Spiele für die Smartwatch Schritte zählen mit Spaßfaktor

Von Eva Tilgner 

Smartwatches erorbern mit neuen Spiele-Apps den mobilen Markt. Aber kann ein Spiel auf einem kleinen Display am Handgelenk überhaupt Spaß machen?

Schritte zählen können die meisten Smartwatches (auf dem Bild eine Moto 360 von Motorola). Smartwatch-Spiele hingegen sollen Fitness mit Spaß verbinden. In der Bilderstrecke zeigen wir ein paar Beispiele für Smartwatch-Games. Foto: AP 7 Bilder
Schritte zählen können die meisten Smartwatches (auf dem Bild eine Moto 360 von Motorola). Smartwatch-Spiele hingegen sollen Fitness mit Spaß verbinden. In der Bilderstrecke zeigen wir ein paar Beispiele für Smartwatch-Games. Foto: AP

Stuttgart - Der Fitnesshund Max ist müde. Wieder hat sein Herrchen die Nacht durchgearbeitet und kaum geschlafen. „I’m tired. Please go to bed“, fordert das virtuelle Haustier. Wobei die Bezeichnung „Uhr-Tier“ vielleicht treffender wäre. Denn das Hündchen Max spielt die Hauptrolle in einem Spiel, das speziell für Smartwatches entwickelt wurde.

Dem neuinterpretierten Tamagotchi liegt das Wohlergehen seiner Besitzer am Herzen. Für nur 99 Cent ist der kleine Fitnesstrainer seit 5. März 2015 im Google Play Store zu kaufen. Voraussetzung ist ein Android-Smartphone oder -Tablet, auf dem die spezielle Smartwatch-App installiert wird. Der Spielspaß funktioniert aber nicht an den größeren Handymonitoren, sondern ist speziell für die kleinen Uhrenziffernblätter entwickelt.

„Max – My Fitness Dog“ setzt den besten Freund des Menschen als persönlichen Trainer ein. Max überwacht nicht nur den Schlafrhythmus des Uhrenträgers, sondern zählt auch Schritte und misst den Puls. Sein Trainingsplan beinhaltet zudem Aufgaben, mit denen er den inneren Schweinehund des Smartwatch-Besitzers überlisten will. Mit den sogenannten „Fitness-Quests“ hält er seinen Fitnesspartner auf Trab: „I’m bored let’s go for a walk“, bettelt er dann zum Beispiel. Standardaufgaben wie tausend Schritte gehen, den Puls messen oder einen kleinen Sprint hinlegen werden an das persönliche Trainingsniveau des Smartwatch-Besitzers angepasst. Der kleine, knuffige Coach gibt seine Fitness-Anweisungen auf eine herzerweichende Art und Weise. Da nimmt sein sonst so bequemer menschlicher Partner schon mal lieber die Treppe als den Aufzug. Denn Max erhält durch die zusätzlichen, von der Uhr gezählten Schritte Bonuspunkte, die dafür sorgen, dass sich das Hündchen pudelwohl fühlt.

Den Arm als Joystick verwendet

Lässt der Freund im kleinen Bildschirm der Smartwatch aber müde die Hundeohren hängen, bleibt das nicht ohne Wirkung auf seinen Besitzer: „So ein Hinweis macht Dir klar: Ich hab wirklich gestern zu wenig geschlafen“, stellt Christopher Kassulke, der Geschäftsführer der Firma Handy Games, fest. Schon seit 15 Jahren produziert das Unternehmen Spiele für alle Platformen, unter anderem auch für die sogenannten „Wearables“, den am Körper tragbaren Computern, zu denen Smartwatches zählen. „Wir sind bei wearable Games weltweit marktführend und bereits in der dritten Spiele-Generation“, sagt Kassulke. Bei ihrem ersten Spiel „Aces of the Luftwaffe“ muss der Arm noch wie ein Joystick verbogen werden, um mit der Uhr Reaktionen am TV-Bildschirm zu erzeugen. In der nächsten Entwicklungsphase löst sich die Uhr vom Bildschirm – Spiele werden als „Stand-Alone-Lösung“ für den tragbaren Zeitmesser angeboten. Bei dem actionreichen Fußballspiel „Super Party Sports: Football“ springt und rennt ein kleiner Fußballer über den Uhrenmonitor. Nur durch leichte Handgelenkbewegungen köpft er einen Fußball nach dem anderen ins Feld, so dass selbst Miroslav Klose neidisch würde.

Doch in Sachen Kondition können die Smartwatch-Spiele gegenüber den Smartphone-Games noch nicht mithalten.Das liegt zum einen an der schwächeren Batterie, zum anderen auch an den ungleichen Spielbedingungen: Wie lange hält es ein Nutzer durch, seinen Arm zu bewegen und gleichzeitig auf sein Handgelenk zu schauen, ohne zu ermüden? „Nicht länger als zwei Minuten“, sagt Maximilian Krauß. Der 21-Jährige studiert Medieninformatik an der Hochschule der Medien in Stuttgart. In seinem Praxissemester entwarf er bei der Firma Handy Games eine Gaming-App für Smartwatches. „Die Herausforderung war, dass wir noch nicht wussten, wie sich der Nutzer beim Spielen mit der Uhr verhält“, erzählt Krauß. Zwei Monate brauchte er, um alle Hürden bei der Programmierung zu nehmen: „Für die Smartwatch gibt es noch keine Standards. Es gibt runde, viereckige und ovale Ziffernblätter – das macht die Darstellung einer App schwierig.“ Inzwischen gehört das Spiel „Guns’n‘Glory Heroes“ zum Standardangebot der Firma Handy Games. Zwischen tausend und füntausend Mal wurde die von ihm entwickelte App im Google Play Store heruntergeladen – für den noch jungen Markt der Smartwatches ist diese Zahl ein gutes Zeichen.