Wegen Stellenkürzungen war die Zukunft des „Klosters für die Stadt“ in Esslingen unsicher. Das spirituelle Angebot in der Franziskanerkirche bleibt jedoch erhalten – wenngleich in kleinerem Umfang.
Meditatives Tanzen im gotischen Sakralbau, eine Stunde der Stille im kühlen Kirchenschiff oder ein gregorianisch gesungenes Mittagsgebet: Das „Kloster für die Stadt“ in Esslingen soll eine Stätte der Spiritualität und Begegnung im hektischen städtischen Heute sein. Das ökumenisch ausgerichtete Angebot besteht seit 20 Jahren mit Veranstaltungen in der früheren Franziskanerkirche und dem Neuen Blarer. Es erfreut sich nach Angaben der Organisatoren großer Beliebtheit. Dennoch war im Frühjahr 2024 unklar, ob es noch eine Zukunft hat. Vor kurzem gab die evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen bekannt, dass es weitergehen soll, wenn auch mit verringertem Programm.
Hintergrund der Überlegungen sind schwindende Personalressourcen. Der Pfarrplan der evangelischen Landeskirche sieht die Streichung eines Stellenanteils von 25 Prozent in der Cityseelsorge zum Jahreswechsel vor. Damit verringern sich die Kapazitäten von Pfarrerin Cornelia Krause, die unter anderem für das Kloster zuständig ist, aber auch für die Südkirche. Auch die katholischen Kooperationspartner haben sich personell zurückgezogen. Die Hoffnung liegt nun auf Ehrenamtlichen.
Das „Kloster für die Stadt“ heißt nur im übertragenen Sinne so, denn es beherbergt keinen Konvent und keine Gemeinschaft. Der Name referiert aber auf die klösterliche Tradition Esslingens und den Veranstaltungsort: die Franziskanerkirche am Blarerplatz beziehungsweise das, was noch von ihr übrig ist. Im 13. Jahrhundert hatten sich die ersten Franziskaner in Esslingen niedergelassen und mit dem Bau der Kirche, eine dreischiffige Basilika, begonnen. Diese und weitere Klostergebäude fielen nach der Reformation an die Stadt, weite Teile wurden abgerissen. Was heute als Franziskanerkirche bezeichnet wird, ist tatsächlich nur noch der ehemalige Chor.
Nach der Sanierung 2004 wurde das Gebäude nicht mehr als Gemeindekirche genutzt. Dennoch sollte hier wieder geistliches Leben entstehen – ein Zentrum, das an die Tradition der Franziskanermönche in Esslingen anknüpft, wie es auf den Internetseiten der Stadtkirchengemeinde heißt. Vor einigen Jahren stand das Angebot kurzzeitig schon einmal vor einer ungewissen Zukunft: 2017 wurde bekannt, dass die evangelische Kirche über einen Verkauf des Gotteshauses zusammen mit dem angrenzenden Gemeindehaus nachdachte.
Programm wird abgespeckt
Das Team des „Klosters für die Stadt“ wolle dazu beitragen, dass im Raum der Kirche durch niederschwellige Angebote Gemeinschaft über Konfessions- und Gemeindegrenzen erlebt werden könne. Darüber hinaus lasse sich „Wesentliches entdecken“ – so das Motto des Klosters für die Stadt: „Besinnung im Alltag, Hilfe und Orientierung in der eigenen Lebenshaltung sowie Erkenntnisse und Austausch über den Glauben“, sagt Cornelia Krause, die selbst immer wieder Kurse und Workshops zu verschiedenen Themen angeboten hat.
Doch künftig müsse sie Abstriche machen. Die „Wunden Punkte“, Passionsandachten an wechselnden Orten in Kooperation mit unterschiedlichen Einrichtungen in der Stadt, soll es demnach nicht mehr geben. Ihre Mitarbeit bei Ausstellungen, Konzerten oder anderen Veranstaltungen werde Krause ebenfalls reduzieren. Vieles jedoch stütze sich schon heute überwiegend auf ehrenamtliche Schultern: Die Stunde der Stille, die die Keimzelle des Klosters war, verantworte ein ehrenamtliches Team, ebenso das gregorianische Mittagsgebet.
Mehr zum Kloster für die Stadt online unter: www.stadtkirchengemeinde-esslingen.de