Spielerfrauen beim VfB Stuttgart Vom schmückenden Beiwerk zur Influencer-Größe

Von Gregor Preiß 

Schon immer waren Spielerfrauen in der Fußballszene ein Thema. Doch durch die sozialen Netzwerke hat ihre Rolle eine Wandlung erfahren. Auch beim VfB Stuttgart.

Ina und Dennis Aogo – nicht nur auf Instagram ein dynamisches Duo. Foto: Pressefoto Baumann 10 Bilder
Ina und Dennis Aogo – nicht nur auf Instagram ein dynamisches Duo. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Dennis Aogo fristet ein eher unauffälliges Dasein als Fußballer beim VfB Stuttgart. Was zuletzt daran lag, dass den 31-Jährigen eine Verletzung zum Pausieren zwang. Am Freitag (20.30 Uhr) steht er gegen Eintracht Frankfurt vor der Rückkehr. Unabhängig davon fällt der Mittelspieler in die Kategorie gewöhnlicher Bundesligaprofi. Weder Superstar noch Mitläufer. Irgendwo dazwischen. Die Zahl seiner Follower bei Instagram (82 300) sind ein guter, aber kein überragender Wert für eine Person seiner Bekanntheit.

Größere Netz-Popularität als Dennis Aogo genießt hingegen jemand, der auf den selben Namen hört, mit Fußball aber gar nichts am Hut hat: Aogos Frau Ina.

Ina Aogo ist der heimliche Star der Stuttgarter Fußballszene

Mit 88 800 Instagram-Fans ist sie der heimliche Star der Stuttgarter Fußballszene. Der Star im Netz. Hier ist die 30-Jährige zu Hause und lässt die Öffentlichkeit an ihrem Leben teilhaben. Mit zum Teil freizügigen Fotos aus dem Alltag der Familie Aogo, dem Spielen mit Töchterchen Payten Rose, vom Fitnesstraining, dem süßen Nichtstun, vor allem aber mit dem Bewerben von Mode und allerlei hübschen Accesoires. Einer ihrer jüngsten Posts wirbt für das Verzieren von Milchschaum in einer Stuttgarter In-Kaffeebar. Kurzum: Selbstvermarktung ist ihr Handwerk. Ina Aogo zählt zu den Influencer-Größen der Stadt.

Kaum eine Partnerin verzichtet auf Umtriebe in den sozialen Netzwerken

Und ist damit in bester fußballerischer Bekanntschaft. Auch Natalie „Natze“ Grahl, die Frau von Ersatztorhüter Jens Grahl; Manuela Beck, die bessere Hälfte von Andreas Beck, Rachel Legrain-Trapani, Freundin von Weltmeister Benjamin Pavard und ehemalige Miss Frankreich sowie Marianna Markopoulou, Lebenspartnerin von Griechen-Stürmer Anastasios Donis, halten nicht mit ihrem Privatleben und ihren Lieblingskollektionen hinterm Berg. Im Prinzip verzichtet keine Partnerin der prominenten Kicker mehr auf Umtriebe bei Instagram und Co. Die eine mehr, die andere weniger. Wobei das alte Klischee von der immer gut aussenden Fashion-Queen selten zu kurz kommt.

Bis vor kurzem unterhielten die Stuttgarter Spielerfrauen sogar einen eigenen Account. Dieser wurde nun wieder aufgegeben – in Wiebke Ginczek („wibiginnilove“) ging eine der Hauptdarstellerinnen von Bord. Es dauert wohl noch, bis die neue Mannschaft abseits des Rasen zueinander gefunden hat.

Aus einem Paar wurde eine Marken-Symbiose

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Spielerfrauen wahlweise als stummes Begleitwerk an der Seite der Stars oder als zupackende Beraterin im Stile einer Angela Häßler oder Bianca Illgner in Erscheinung traten. Mit Victoria Beckham hielt der Glamour-Faktor erstmals Einzug in den Profifußball. „Aus einem Paar wurde eine Marken-Symbiose“, analysiert der Stuttgarter Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider. „Was bewies, dass die Prominenz des Einen auch förderlich für den anderen sein kann.“ Seither werten Spielerfrauen durch ihren Glamour-Faktor die Marke der kickenden Profis noch einmal gehörig auf.

Die Beckhams waren nur der Anfang, längst ist der Fußball ein Millionengeschäft geworden, das auch die Frauen für sich zu nutzen wissen. Durch die sozialen Medien lässt sich die Prominenz noch einmal ganz anders vermarkten. Brettschneider: „Die Follower-Zahlen sind längst ein Indikator für Beliebtheit und Markenwert eines Fußballers.“ Und seiner Frau/Freundin. Die verlinken und liken ihre Produkte oft gegenseitig.

Für die Werbeindustrie sind auf dem heimischen Sofa oder im Fitnessstudio posierende Frauentypen wie Ina Aogo Gold wert. „Wer glaubt schon werbenden Aussagen von Firmen?“, sagt der Hohenheimer Marketing-Experte Markus Voeth. „Was anderes ist es, wenn ein Idol für ein Produkt oder eine Marke einsteht. Das erzeugt Glaubwürdigkeit.“ Das Prinzip des Influencer-Marketings ist denkbar simpel. Je mehr Fans, desto mehr Geld bringt ein werbebasierter Post. Die Unternehmen können sich Werbung im herkömmlichen Sinn sparen – ihre Botschaft landet direkt bei der Zielgruppe.

Cathy Hummels und Ann-Kathrin Brömmel sind die nationalen Stars der Szene

Stuttgart ist eine regionale Plattform von vielen, aber nicht nur. Mittlerweile gibt es für fast alle Clubs der Bundesliga eine Instagram-Seite, auf der die Posts der örtlichen Fußball-Prominenz zusammengefasst sind. Nicht zu vergessen die nationalen Stars der Szene, Spielerfrauen wie Cathy Hummels oder Ann-Kathrin Brömmel (Mario Götze). Ein Zoff zwischen Ina Aogo und Brömmel bot dem Boulevard reichlich Futter für Schlagzeilen. Bei der WM waren die schönsten Spielerfrauen beliebte Bilderstrecken im Netz. Die Leser des „Playboy" waren zur Miss-Wahl aufgerufen (und stimmten mehrheitlich für Christina Raphaella, die Frau von Abwehrspieler Matthias Ginter). Die linke Wochenzeitung „Jungle World“ schrieb kürzlich: „Spielerfrau zu sein, bleibt für zahlreiche Frauen ein Aufstiegstraum, so sehr sich der Feminismus auch abstrampelt.“

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Überraschenderweise bedienen die bisweilen recht geltungssüchtigen Sternchen auch eine ganz andere Klientel: Die der Fußball-Fans. Zwischen Internet-Diskussionen über den Trainer oder das richtige taktische Konzept ist auch Bundesligas Next Top Model ständiges Thema.

VfB-Fans kreieren eigenen Hashtag

VfB-Fans haben dafür sogar einen eigenen Hashtag kreiert: #SpielerfrauenTV. „Im Profifußball beobachten wir ähnliche Entwicklungen wie in anderen Bereichen der Gesellschaft, etwa in der Politik oder der Wirtschaft. Es werden mehr und mehr unterhaltende Elemente herangezogen – am Phänomen der Spielerfrauen wird das besonders deutlich“, sagt Brettschneider. Dann verschmelzen sportliche Aspekte mit Lifestyle, mit Mode, Klatsch und Tratsch. Und gehässigen Kommentaren, die im Netz natürlich nicht fehlen dürfen.

Vieles hat sich also geändert im Lauf der Zeit, nur ein Spruch von Mehmet Scholl hat wohl für immer Gültigkeit: „In meinem nächsten Leben werde ich Spielerfrau.“

Eine Übersicht der Stuttgarter Spielefrauen finden Sie in der Bildergalerie. Klicken Sie sich durch!