Sperrungen auf der Hulb Böblingen stellt im Kampf gegen das Stauchaos die Ampeln neu

Gegen acht Uhr am Freitag ist der Stau in Dagersheim schon wieder vorbei. Foto: Langner

Eine Sperrung wegen Fernwärmearbeiten auf der Hulb sorgt seit Dienstag in Dagersheim und Böblingen für Staus. Es geht nicht anders, sagt die Stadt – bemüht sich aber um Entlastung.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Auspuffdunst wabert zwischen einer endlos scheinenden Reihe von roten Bremslichtern. Es geht einfach nichts voran auf der Böblinger Straße in Dagersheim. Seit Dienstag gerät der tägliche Weg zur Arbeit zur Geduldsprobe. Der Grund ist eine Sperrung in der Hanns-Klemm-Straße, wo die Stadtwerke Böblingen derzeit das Fernwärmenetz ausbauen. Hinzu kommt, dass auch die Dornierstraße wegen des A-81-Ausbaus seit einiger Zeit gesperrt ist.

 

Damit sind zwei von vier Zufahrten zum Industriegebiet Hulb gesperrt. Das wirkt sich vor allem auf den morgendlichen Berufsverkehr aus. Wenn dann noch – wie am Dienstag der Fall – ein Pannenfahrzeug auf einer der Umleitungsstrecken liegen bleibt, ist das Verkehrschaos perfekt. Ein schnelles Ende ist nicht in Sicht. Laut Stadtverwaltung dauern die Fernwärmenetzarbeiten noch bis zum 28. Februar an.

Ursache für die Staus: die Sperrung dieses Abschnitts der Hanns-Klemm-Straße. Foto: Langner

„Am Mittwoch stand ich schon ab der Festhalle. Von da an hat es 20 Minuten gedauert, bis ich durch Dagersheim durch war“, berichtet ein Deufringer, der beruflich nach Böblingen pendelt. Kaum aus dem Ort heraus, staue sich der Verkehr dann weiter bis zur Daimlerkreuzung beziehungsweise zum Flugfeld. Mit ein Grund dafür sind die Berufspendler, die von der B 464 beziehungsweise der Autobahn sowie von der Schickardstraße auf die Böblinger Straße stadteinwärts drängen. Auch die Ausweichstrecke über die Herrenberger Straße ist überlastet.

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Stadt Böblingen dies so geplant und die Konsequenzen nicht berücksichtigt hat“, schreibt der Renninger Markus Dzubba in einem Leserbrief. Als „untragbar“ empfinden er und seine Frau, die so wie er in Böblingen arbeitet, die momentane Situation.

Bei der Böblinger Verwaltung ist man sich der Lage offenbar bewusst. In einer Pressemitteilung bittet die Stadt um Verständnis und erklärt, dass die Fernwärmearbeiten schlichtweg zu keinem anderen Zeitpunkt möglich gewesen seien. Zum einen sei man an Verträge gebunden, zum anderen gelte es einen Zeitplan einzuhalten. Bevor nämlich die Flugfeldklinik in Betrieb geht, muss die Calwer Straße ausgebaut werden. Das geht wiederum nur, wenn vorher schon die Fernwärmeleitungen verlegt sind. Der alles bestimmende Faktor ist dabei der Ausbau der A 81. Mit diesem komplexen und langwierigen Großprojekt müssen sämtliche andere Maßnahmen getaktet werden.

Auf der Baustelle scheint sich bereits viel getan zu haben. Foto: Langner

Ob die Bauarbeiten in der Hanns-Klemm-Straße womöglich schon vor Ende Februar fertig werden, könne derzeit weder zugesagt noch ausgeschlossen werden, teilen die Stadtwerke Böblingen auf Nachfrage mit und verweisen auf Unvorsehbarkeiten wie Witterung oder Schwierigkeiten im Baugrund. „Wir setzen alles daran, die Arbeiten zügig und reibungslos voranzubringen und sind insgesamt zuversichtlich, die Beeinträchtigungen für Anwohner und Verkehr so kurz wie möglich zu halten“, so die Stadtwerke.

Auch auf dem Rathaus ist man bemüht, die Lage zu verbessern – zum Beispiel mit angepassten Ampelschaltungen. „Dadurch hat sich die Lage im Vergleich zu Dienstag etwas entspannt“, stellt Böblingens Pressesprecher Gianluca Biela fest. Mit zusätzlichen Hinweisen für den Verkehr aus Richtung der B 464 sowie aus Richtung Ehningen versuche man die Staus noch weiter zu entzerren.

An diesem Freitagmorgen ist die Entlastung tatsächlich bereits zu spüren. Um kurz nach acht Uhr ist von Stau nirgendwo mehr etwas zu sehen (wobei freitags das Verkehrsaufkommen in der Regel ohnehin etwas reduziert ist).

Seine Frau sehe eine zumindest leichte Verbesserung, berichtet auch Leserbriefschreiber Markus Dzubba. „Scheinbar haben die geänderten Ampelschaltungen doch etwas Besserung mit sich gebracht, und die Verwaltung hat das Problem zumindest daher auch erkannt“, so der Renninger.

Vielleicht, so versucht Dzubba der Sache auch etwas Positives abzugewinnen, bringe die Sperrung ja manche Menschen dazu, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. „Meine Frau überlegt jedenfalls, sich für einen Monat ein Deutschlandticket zuzulegen. Wenn die mal freiwillig Bahn fährt, will das etwas heißen“, sagt er mit einem Lachen.

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