Spielt sie, feuert er sie an – spielt er, feuert sie ihn an. Bei den Kleikempers dreht sich alles um Hockey. Pauline und Lars spielen beide beim HTC Stuttgarter Kickers – sie in der Regionalliga, er in der zweiten Bundesliga, für deren Feldsaison gerade jeweils die Vorbereitungsphase läuft. Zuschauen beim Ehepartner ist Pflichtprogramm. Motivation, Unterstützung und aufbauende Worte sind gegenseitig das A und O, Kritik hagelt es hingegen nur selten. „Wir pöbeln gerne“, scherzt Pauline. „Aber nicht fies gemeint.“
„Wenn Lars ein Spiel verliert, weiß ich schon, dass er sehr schlechte Laune hat“, erzählt die Stürmerin. Zuhause in der gemeinsamen Wohnung in Degerloch ist der Sport „nicht das Hauptthema, aber es gehört zu den Top drei“, sagt Lars. „Wir sprechen viel über Hockey.“ Bei so viel Affinität ist doch quasi schon programmiert, dass die etwaigen Kinder einmal dieselbe Leidenschaft teilen, oder nicht? „Wir hoffen es“, sagt Lars. Komme es jedoch anders, sei das natürlich nicht schlimm.
Einst Trainer seiner heutigen Frau
Dass er es mit Kids kann, hat Lars Kleikemper in sportlicher Hinsicht bereits bewiesen. In seiner Schweizer Heimat beim Luzerner SC war er Jugendcoach. Außerdem betreute er eine halbe Saison lang die Frauenmannschaft des Vereins – darunter seine damalige Noch-Freundin Pauline Bühner, wie Kleikempers Mädchenname lautet. „Ich finde, er war fair“, berichtet sie. Zwischen 2020 und 2022 lebten beide zusammen in der Schweiz. Es folgte im September 2022 die Hochzeit und nur wenige Tage später der Umzug zurück nach Stuttgart, da Pauline ein Studium in der Landeshauptstadt begonnen hatte. Deshalb spielen beide nun wieder beim HTC.
2017 war Lars Kleikemper schon einmal aus Luzern an die Hohe Eiche gewechselt. „Für mich ist Deutschland sportlich viel attraktiver als die Schweiz“, sagt der Nationaltorhüter der Eidgenossen. Das Niveau sei deutlich höher. Kurz nach seinem damaligen Kickers-Einstieg kam es zu einem Doppelspieltag. Beide Aktiven-Mannschaften des Vereins fuhren Derby-Heimsiege ein, die Frauen gegen den VfB Stuttgart, die Männer gegen den HC Ludwigsburg. Deshalb feierten alle im Anschluss auf dem Clubgelände – dabei kamen sich Pauline und Lars näher. „Beim Hockey hier am Platz haben wir uns kennengelernt“, erzählt Lars.
Hoffnung auf Studienplatzwechsel
Nun, sechs Jahre später, fangen sie langsam an, Wurzeln zu schlagen. „Wir bleiben sicher fünf Jahre hier“, sagt Lars Kleikemper, der als Schreiner arbeitet. Pauline hat ihr Physician-Assistant-Studium, wegen welchem das Ehepaar nach Stuttgart zog, dagegen inzwischen hingeschmissen. Ihr neues Fach: Zahnmedizin – und zwar in Göttingen. Die 26-Jährige ist also nur noch an den Wochenenden in Degerloch, hofft allerdings auf einen Studienplatzwechsel zurück in ihre Heimat. Beim HTC spielt sie, seit sie sechs Jahre alt war, und blieb bis auf wenige Unterbrechungen treu.
Bei ihrem Mann Lars war es auch schon immer Hockey. Jedoch: anfangs nicht auf dem Feld, sondern auf Eis. Dort begann er bereits als dreijähriger Steppke. Mit fünf Jahren switchte er um – eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Wie gesagt: Heute ist er Nationalspieler.
Immer wenn Lars im Trikot der „Nati“ aufläuft, ist Pauline besonders lautstark als Fan dabei. Die gebürtige Riedenbergerin drückt den Schweizern die Daumen, selbst bei Spielen gegen die deutsche Auswahl. Was eine etwaige eigene Karriere im Nationaltrikot angeht? Ihr Ehemann ist sich sicher, dass Pauline es als Schweizerin schaffen würde. „Das Niveau würde stimmen, aber dann müsste sie fünf Jahre am Stück in der Schweiz leben, um das Startrecht zu haben, und das ist nicht der Plan“, sagt Lars Kleikemper. Seine Frau stimmt nickend zu. In Deutschland ist die nationale Konkurrenz hingegen schlicht zu groß.
Was einer am anderen kritisiert
Generell gefällt Lars die Technik und die Spielübersicht seiner Gattin. „Nur am Ende des Spiels könntest du noch fitter sein“, sagt er zu ihr. Will heißen: Die Kondition sei ausbaufähig. Pauline setzt mit einem Schmunzeln entgegen: „Und du solltest dich manchmal nicht so schnell aufregen.“ Zugleich bewundert sie Lars‘ motivierende Art auf und neben dem Spielfeld.
Ist es dann zur Abwechslung einmal nicht Hockey, geht das junge Ehepaar gerne in den Bergen wandern, Ski und Snowboard fahren oder reist mit dem eigenen Camper durch Europa. Die große Liebe bleibt aber das Spiel mit dem Schläger – natürlich nach dem jeweiligen Partner.
Info
Neue Saison
Die Feldsaison beginnt für den HTC Stuttgarter Kickers am 16. September mit Auswärtsspielen. Die Zweitliga-Männer sind dann zu Gast beim Nürnberger HTC, die Regionalliga-Frauen beim 1. Hanauer THC.