Spitzenwinzer aus Italien Weinmacher auf Werbetour

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Elio Altare, der weltbekannte Produzent aus dem Piemont, reist nicht gern. Für Stuttgart macht er eine Ausnahme. Denn er weiß wie viele seiner berühmten Kollegen, dass die Schwaben längst ihr Herz an edle italienische Weine verloren haben.

Von wegen Rente: Winzer Elio Altare baut ein verlassenes Dorf wieder auf und stellt Käse her. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko, Leif Piechowski,Achim Zweygarth
Von wegen Rente: Winzer Elio Altare baut ein verlassenes Dorf wieder auf und stellt Käse her. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko, Leif Piechowski,Achim Zweygarth

Stuttgart - Konzentrierte Stille im Seminarraum: Willi Stürz ist zu Gast beim Weingroßhändler Fischer & Trezza in Wangen. Der Mann, der Kellermeister der Genossenschaft Tramin ist, will seine neuen Selektionsweine vorstellen, die nicht nur ein schickes Flaschendesign bekommen haben, sondern auch drei Monate länger reifen dürfen als ihre Vorgänger. Stuttgart ist Station drei seiner Tour, nach Rom und Mailand. Stürz ist Stammgast bei der Hausmesse von Dieter Fischer im November, dieses Jahr fand die 18. Auflage der „Vinitalia“ statt. Er komme Fischer zuliebe, sagt Stürz, und weil er die Traminer Winzer exklusiv in Deutschland vertreibe.

Stürz lässt den Stoan Bianco, eine weiße Cuvée, einschenken, den Pinot Grigio Unterebner und den berühmten Gewürztraminer Nussbaumer. Der 2014er Jahrgang sei „rauchig, speckig, schlank und säurebetont“, meint Stürz. Nicken in der Runde, bedächtig schmecken die rund 60 Tester den Beschreibungen von Willi Stürz und dem Weinjournalisten Jens Priewe nach. Dieter Fischer sei nun mal „der Platzhirsch im Südwesten“, sagt der. Das war nicht abzusehen, als der Schwabe 1975 seinen Handel in Untertürkheim aufmachte: „Die haben mit Chianti in Bastflaschen angefangen. Das hat den Leuten gefallen, die konnte man als Kerzenständer benutzen.“

Abende, dem Trüffel gewidmet , Folge sieben: Einmal im Jahr zelebriert Roberto Zollino, den alle Roberto nennen, seine Piemont-Menüs – mit Alba-Trüffel und einem Spitzenweingut. Vorige Woche war Mario Cordero von Vietti aus Castiglione Falletto zu Gast beim Patron des Restaurants La Scala – Vietti gilt als Erfinder des Roero Arneis. Einen Generalimporteur für Deutschland hat Cordero nicht: „Auf der Bank zu sitzen ist nicht unsere Rolle.“ Umso wichtiger sei der Kontakt zu ausgewählten Gastronomen. „Das gehört zum Service.“

Barolo zum Trüffelmenü

Also kümmert er sich in Stuttgart um das La Scala: Der Edelitaliener war einer der Ersten in der Stadt, er hat 1988 eröffnet, 1990 hat Roberto hier als Kellner angefangen, seit 1999 ist er selbst der Chef. Die Zeiten in der Innenstadt waren schon besser, Roberto flüchtet sich in Sarkasmus: „Es ist erstaunlich, im Winter lieben uns alle, im Sommer findet kaum einer den Weg zu uns.“ Jetzt aber ist es draußen ungemütlich, während drinnen zu Jakobsmuschel, Ricottatörtchen, Wachtelbrust und Kalbsfilet natürlich der Arneis Vietti, aber auch der Barbera Tre Vigne, Nebbiolo Perbacco, Barolo Lazarito und Ravera eingeschenkt werden. Die Gäste an diesem Abend hat Wolfgang Kuhn, der Sprecher der Südwestbank, eingeladen. Er ist wie so viele Stuttgarter Stammgast bei Roberto – und den besonderen Abend verbringt er mit Menschen, „die so etwas zu schätzen wissen“.

Zwölf Jahrgänge, eine Lage

Schartners Samstag beginnt um halb zwölf: zur ungewöhnlichen Tageszeit verkosten die Gäste bei Nicolay &  Schartner am Löwentor zwölf Jahrgänge des Barolo Arborina von und mit Elio Altare. Ein seltenes Vergnügen, denn der legendäre Winzer aus La Morra reist nicht gern.

Nach fünfzig Lesen habe er genug, erzählt Altare, der als Wegbereiter des modernen Weinbaus im Piemont gilt. „Ich bin in Rente.“ Das stimmt aber nicht so ganz. Zwar führt heute seine Tochter Silvia das Gut, während die Schwester Elena von Bamberg aus den Vertrieb in Deutschland steuert und ihn zu Karl Schartner nach Stuttgart begleitet hat. Aber der freundliche kleine Mann mit der leisen Stimme ist ein echter Patron. So wie es sein Vater war, der ihn enterbt hat, als er seine Eindrücke aus dem Burgund daheim umsetzen wollte. Noch heute hat er nur Barrique-Fässer im Keller, was ihn jedes Jahr eine stolze Summe kostet.

Altare ist ein Dickkopf, aber auch ein Idealist. Nach Schmorbraten mit Trüffeln und Nusskuchen mit Zabaione aus der Augustenstüble-Küche von Obi Oberkamm erzählt er, dass er den Hunger nach dem Krieg kennengelernt habe. „Ich bin Bauer, ich will mein Wissen nicht mit ins Grab nehmen.“ Deshalb baut er mit Freunden ein verlassenes Dorf wieder auf. Fünf Kühe hat er ebenfalls angeschafft, aus ihrer Milch macht er Käse. Außerdem baut er Weißwein an im Cinque Terre, denn „da ist ein großes Potenzial“.

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