Die Relegation im Fußball entpuppt sich immer mehr zum Sorgenkind. Am Sonntag in Mannheim musste die Partie gegen den KFC Uerdingen sogar abgebrochen werden. Aber auch Frankreich hat Probleme.
Mannheim/Stuttgart - Wenn die Relegation im Fußball ansteht, geht die Angst um. Nicht nur vor dem sportlichen Abstieg oder dem verpassten Aufstieg – sondern inzwischen auch vor Randale auf den Rängen. Jüngster Höhe- oder besser Tiefpunkt: Sonntagmittag in Mannheim, als das Relegationsspiel der Regionalliga zwischen dem SV Waldhof und dem KFC Uerdingen vorzeitig abgebrochen werden musste. Schiedsrichter Patrick Ittich (Hamburg) hatte die Partei in der 82. Minute unterbrochen, nachdem auf den Rängen Rauchwolken aufgestiegen waren. Nachdem die Mannschaften 20 Minuten später wieder auf den Platz kamen, wurden erneut Feuerwerkskörper abgeschossen, der Unparteiische brach die Partie daraufhin endgültig ab. Uerdingen, das schon das Hinspiel mit 1:0 gewonnen hatte, lag zu diesem Zeitpunkt 2:1 in Führung.
Der DFB muss entscheiden
Der Aufstieg des KFC Uerdingen in die dritte Liga ist damit noch nicht – ganz – perfekt. Der DFB behält sich eine Entscheidung vor. Allzu große Sorgen brauchen sich die Krefelder, die an diesem Montag um 17 Uhr zumindest die Meisterschaft der Regionalliga West feiern wollen, nicht zu machen: Der Spielabbruch erfolgte aufgrund des massiven Pyrotechnik-Einsatzes von Seiten der Waldhof-Fans. Eine Wiederholung des Spiels gilt deshalb als unwahrscheinlich. In der Regel werden solche Spiele nach Anhörung des Schiedsrichters durch das DFB-Sportgericht mit 3:0 für die Mannschaft gewertet, gegen die sich die Fan-Aggressionen richteten. Der DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann war selbst im Stadion und sagte zur „Bild“-Zeitung: „Ich bin entsetzt. Wenn das irgendwann völlig entgleist und ein Fan tot auf der Straße liegt, dann hat der Fußball das Geschehen völlig aus der Hand gegeben.“
Ganz so weit ist es am Sonntag nicht gekommen, aber 45 Menschen wurden verletzt, darunter sechs Polizisten. Es habe zehn Festnahmen gegeben, teilte die Polizei am Abend mit. „Bislang wurden 24 Strafanzeigen gefertigt, deren Zahl sich nach der Auswertung der Videoaufnahmen noch erhöhen wird“, berichtete ein Sprecher.
Vorfälle in der Vergangenheit
Die Ereignisse von Mannheim schließen sich nahtlos an an eine Reihe anderer Ausschreitungen in Relegationsspielen – auch zur Bundesliga. Unvergessen ist zum Beispiel die Partie vom 15. Mai 2012 in Düsseldorf. Aufgrund des Abbrennens von bengalischem Feuer aus beiden Fanlagern, eines Platzsturms von Fortuna-Anhängern und wegen Übergriffen von Hertha-Spielern gegen den Unparteiischen musste das Spiel mehrfach unterbrochen werden. Dies führte zu einer Diskussion über notwendige straf- und sportrechtliche Konsequenzen, insbesondere über die Angemessenheit der Bestrafung von Fortuna Düsseldorf mit einem Geisterspiel. Die Partie endete 2:2, so dass Düsseldorf in die erste Bundesliga aufstieg und Hertha BSC in die zweite Liga absteigen musste.
Im vergangenen Jahr stand – eine Etage tiefer – die Partie zwischen 1860 München und Jahn Regensburg kurz vor dem Abbruch, als Münchner Ultras aus der Nordkurve auf den Zaun kletterten, das Fangnetz hinter dem Tor zerrissen und Stangen aufs Spielfeld warfen. Der Drittligist aus Regensburg gewann 2:0 und stieg auf, während die Löwen letztendlich bis in die Regionalliga abstiegen (die sie nach dem Sieg im Relegationsduell gegen Saarbrücken nun wieder verlassen dürfen).
Sorgen auch in Frankreich
Deutschland steht mit diesem Problem übrigens nicht alleine da. Auch der Nachbar Frankreich kann aktuell ein Klage-Lied davon singen. Bei der Relegation zur ersten Liga musste AC Ajaccio sein Heimspiel nach Fan-Ausschreitungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Montpellier austragen und verlor prompt 0:3 – nichts war’s mit der Rückkehr in die Ligue 1. Eine Klasse tiefer traf das gleiche Schicksal Grenoble Foot 38, das sich in Hin-und Rückspiel aber zumindest gegen Bourg en Bresse durchsetzen konnte. Ach ja: Der SV Waldhof Mannheim hat nun zum dritten Mal nacheinander den Aufstieg in die dritte Liga verpasst – aber das war nach den Vorfällen am Sonntag nur noch eine Randnotiz.