Spielzeit 2024/25 Das plant die Stuttgarter Oper

Kann man eine Oper über die Rote Armee Fraktion machen? Stuttgart kann. Foto: dpa/Tim Brakemeier

Das kann spannend werden! Die Performerin Florentina Holzinger spielt eine Nonne in sexueller Ekstase und Maeckes rappt über die Rote Armee Fraktion. Aber keine Sorge: Es gibt auch Mozart und Prokofjew.

Mit diesem Satz tritt Intendant Viktor Schoner den Gerüchten entgegen, er bewerbe sich um Intendanzen in Hamburg, Berlin, München und Salzburg: „Wer Oper wirklich ernst nimmt, findet keinen besseren Ort dafür als die Staatsoper Stuttgart.“ Tatsächlich habe er sich lediglich (vergebens) um den Chefposten bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen beworben, „weil ich das Schlosstheater dort wachküssen will“.

 

Cornelius Meister dirigiert eine Operette

Und so endet die kommende Opernsaison wie die laufende mit einer Premiere in der Residenzstadt – 2024/25 wird das Mozarts Singspiel-Fragment „Zaide“ sein. In Stuttgart gibt’s den zweiten Mozart: „Idomeneo“, inszeniert von Bastian Kraft. Dessen „Rusalka“ wurde zum Publikumshit, und bei Mozarts Vater-Sohn-Geschichte sollen im November die Schatten der Figuren eine wichtige Rolle spielen. Die Regisseurin des neuen „Otello“, Silvia Costa, kennt man ebenfalls schon: von Vivaldis „Juditha triumphans“. Auch Axel Ranisch kehrt zurück: Nach „Die Liebe zu den drei Orangen“ nimmt er sich mit „Der Spieler“ seine zweite Prokofjew-Oper vor. Cornelius Meister dirigiert „Idomeneo“ und – Überraschung! – eine Operette. „Casanova“ fußt auf Musik von Johann Strauß, aus der Ralph Benatzky 1928 eine „Revue-Operette“ gemacht hat. Außerdem steht Meister bei der Spielzeiteröffnung mit Achim Freyers „Freischütz“ am Pult. 1980 erzeugte die Premiere in Stuttgart einen Skandal. Einen neuen könnte die erste Premiere bescheren: Die Skandal-Performerin Florentina Holzinger inszeniert Paul Hindemiths Skandal-Stück „Sancta Susanna“. 1922 sollte der Einakter in Stuttgart herauskommen, wurde aber, weil es um das erotische Begehren einer Nonne geht, als zu anstößig zurückgezogen; die Koproduktion mit dem Theater Schwerin und den Wiener Festwochen ist also eine Art späte Wiedergutmachung.

Ulrike Meinhof ersteht als Orca wieder auf

Womöglich gilt dies auch für die Uraufführung: „Der rote Wal“ erzählt die Geschichte der RAF – als Märchen, in dem Ulrike Meinhof als terroristischer Orca reinkarniert. Der Text stammt von Maeckes alias Markus Winter, die Musik von den Brüdern Vivan und Ketan Bhatti. Eine Stammheim-Rap-Oper? Vielleicht. In jedem Fall eine Aufforderung an junge Leute, auch mal in das alte Haus reinzuschauen.

Termine der Staatsoper in der Spielzeit 2024/25

Premieren

5. Oktober
„Sancta“. Opernperformance von Florentina Holzinger. Musikalische Leitung: Marit Strindlund/Regie: Florentina Holzinger

24. Oktober
 Wolfgang Amadeus Mozart: „Idomeneo“. Cornelius Meister/Bastian Kraft

22. Dezember
Johann Strauss, Ralph Benatzky: „Casanova“. Cornelius Meister und Luka Hauser/Marco Storman

2. Februar
Sergej Prokofjew: „Der Spieler“. Nicholas Carter/Axel Ranisch

18. Mai
Giuseppe Verdi: „Otello“. Stefano Montanari/Silvia Costa

18. Juni
Vivan und Ketan Bhatti: „Der rote Wal“ (Uraufführung). Keren Kagarlitsky/Martin G. Berger

Juni
Wolfgang Amadeus Mozart: „Zaide“. N. N./Jessica Glause

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