Zusätzlich treibt die Branche derzeit das Thema Nachhaltigkeit um. „Der Greta-Thunberg-Effekt ist in der deutschen Spielwarenindustrie angekommen“, glaubt der Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie (DVSI), Ulrich Brobeil, in Anlehnung an die schwedische Umweltaktivistin. Das Gros der Hersteller im DVSI sei überzeugt, dass ökologische Nachhaltigkeit eine strategische Bedeutung hat, die künftig über Verkaufserfolge mitentscheide.
Verpackungen sollen weniger werden
Für eine Branche, deren in Deutschland verkaufte Waren zu 70 Prozent aus China kommen und oft komplizierten Lieferketten unterliegen, ist das anspruchsvoll. Das räumen auch Brobeil und BVS-Chef Steffen Kahnt ein.
Beginnen will man bei den am leichtesten zu ändernden Dingen, wie etwa der Verpackung. Die ist bei Spielwaren oft besonders voluminös. „Es wird weniger und leichter zu öffnen“, verspricht Kahnt. „Das Nachhaltigkeitsversprechen ist einlösbar“, meint auch Brobeil und spricht von Recyclingfähigkeit der Produkte oder einer energiearmen Produktion.
Dass hier vieles möglich ist liegt laut den Verbänden zum einen daran, dass deutsche Spielwarenhersteller im internationalen Vergleich relativ häufig in Deutschland oder zumindest Europa fertigen würden, wo der Produktionsprozess unter der eigenen Hoheit steht.
Viele produzieren noch in Europa
Playmobil als eine der Branchengrößen etwa fertigt fast ausschließlich innerhalb der EU. Zum anderen gebe es auch in China vertrauenswürdige Produzenten. Schwarze Schafe unter ihnen würden oft über dubiose Online-Händler mit Sitz außerhalb der EU per Amazon oder Ebay verkaufen und sich so der Marktüberwachung entziehen.
Beide Verbände räumen trotzdem ein, dass es in der Branche bei der Nachhaltigkeit einigen Verbesserungsbedarf gibt. Das verdeutlicht der Spielwarenreport 2019 von der weltweit über Sozialstandards wachenden Christlichen Initiative Romero (CIR) – speziell mit Blick auf die Produktionsbedingungen für Beschäftigte in chinesischen Spielzeugfabriken.
Was dort passiert haben verdeckte Ermittlerinnen der Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch im CIR-Auftrag enthüllt: Keine der fünf untersuchten Fabriken, die für internationale Konzerne wie Disney, Mattel und Lego fertigen, hat demnach einen existenzsichernden Lohn gezahlt.
Schlechte Arbeitsbedingungen in China
Monatlich mussten mitunter unfreiwillig zwischen 60 und 126 Überstunden gemacht werden, obwohl das chinesische Arbeitsrecht maximal 36 Überstunden erlaubt. Prekär seien auch die Zustände in den Unterkünften für das Personal gewesen, mit bis zu 15 Arbeiterinnen pro Zimmer.
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Um solche Zustände abzuschaffen, haben sich Handel, Industrie und CIR nun zusammengeschlossen. Angedacht sei, ein Sozial- und Ökosiegel für Spielwaren zu schaffen. Bislang hätten sozial- und umweltbewusste Käufer diesbezüglich kaum Orientierungshilfen, kritisiert CIR. 2020 wollen Handel und Industrie in Abstimmung mit CIR einen Vereins gründen, der das Thema Nachhaltigkeit von allen Seiten angehen soll, sagt Brobeil.
Kuscheltiere kommen gut an
Dieses Weihnachten müssen Verbraucher ohne Nachhaltigkeitssiegel einkaufen gehen. Vor allem klassisches Spielzeug ist gefragt. So erleben Gesellschaftsspiele speziell für Erwachsene seit fünf Jahren einen Höhenflug. Um gut 40 Prozent hat der Absatz in diesem Zeitraum zugelegt.
„Unter allen Spielwaren sind Spiele und Puzzles die wichtigste Warengruppe im Weihnachtsgeschäft“, sagt der Vorsitzende des Verbands Spieleverlage, Hermann Hutter. Brett- und Kartenspiele seien ein gern gesehenes Gegenmittel zur Digitalisierung. Die gibt es auch bei Spielwaren: Kuscheltiere, mit denen Kinder sprechen können und die ferngesteuert werden, kämen gut an, sagt Kahnt.