Spielkartenmuseum in Leinfelden Welches Schicksal droht der Spielkarten-Sammlung?
Was passiert mit den Spielkarten, wenn das Spielkartenmuseum abgewickelt ist? Ein Teil der Sammlung soll jetzt bewertet werden. Und es gibt weitere Neuigkeiten.
Was passiert mit den Spielkarten, wenn das Spielkartenmuseum abgewickelt ist? Ein Teil der Sammlung soll jetzt bewertet werden. Und es gibt weitere Neuigkeiten.
Das Spielkartenmuseum von Leinfelden-Echterdingen soll abgewickelt werden. Das hat der Gemeinderat Ende Oktober vergangenen Jahres beschlossen. Ende des Jahres läuft der Vertrag der Stadt mit dem Land aus. Er soll nicht verlängert werden. Eine rettende Millionen-Euro-Spende wurde ausgeschlagen. Nicht klar ist, was mit dem wertvollen Kulturgut passieren soll, welches im Keller der Leinfelder Schönbuchschule lagert. Schließlich beherbergt das Museum immerhin Europas größte öffentliche Spielkarten-Sammlung. Sie ist über die Jahre rasant angewachsen. 32 000 Kartenspiele sind bereits archiviert. „Tausende gespendete Kartenspiele warten noch auf ihre Erfassung“, sagt Ilona Koch, die Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Spielkartemuseums.
„Ich tue mich schwer, die Karten einfach wegzuschließen“, sagt Bürgermeister Carl-Gustav-Kalbfell. Er lobt ausdrücklich den Vorstand des Fördervereins des Deutschen Spielkartenmuseums, der sich „außerordentlich aktiv und produktiv zeigt“, um „die Begeisterung für das Kulturgut Spielkarte“ in der Stadt Leinfelden-Echterdingen neu zu wecken. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, „die Kartensammlung als Ganzes in Baden-Württemberg zu bewahren, das Kulturgut zu schützen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, betont Ilona Koch. Denn die Sammlung stelle ein kulturelles Erbe dar. Leinfelden-Echterdingen habe sowohl durch die ASS-Fabrikation im Gewerbegebiet Unteraichen als auch der ASS-Spielkartensammlung einen direkten historischen Bezug dazu.
Der Verein hatte zuletzt Spielkarten gleich an zwei verschiedenen Orten präsentiert: im Stadtmuseum Echterdingen und im Spielkartenmuseum in Leinfelden. In beiden Häusern war zur selben Zeit die Ausstellung Spielkarten – Ein Spiegel der Geschichte und Gesellschaft zu sehen. Auch am Sonntag, 1. März und am Sonntag, 5. April wird das Spielkartenmuseum seine Pforten öffnen. Die Besucherzahlen sind durch dieses Engagement entsprechend nach oben geklettert.
Nun soll die Spielkarten-Sammlung – zumindest jener Teil, der der Stadt gehört – sowie weitere städtische Exponate und die Bibliothek in dem Museum gutachterlich bewertet werden. Dafür hat sich der für die Kultur und die Finanzen in der Stadt zuständige Gemeinderatsausschuss in seiner jüngsten Sitzung ausgesprochen. Mindestens zwei unabhängige Gutachten sollen Klarheit darüber geben, von welchem Wert beziehungsweise welchem Potenzial bei der Sammlung und dem Inventar auszugehen ist.
Der Beschluss geht auf Wunsch der Liste Engagierter Bürger/DiB zurück. Sie wollten dem Förderverein des Museums ein Vorkaufsrecht einräumen und so ihm die Gelegenheit geben, den städtischen Teil der Sammlung oder zumindest Teile davon zu einem fairen Preis zu kaufen. Damals stand noch das Angebot der Millionen-Spende im Raum. „Mithilfe dieser Mittel könnte der Verein die Sammlung in eine Art Stiftung überführen, um sie zukünftig eigenständig zu verwalten“, ist in dem Vorstoß zu lesen. Stadträtin Sabine Onayli sagt jetzt dazu: „Wir hängen nach wie vor an der Idee, die Karten, die uns gehören, auch zu veräußern. Weil wir das Geld dringend brauchen.“
„Das Ganze ist komplex“, betont derweil Bürgermeister Kalbfell. Denn: „Die Karten gehören zum Teil dem Land, zum Teil der Stadt und zum Teil dem Förderverein.“ Dennoch wolle sich die Kommune der Frage nähern, „über welche Werte reden wir da eigentlich?“ Kalbfell schlägt vor, sich dafür an renommierte Auktionshäuser zu wenden. Die Stadtverwaltung gibt zu Bedenken: „Einige der Objekte sind Unikate deren ideeller, zeitgeschichtlicher und kulturhistorischer Wert möglicherweise nur schwer monetär einzuordnen sein wird.“ Dennoch solle dies versucht werden.
Dass die Sammlung bewertet wird, findet auch der Förderverein gut. Ilona Koch weist aber darauf hin, dass dies vor der Gemeinderatsbeschluss, das Museum abzuwickeln, hätte erfolgen müssen, und auch „bevor eine Millionenspende zum Erhalt der einzigartigen Spielkartensammlung leichtfertig abgelehnt wurde“, wie sie betont.
Die Entscheidung über einen Verkauf der Karten soll zu einem späteren Zeitpunkt auf Basis dieses Gutachtens getroffen werden, erklärt die Stadtverwaltung. Auch erst dann solle über Vorkaufsrechte entschieden werden. CDU-Stadträtin Claudia Zöllmer stellte in der Sitzung klar, dass das Land ein Vorkaufsrecht für die Karten, die der Stadt gehören besitzt. „Jedoch nicht für die Karten des Fördervereins“, ergänzt Ilona Koch.
Ende Januar hat es ein Gespräch im Spielkartenmuseum zwischen Vertretern des Landesmuseum, der Stadt und des Fördervereins gegeben. Das Landesmuseum Württemberg habe dabei laut Ilona Koch angekündigt, das Vorkaufsrecht ausüben zu wollen. Es behalte sich jedoch vor, nur Teile des städtischen Bestandes zu übernehmen. Dann aber würde die Sammlung zerschlagen werden. „Aktuell fehlt die Entscheidung“, wer von kommenden Januar an Träger des Deutschen Spielkartenmuseums ist, „sodass derzeit auch keine Fördermittel beantragt werden können“, kritisiert Koch. Auch die Einbindung möglicher Finanzierungspartner sei dadurch erschwert. Entweder bleibe die Stadt der Träger des Museums, oder das Land übernimmt, oder es steigt ein anderer Partner ein. Ein klares Bekenntnis zum Kulturgut Spielkarte fehle bisher vom Land Baden-Württemberg als auch von der Stadt Leinfelden-Echterdingen.