Spitalkirche in Herrenberg Bohrmaschinengetöse statt Orgelklänge

Endlich ein Bauprojekt, das nicht teurer wird als geplant: Der Umbau der Spitalkirche in Herrenberg zu einem Bürgertreff schreitet schnell voran. Am Samstag dürfen alle Neugierigen einen Blick auf die Baustelle im Gotteshaus werfen.

Ein raumhohes Gerüst dominiert zurzeit  das Gotteshaus. Foto: factum/Granville 5 Bilder
Ein raumhohes Gerüst dominiert zurzeit das Gotteshaus. Foto: factum/Granville

Herrenberg - Wenn sich am Samstag während des Herrenberger Kunsthandwerkermarkts (Kreis Böblingen) die Türe der Spitalkirche unterhalb des Marktplatzes öffnet, werden die meisten Passanten wohl staunen. Ein riesiges Metallgerüst füllt den Kirchenraum aus. Vom Boden bis zum Dach reicht das Gestell, auf dem Handwerker herumturnen. Zurzeit sind sie damit beschäftigt, die historischen Fenster auszubauen. Diese werden restauriert, erhalten eine zusätzliche Dämmscheibe und werden dann wieder eingesetzt.

Die Renaissancedecke ist bereits freigelegt – zumindest zu einem kleinen Stück. Die gesamte Decke, die hinter zwei weiteren Schichten liegt, wieder hervorzuholen, wäre viel zu teuer. Deshalb muss ein Ausschnitt genügen. „Wir sind fast im Zeitplan“, sagt der Dekan Eberhard Feucht erfreut. „Lediglich ein paar Tage im Verzug wegen Krankheit.“

600 Jahre alte Kirche

Aber der Dekan ist sehr zuversichtlich, das gesteckte Ziel zu erreichen, bis Ende des Jahres mit dem Umbau fertig zu sein. Noch erfreulicher aus Sicht von Feucht: „Wir halten unseren Kostenplan ein.“ Auf eine Million Euro hat man das Budget gedeckelt. Und trotz rasant steigender Baukosten bleibe man in diesem Limit.

Doch noch hat der Dekan nicht die ganze Summe zusammen. Mehr als 800 000 Euro aus Eigenmitteln, Zuschüssen der Landeskirche, der Denkmalstiftung und der Stadt sowie Spenden- und Sponsorengeld sind im Finanzierungstopf. „Jetzt fehlen uns noch etwa 198 000 Euro“, sagt Feucht – und wirbt für den Online-Shop der Kirchengemeinde. Dort können Unterstützer gezielt einzelne Ausstattungsgelemente von Kirchenstühle bis zu Seifenspendern erwerben – für die Kirche.

Mitten in der Herrenberger Altstadt liegt die mehr als 600 Jahre alte Kirche mit einem bis zur Renovierung sehr morbiden Charme und einem ebenerdigen Zugang. „Nur einen Schritt, und man ist von der Einkaufsstraße in einer anderen, sakralen Welt, ohne viele Treppen steigen zu müssen, wie beispielsweise hoch zur Stiftskirche“, hatte der Dekan Eberhard Feucht Feucht beim Baggerbiss im vergangenen Herbst gesagt. Diesen besonderen Ort will die evangelische Kirchengemeinde nutzen, um das Gotteshaus zu einem Treffpunkt für alle Bürger umzubauen. Und die Bürger machen eifrig mit.

Die Kirche als Raum der Begegnung

Vor fast zehn Jahren hatten die Planungen begonnen. Ursprünglich wollten Jugendliche das Gotteshaus in eine Jugendkirche umbauen. Die ganze Stadt engagierte sich und sammelte mit diversen Aktionen Spenden für den Umbau. Im Herbst 2013 stoppte der damals neue Dekan Feucht dann das Projekt, weil die Kosten aus dem Ruder liefen. Viele Spender reagierten empört, einige wollten ihr Geld zurückhaben. Mittlerweile aber haben sich die Gemüter beruhigt, auch weil in vielen gemeinsamen Workshops nun ein neues Konzept gefunden wurde.

Die Kirche soll zu einem Raum der Begegnung werden. Gottesdienste sollen dort ebenso stattfinden wie Konzerte, Theateraufführungen und Fortbildungen. Zu Kafferunden soll man sich treffen können oder einfach nur eintreten können, um kurz zu entspannen und zur Ruhe zu kommen nach einem turbulenten Einkauf.

Im gerade ausgehobenen Kellergeschoss werden Toiletten für die Besucher eingebaut, auch eine kleine Küche wird installiert. „Die Vorarbeiten dafür sind bereits abgeschlossen“, freut sich der Projektleiter Nikolaus Pfaff vom Kirchengemeinderat. Ein gläserner Windfang kommt vor die Eingangstüre, von der eine Rampe für Rollstuhlfahrer ins Innere führen soll.

Am Samstag haben alle Interessierten Gelegenheit, den Stand der Bauarbeiten zu begutachten – allerdings nur von der Tür aus. „Die Baustelle darf nicht betreten werden. Das wäre zu gefährlich“, sagt Nikolaus Pfaff.

Webshop sucht Kunden

Tag der offenen Tür:
An diesem Samstag ist von 10 bis 17 Uhr Handwerkermarkt in der Herrenberger Altstadt. Während des Markts kann man auch einen Blick ins Innere der Spitalkirche werfen. Mitglieder der Kirchengemeinde geben Auskunft zum Baufortschritt.

Online-Shop:
Spenden für den Umbau sind ausdrücklich erwünscht. Man kann auch gezielt in die Ausstattung des künftigen Kirchen- und Bürgertreffs investieren: Wie wäre es zum Beispiel mit einer Fluchtwegleuchte für 202 Euro oder mit einem laufenden Meter Einbauküche für 523 Euro. Alle Produkte findet man im Online-Shop, dort kann man aber auch einfach so spenden.




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