Spitzenspiel in der Fußball-Landesliga Was steckt hinter dem Serienaufsteiger FC Esslingen?

Von Anfang an dabei: der Esslinger Kapitän Georgios Natsis. Foto: /Herbert Rudel

Im Spitzenspiel gegen den TSV Weilimdorf kann der Klassenneuling am Sonntag den vierten Aufstieg in sechs Jahren klarmachen. Der Blick auf die Hintergründe eines Projekts, das zunächst viele Skeptiker hatte.

Reporter: Sigor Paesler

Frisch geduscht und auf dem Weg zum Bus konnte Georgios Natsis wieder lächeln. „Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass es gegen die Weilimdorfer geht“, sagte der Kapitän des Fußball-Landesligisten FC Esslingen. „Zuhause zu feiern, ist umso schöner“, hatte zuvor schon sein Trainer Christian Ehrenberg erklärt, nachdem er die erste Enttäuschung abgeschüttelt hatte. Die Esslinger Fußballer hatten es verpasst, bereits am siebtletzten Spieltag den Durchmarsch von der Bezirks- in die Verbandsliga klarzumachen, weil sie in Waldstetten aufgrund einer ungewohnt schwachen Vorstellung nur zu einem glücklichen 2:2-Unentschieden gekommen waren.

 

Komfortable sechs Gelegenheiten bleiben den Esslingern nun aber noch, und es gibt in Anbetracht von 18 Punkten Vorsprung keinen Zweifel daran, dass sie den Sprung in eine Liga schaffen werden, in der ihre Region seit dem Abstieg des TSVW Esslingen im Jahr 2000 nicht mehr vertreten war. Es war eine schmerzhafte Zeit für die Esslinger Fußball-Fans. Was Natsis meinte: Es soll nun ausgerechnet gegen den TSV Weilimdorf gelingen – das einzige Team, das dem Spitzenreiter den Meistertitel zumindest theoretisch noch streitig machen kann. Erster gegen Zweiter: Am Sonntag (15 Uhr) steigt zwischen den beiden Führenden der Tabelle im Sportpark Weil das Gipfelduell.

Eine Stadt im Fußball-Schmerz

Wer aber ist dieser Weilimdorfer Gegner eigentlich? Und wie kam es zur Renaissance des Esslinger Fußballs? Hauptgrund war wohl eben besagter Schmerz, dass die Stadt viele Jahre nach der Wäldenbronner Blütezeit in der Oberliga von der überregionalen Fußball-Landkarte verschwunden war. Der TSV RSK Esslingen war mal in der Landesliga und ging dann wieder runter. Ansonsten waren Vereine aus der Umgebung wie der TV Nellingen, der TSV Deizisau oder der TSV Köngen das regionale Aushängeschild – aber auch in ihren Fällen mit Maximum Landesliga. Also machte sich eine Gruppe von Leuten daran, die Esslinger Fußballvereine davon zu überzeugen, dass es nur gemeinsam geht. Martin Hägele, der Erfolgstrainer des TSVW, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Auch die SPD-Landesgröße Wolfgang Drexler warf ihr politisches Gewicht in die Waagschale. Im Jahr 2011 also gründeten neun Clubs den FC Esslingen. Die Idee: Alle geben ihre besten Talente runter in den Sportpark, dort werden sie von kompetenten Trainern ausgebildet, und irgendwann startet eine Männermannschaft durch. Als mittelfristiges Ziel hörte man das Wort „Oberliga“.

Erst seit sechs Jahren im Männer-Spielbetrieb

Folgerichtig ging es zunächst nur mit Jugendteams los. Erst in der Saison 2018/2019 trat ein Männerteam in der Kreisliga B an. Mit dabei: eigene Talente und Rückkehrer, die anderswo höherklassig gekickt hatten und vom Projekt überzeugt wurden. Natsis etwa, der demnächst mit der Mannschaft den vierten Aufstieg innerhalb von sechs Spielzeiten feiern wird. Die Trainer wurden, maßgeblich von Hägele, sorgfältig ausgewählt. Zunächst Mario Palomba, dann der frühere Coach des SSV Reutlingen, Lothar Mattner. Und seit bald zwei Jahren Ehrenberg, was folgerichtig und zugleich ein Glücksfall ist: Der Lehrer hat fast alle jetzigen Spieler bereits in der Esslinger Jugend trainiert.

Was den Machern neben dem sportlichen Erfolg immer wichtig war: Der Verein engagiert sich auch sozial. Hägele überlässt das Tagesgeschäft mittlerweile weitgehend anderen, sein Herzensprojekt ist das Inklusionsprojekt FC United, das der FC Esslingen gemeinsam mit dem TV Nellingen betreibt. Zudem kehren mittlerweile regelmäßig Fußballer zu den Esslinger Gründervereinen zurück, die es nach der Ausbildung nicht ins FCE-Männerteam geschafft haben. Das ist einer der Gründe, warum die zunächst durchaus beträchtliche Zahl der Skeptiker kleiner geworden ist. Noch geringer wird sie vermutlich, wenn Esslingen bald wieder zumindest in der Verbandsliga vertreten ist. Ob es Natis und seine Kameraden im Spiel gegen Weilimdorf klarmachen oder erst später.

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