach und Zuffenhausen strömen vor allem Mitarbeiter von Porsche und Bosch aus der Bahn. Doch auch in der Gegenrichtung nach Stuttgart stehen am Bahnsteig kaum mehr Menschen als sonst.
Eine andere Möglichkeit für Pendler: Die S-Bahn Foto: Simon Granville
Etwas voller als in den Zeiten vor dem Lkw-Brand wirkt die S-Bahn aber. Vielleicht liegt das auch daran, dass donnerstags für viele Bürotag ist und sie nicht im Homeoffice sind. Mir kommt die ausnahmsweise entspannte Situation auf der Schiene jedenfalls entgegen: Für den Selbsttest bin ich zur Hauptverkehrszeit um 7.45 Uhr in Stuttgart losgefahren, 25 Minuten früher als gewöhnlich – und komme sogar früher als sonst in der Redaktion an.
Fazit: Der Selbstversuch kann nur eine Momentaufnahme sein. Eines aber zeigt sich doch – der Verkehr verteilt sich umso mehr, je weiter entfernt die Verkehrsteilnehmer vom Engelbergtunnel auf ihrem Weg nach Leonberg starten.