Spieleverfilmung: Angry Birds Wut im Dienst der Gemeinschaft

Von Martin Schwickert 

Nach seinem jüngsten Wutausbruch wird Red vom Richter zu einer Anti-Aggressionstherapie verurteilt, bei der er den superschnellen Rennvogel Chuck trifft sowie Bombe, einen wahrhaft explosiven Charakter. Während sie Entspannung üben, landet im Vogelparadies ein Schiff mit Schweinen an. Die Federtiere, die sich nie Gedanken über die Welt jenseits ihrer Insel gemacht haben, heißen die Fremden willkommen. Der Schweinekapitän bringt interessante Hochtechnologie-Geschenke für die naiven Ureinwohner mit: Ein Trampolin, mit dem die Vögel wenigstens für wenige Sekunden fliegen können, Motorräder, Steinschleudern und jede Menge TNT.

Erstürmung der Schweineinsel

All das dient nur zur Ablenkung der arglosen Vögel, denn in Wirklichkeit sind im Schiffsrumpf noch hunderte Schweine versteckt, die nur eines wollen: Eier. Der einzige, der in der gutgläubigen Vogelschar Lunte riecht, ist Red. Als die Schweine alle Eier klauen, wird er mit seinen Kumpels aus dem Anti-Aggressionstraining zum Anführer einer groß angelegten Erstürmung der Schweineinsel und kann seine Wut endlich in den Dienst der Gemeinschaft stellen.

Die Debütregisseure Fergal Reilly und Clay Kaytis sowie der „Simpsons“-Autor Jon Vitti haben eine durchaus tragfähige Geschichte aus den erzählerischen Rudimenten der Spielvorlage entwickelt. Dass Wut, Misstrauen oder einfach mal Mies-drauf-Sein eine eigene Existenzberechtigung im Kosmos der Emotionen besitzen, ist eine sympathische Botschaft, die den Film zum Seelenverwandten von „Alles steht Kopf“ macht.

Die Kolonisatoren als Vorbild

Metaphorisch sehr schön aufgelöst ist auch die subtile Invasion der Schweine, die mit ihren perfiden Methoden offensichtlich bei den Kolonisatoren vergangener Jahrhunderte und bei den amerikanischen Pionieren in die Lehre gegangen sind.

Leider verliert der Film im letzten Drittel an narrativer Kraft und konzentriert sich auf ausufernde Steinschleuder-Orgien. Zwar ist die technologisch fortgeschrittene Stadt der Schweine mit viel Liebe zum skurrilen Detail eingerichtet, aber deren Zerstörung macht einem beim passiven Zuschauen deutlich weniger Spaß als im interaktiven Spielmodus.