Spionagemetropole Frankfurt Mit der U-Bahn ins Hauptquartier der Spionage

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Das US-Generalkonsulat in Frankfurt soll zu den Operationszentren gehören, von denen aus Hacker der CIA arbeiten.

Laut Wikileaks war das US-Konsulat in Frankfurt ein Ausgangspunkt für Spionageaktionen des CIA Foto: dpa
Laut Wikileaks war das US-Konsulat in Frankfurt ein Ausgangspunkt für Spionageaktionen des CIA Foto: dpa

Stuttgart - Einen Spion nach Deutschland einzuschleusen, ist offenbar eine ziemlich leichte Übung. Wie es geht, steht in dem Dokument mit der Nummer 20251151, das Wikileaks jetzt veröffentlicht hat. Das liest sich wie eine Art Reiseführer für Agenten der Central Intelligence Agency (CIA), die nach Frankfurt abkommandiert sind. Das dortige Generalkonsulat der Vereinigten Staaten ist offenbar ein Hauptquartier der Hacker in Diensten des amerikanischen Staates. Die diplomatische Dependance der USA vis-à-vis des Frankfurter Hauptfriedhofs ist das weltweit größte US-Konsulat. 900 Leute sollen dort beschäftigt sein. Auf dem Gelände befand sich früher das größte amerikanische Lazarett in Europa. Frankfurt gilt auch als eine der bedeutendsten CIA-Filialen außerhalb der Vereinigten Staaten. Im Generalkonsulat soll laut Wikileaks das Center for Cyber Intelligence Europe (CCIE) seinen Sitz haben, von wo aus die Hacker des CIA Europa, den Mittleren Osten und Afrika beackern.

In der Spionageaffäre spielt Frankfurt eine Hauptrolle

Frankfurt gilt als Amerikas Spionagemetropole in Deutschland. In der Region gibt es weitere Zentren der Geheimdienstgeografie, so zum Beispiel den „dagger complex“ („Dolch-Areal“) in Darmstadt, von wo aus US-Agenten operieren, darunter auch die National Security Agency (NSA). Dort ist das United States Army Intelligence and Security Command: die Spionagezentrale der US Army. Die NSA betreibt dort nach Medienberichten das European Cryptologic Center, ein Analysezentrum, das sich mit Verschlüsselungstechnik beschäftigt.

Auch in der Spionageaffäre, mit der sich seit drei Jahren ein Untersuchungsausschuss des Bundestags beschäftigt, spielt Frankfurt eine Hauptrolle. In der Mainmetropole befindet sich der weltweit größte Netzknoten für Telekommunikation, DE-CIX genannt. Er wird von 600 Internetdienstanbietern aus mehr als 60 Ländern genutzt. Dort kann eine Datenmenge von 20 Billionen Bit pro Sekunde durchgeschleust werden, ein erheblicher Teil der europäischen Telekommunikation. DE-CIX wird auch vom Bundesnachrichtendienst (BND) angezapft. Eine Klage der Betreiberfirma ist beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anhängig. Der BND leitet seine aus DE-CIX gewonnenen Erkenntnisse teils an die NSA weiter.

Empfehlungen für die unkontrollierte Einreise

Wie viele Hacker der CIA im Generalkonsulat an der Gießener Straße im Norden der Frankfurter City arbeiten, ist nicht bekannt. Jedenfalls haben sie offenbar kein Problem, nach Deutschland zu gelangen. Darauf lassen die von Wikileaks publizierten Dokumente schließen. Demnach reisen die Agenten mit einem Diplomatenpass („black passport“), den sie an der Pforte des Konsulats gegen einen gelben Besucherausweis eintauschen. Offiziell geben sie sich als Angestellte des US-Außenministeriums aus. Falls sie von deutschen Sicherheitsbehörden nach dem Zweck ihres Aufenthalts in Frankfurt befragt werden sollten, lautet die vom CIA empfohlene Standardantwort: „unterstützende technische Beratung im Konsulat“. Vor den Kontrollen bei der Einreise müsse ihnen nicht bange sein, heißt es in dem Brevier der Spionagebehörde: „Alles, was sie tun, ist, Ihren Pass zu stempeln“, steht dort über die Arbeit der Grenzbeamten. Die CIA-Praktiken, so Wikileaks, ließen die deutsche Spionageabwehr „inkonsequent“ erscheinen. Die CIA empfiehlt ihren Leuten, mit der U-Bahn U 5 zur Arbeit zu fahren. In den Wikileaks-Papieren findet sich auch eine Liste von Hotels, die bereits „vorüberprüft“ seien.

Die hessische Landesregierung will jetzt von der US-Regierung wissen, was sich hinter den Stahlzäunen des Konsulats wirklich abspielt. Solche Anfragen sind für gewöhnlich das Papier nicht wert.